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Ein virtueller Ausflug in die Natur – “Nature Treks VR” ausprobiert

von Tomislav Bezmalinovic26. Februar 2017

Virtual Reality kann dem Nutzer glaubhaft machen, dass er sich an einem anderen Ort befindet. Nature Treks VR tut das und nichts anderes. Weshalb die App ihrem Namen trotzdem nicht gerecht wird, könnt ihr in unserem Test nachlesen.

Vergangenen Dezember erschien die Relax-App “Perfect”, die Nutzer in idyllische Naturgebiete versetzt, in denen man die Seele baumeln lassen kann. Nature Treks, das schon seit Januar für Oculus Rift erhältlich ist und jetzt auch für HTC Vive erschienen ist, tut dasselbe, macht aber vieles besser – sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht.

Die Anwendung enthält acht Landschaften, innerhalb derer man sich von Punkt zu Punkt teleportieren kann. Fünf dieser Landschaften erinnern an typisch europäische Naturgebiete, die im Gewand verschiedener Tages- und Jahreszeiten erscheinen. Die restlichen drei Umgebungen versetzen den Nutzer in exotischere Regionen: eine Wüstenlandschaft, einen Dschungel und einen Palmenstrand.

In vieler Hinsicht besser

In Nature Treks sind die Landschaften weitläufiger als in Perfect und enthalten mehr Teleportationspunkte. Außerdem ist die Natur in einem höheren Detailgrad dargestellt. Der Realismus hat allerdings seinen Preis, denn hier wie dort führt die geringe Auflösung der Displays zu einem unschönen Flimmern von Gräsern und Blattwerk, sodass man sich fragt, ob eine stilisierte Naturdarstellung nicht sinnvoller wäre.

Die Landschaften in Nature Treks wirken nicht nur detaillierter, sondern auch lebendiger als in Perfect. Das wird zum Beispiel durch den Wind erreicht, der Bewegung in die die Natur bringt oder Waldbewohner wie Füchse und Hasen, die den virtuellen Wald durchqueren. Leider steht auch in Nature Treks die Zeit still, sodass man vergebens wartet, dass die Sonne auf- oder untergeht.

Die Musik kann man jederzeit per Gamepad an- und ausschalten und muss sich nicht wie in Perfect an einem virtuellen Radio zu schaffen machen. Auch sonst verzichtet Nature Treks auf unnötige Interaktionen: Wer sich entspannen will, hat kein Bedürfnis, mit Schneebällen oder Steinen um sich zu werfen. Außerdem kann man in Nature Treks die Lichtsäulen ausblenden, die Teleportpunkte hervorheben. In Perfect können diese ungewollt hervortreten und den Gesamteindruck stören.

Umständliche Fortbewegung

Im Hinblick auf die Fortbewegung lassen beide Titel noch zu wünschen übrig. Durch die wenigen Teleportationspunkte fühlt man sich in seiner Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt. Zudem gibt es keine Möglichkeit, sich per Gamepad um seine eigene Achse zu drehen. So passiert es immer wieder, dass man sich vom Sessel erheben oder den Kopf zur Seite drehen muss, weil man vor sich keinen Teleportationspunkt mehr sieht. Das ist genau das, was eine solche Anwendung vermeiden sollte.

Überhaupt frage ich mich, weshalb die Entwickler es ihren Nutzern nicht freistellen, künstliche Fortbewegung zu nutzen. Würde diese Art von Anwendung nicht davon profitieren, dass man sich innerhalb der Landschaft frei bewegen kann? Entdecken und erleben wir die Natur nicht damit, dass wir sie durchqueren? Und kann denn ein Spaziergang nicht ebenso entspannend sein, wie das Innehalten an einem bestimmten Ort? Hätte man mehr Bewegungsfreiheit, könnte man sich diesen Ort zudem selbst aussuchen. Das gäbe Anwendungen wie diesen eine ganz andere Qualität.

Nature Treks ist bei Oculus Home und bei Steam für 9,99 Euro erhältlich. Die Steamversion unterstützt HTC Vive, Oculus Rift und OSVR und ist im Preis derzeit um 15 Prozent reduziert.

| Featured Image: Greener Games

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