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Ein neues Experiment lässt in die Zukunft von Mixed Reality blicken

von Tomislav Bezmalinovic21. März 2017

Disneys Forschungsabteilung hat ein Experiment durchgeführt, bei dem ein Mann in der Virtual Reality reale Tennisbälle fängt. Was hat es damit auf sich und welchen Nutzen hat diese Forschung?

Ein Mitarbeiter von Disneys Forschungsteam wirft einem Mann mit VR-Brille einen realen Tennisball zu. Sobald der Ball die Hand des Werfers verlässt, wird er für den Bruchteil einer Sekunde von einem Trackingsystem erfasst. Aus diesen Daten wird mit Hilfe eines Algorithmus die Flugbahn berechnet und in die Virtual Reality übertragen, sodass der Mann unter der VR-Brille den Ball auf sich zufliegen sieht und in der Lage ist, ihn zu fangen.

So weit, so gut. Dank des Algorithmus können die Forscher nun einen Schritt weitergehen und dem Mann zusätzlich die Flugbahn des Balles und den Ort, an dem er auftreffen wird, anzeigen lassen. Der Mann unter der VR-Brille weiß damit schon im Voraus, wie sich der Ball bewegen wird. Am Ende des Experiments verzichten die Forscher auf die Visualisierung des virtuellen Balls und dessen Flugbahn und zeigen dem Mann nur noch die Stelle, an der der Ball auftreffen wird.

Jetzt braucht der Mann nur noch die Hand auszustrecken und an die betreffende Stelle zu halten, um den Ball zu fangen. Eine Gegenüberstellung zeigt den Unterschied bei der Fangtechnik: Zu Beginn des Experiments berechnete der Mann die Flugbahn und den Punkt des Auftreffens selbst und bewegte sich dabei, wie man es in der Realität erwarten würde. Am Ende des Experiments sieht er den Ball nicht mehr und die Berechnung wird vom Computer übernommen. Das Ergebnis ist, dass der Mann nur noch roboterhaft den Arm ausstreckt.

Mit Mixed Reality wird die Realität modifizierbar

Das Experiment zeigt das Potenzial von Mixed-Reality-Anwendungen, bei denen sich die reelle und die virtuelle Welt gegenseitig erweitern. Man stelle sich ein Spiel namens “Cyberball” vor, bei denen die Spieler in einer Sporthalle eine Mixed-Reality-Brille tragen, aber mit einem realen Ball spielen. Die virtuelle Realität würde um die Physikalität und Haptik eines realen Balls erweitert und die reale Welt um eine virtuelle Spielarena – samt der Möglichkeit, die Flugbahn des realen Balls vorauszuberechnen.

Der Leiter von Oculus’ Forschungsabteilung Michael Abrash sieht in solchen Szenarien den Endpunkt einer technologischen Entwicklung, die mit heutigen VR- und AR-Brillen erst an ihrem Anfang steht. Geht es nach Abrash, werden die Mixed-Reality-Brillen der Zukunft mittels speziellen Kameras in der Lage sein, die Außenwelt in die Virtual Reality zu holen. Dort würden die Grenzen zwischen der realen und virtuellen Welt endgültig verwischt. “Wir werden eine Mixed Reality haben und wir werden wählen können, welche Elemente von welcher Realität wir darin haben wollen.” Die Realität, so Abrash, werde vollständig modifizierbar.

Disneys Forschungsarbeit kann man hier herunterladen.

| Featured Image: Disney | Via: Road to VR

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