0

Eine Ex-Stripperin besucht einen Virtual-Reality-Stripclub

von Matthias Bastian16. April 2017

Die Ex-Stripperin Janice Blaze Rocke besucht einen Virtual-Reality-Stripclub und schreibt ihre Eindrücke auf.

Rocke tanzte in den 80er-Jahren in einem Stripclub in San Francisco. Heute arbeitet sie in Kalifornien als Autorin und organisiert Lesungen. Sie sei, schreibt Rocke, alles andere als prüde und kenne die Besucher von Stripclubs. In ihrer Zeit als Tänzerin habe sie bei ausreichend hohem Trinkgeld explizite Privatvorstellungen im Hinterzimmer gegeben.

Sie testete die Anwendung “Gold Club San Francisco VR”, die den Gold Club in San Francisco virtuell mittels interaktiver 360-Videos zugänglich macht. Trotz ihres persönlichen Hintergrunds lässt Rocke der Besuch in der Virtual-Reality-Version des Stripclubs nicht kalt.

Im Vergleich zu den Darbietungen im Club würde die App einen Schritt weitergehen und explizite Pornographie anbieten. Bei der VR-Adaption des realen Erlebnisses stört sie sich insbesondere an der fehlenden Kommunikation zwischen Besucher und Tänzerin.

Da keine Konversation stattfinde, schreibt Rocke, würden alle Beteiligten letztlich auf ein Stück Fleisch reduziert. “Das ist nicht das Gleiche wie in einem echten Stripclub.”

“Ein Gentleman isoliert sich nicht in einer künstlichen Welt”

Für die Darstellerinnen sei die Arbeit wohl einfacher, mutmaßt Rocke. Sie hätten sich in gewisser Weise vom eigenen Körper distanziert und ihn in reine Fantasie verwandelt. Durch diese krasse Objektivierung der Frau mache sie sich Sorgen um die realen Frauen, denen die männlichen Nutzer solcher Anwendungen im Verlaufe ihres Lebens begegneten.

Rocke formuliert eine sehr grundlegende Kritik an Männer, die sich im VR-Stripclub rumtreiben. “Ein Gentleman […] isoliert sich nicht in einer kahlen, virtuellen Welt, deren einziges Versprechen eine stimmlose, rasierte 3D-Vulva ist, die er nicht einmal berühren kann.”

Sie sorgt sich über die langfristige Wirkung der VR-Technologie auf die Sexualität des Mannes. “Wie sollen sie sich jemals finden, wenn sie sich, sobald sie geil sind, in eine quasi-sexuelle Erfahrung flüchten, die sie nur nur an ihre Einsamkeit und die Trennung von der realen Welt erinnert?”

Den “Gold Club San Francisco VR” bezeichnet sie als “nicht besonders gut”, aber realistischere VR-Erfahrungen würden folgen. Diese könnten wie ein Filter funktionieren zwischen den Nutzern und der realen Welt mit wahrhaftigen Frauen, die tolle Körper, echte Stimmen und wirkliche Bedürfnisse hätten. Sie hoffe, dass zukünftige Produkte mehr Wert auf die Verbindung zwischen Menschen legen würden anstatt diese zu isolieren.

| Featured Image: Gold Club San Francisco VR

Empfohlene Artikel: