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Ein Programm erstellt aus Fotos und Videos ein 3D-Modell einer Stadt

von Tomislav Bezmalinovic22. Mai 2017

Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) haben ein Computerprogramm entwickelt, das Bilder und Videos aus unterschiedlichsten Quellen auswerten und daraus ein 3D-Modell einer Stadt erstellen kann.

Google Earth VR gibt eine frühe Vorstellung davon, wie es wäre, wenn die Welt vollständig digitalisiert wäre. Besonders eindrucksvoll sind die 3D-Modelle von Landschaften und Städten. Um diese zu erstellen, fliegt Google systematisch Gebiete ab und fotografiert sie von allen Seiten. Aus den Fotografien werden anschließend mittels GPS-Daten und Algorithmen 3D-Modelle gewonnen.

Wissenschaftler der ETH haben jetzt eine Computerplattform namens “VarCity” vorgestellt, die Städte mit Hilfe verschiedenster Bildquellen in 3D rekonstruieren kann. Varcity ging aus einem fünfjährigen Forschungsprojekt des Computer Vision Lab der Hochschule hervor, das von Professor Luc van Gool geleitet wird.

Ein 3D-Modell aus Touristenfotos und Webcam-Aufnahmen

Nebst Fotografien von Dronen und 360-Grad-Aufnahmen kann Varcity auch Schnappschüsse von Touristen oder Bildmaterial aus sozialen Medien auswerten. Selbst mit Filmmaterial von Youtube oder öffentlichen Webcams kann das Programm gefüttert werden. Varcity schuf so mit Hilfe von Millionen von Fotos und Videos ein 3D-Modell der Stadt Zürich.

“Je mehr Bilder und Videos die Plattform auswerten kann, desto präziser wird das Modell”, erklärt Kenneth Vanhoey, ein Postdoktorand, der an der Entwicklung von Varcity beteiligt war.  “Das Ziel unserers Projekts war, Algorithmen für 3D-Stadtmodelle zu entwickeln, da wir davon ausgehen, dass die Menge an verfügbaren Bildern und Videos in den kommenden Jahren stark zunehmen wird.”

Varcity ist zudem in der Lage, unterschiedliche Objekte wie Gebäude, Menschen und Autos zu identifizieren und voneinander zu unterscheiden. “Es geht so weit, dass wir eine hochdetaillierte Analyse des Straßen- und Fußgängerverkehrs durchführen können”, sagt der Projektmanager Hayko Riemenschneider.

Ein Wettrennen um die Digitalisierung der Welt

Wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist, sind mittlerweile eine ganze Reihe von Unternehmen aus dem Projekt hervorgegangen. Google dürfte ebenfalls Interesse an der Technologie haben. Das Unternehmen arbeitet weiterhin mit Hochdruck Digitalisierung der Welt: Vor kurzem gab Google bekannt, mit Matterport zusammenzuarbeiten, um Innenräume zu einzuscannen. Matterport soll bereits 250.000 reale Orte in 3D-Modelle überführt haben.

Nebst Google ist auch Oculus daran interessiert, die Welt dreidimensional einzufangen. Ende 2016 erklärte Brendan Iribe, dass ein Wettrennen begonnen habe, die Welt in 3D einzuscannen. “Wir sollten jetzt anfangen, Szenen in drei Dimensionen und 360-Grad zu filmen”, sagte Iribe gegenüber CBS.

Der ehemalige Oculus-CEO und jetzige Leiter der PC-VR-Abteilung träumt davon, dass man mittels solcher Aufnahmen an jeden Ort der Welt reisen und dort andere Menschen treffen könnte. “Stell dir vor, du setzt eine VR-Brille auf und teleportierst dich mit dem besten Freund nach London.”

| Featured Image: ETH Zürich | Via: Techcrunch

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