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Empathisch oder sensationsgeil: Waves of Grace ist eine 360-Doku über Ebola

von Matthias Bastian13. September 2015

Das Team von VRSE rund um den Produzenten Chris Milk ist so etwas wie der Vorreiter der 360-Doku-Szene. Mit Clouds over Sidra oder Walking New York lieferten sie bereits eindrucksvolle Arbeiten ab und zeigten mit der Virtual-Reality-Horrorstory Catatonic, dass sie auch Unterhaltung können. Nun melden sie sich mit einer weiteren Doku zurück: In Waves of Grace besucht man als Zuschauer Decontee Davis in Westafrika. Sie überlebte den Ebola-Virus und erzählt nun ihre Geschichte. Die rund zehn Minuten lange Dokumentation ist Teil einer UN-Kampagne, die sich gegen Spendenmüdigkeit einsetzt.

Nähe um jeden Preis: Der Zuschauer nimmt Platz am Krankenhausbett eines an Ebola erkrankten Kindes

West Point ist einer der am dichtesten besiedelten Slums in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia. Dort treffen wir auf die Hauptdarstellerin Decontee Davis, die uns in den kommenden Minuten ihre Geschichte erzählt. Sie gehört zu den Überlebenden der Ebola-Epidemie, die Afrika seit 2013 heimsucht. Decontee Davis ist nach ihrem erfolgreichen Kampf gegen Ebola nun immun gegen die Krankheit und hilft anderen erkrankten Menschen. Waves of Grace zeigt dem Zuschauer die widrigen Umstände, die Trauer und die Zerstörung, die Ebola in den Slums verursacht. Die Bilder sind eindrucksvoll und zugleich nichts für schwache Gemüter. VRSE zeigt Szenen, die an einem herkömmlichen TV-Gerät, wo die Mattscheibe gleichsam eine Schutzscheibe ist, schon schwer zu ertragen wären. In Virtual Reality gehen die Szenen richtig unter die Haut, selbst wenn man diese nur über Google Cardboard sieht. Als Zuschauer nimmt man Platz auf dem Krankenhausbett eines an Ebola erkrankten Kindes. In einer anderen Szene steht man mitten auf einem Massengrab und erlebt eine Beisetzung aus nächster Nähe. Im Gegensatz zu herkömmlichen TV-Reportagen schaffen es die 360-Bilder eine besondere Nähe zu den Protagonisten und der Umgebung aufzubauen. Die Kamera steht häufig mitten im Geschehen und als Zuschauer fühlt man sich nicht wie ein distanzierter Beobachter sondern ist Bestandteil der Handlung.

Empathisch oder sensationsgeil: Stoff für Diskussionen

Waves of Grace ist das bisher beste Erzählstück von VRSE und zeigt eindrucksvoll, wozu das neue Medium in der Lage ist. Unausweichlich und völlig zu Recht werden eben solche Reportagen auch die öffentliche Meinung spalten, wenn Virtual Reality einmal im Mainstream angekommen ist. Denn neben denen, die sich für die Möglichkeiten des neuen Mediums begeistern können, wird es auch jene geben, die die Intimität von VR-Dokus wie Waves of Grace abschrecken wird. Was kann, was darf und was sollte? Aber vor allem was muss? Regeln und Grenzen für Storytelling in Virtual Reality gibt es noch nicht und werden erst im gesellschaftlichen Diskurs entstehen. Allein die Motivation der Macher Waves of Grace ist eindeutig: Durch Nähe soll die Empathie der Menschen gewonnen werden, um so mehr Spendengelder zu generieren. Ganz sicher geht es nicht darum, eine etwaige Gaffer-Mentalität in 360-Grad zu befriedigen. Eine kontroverse und produktive Diskussion zwischen Kritikern und Early-Adoptern wird trotzdem notwendig sein: Die Macht, die von diesen Bildern ausgeht, ist schon zum jetzigen Zeitpunkt enorm und die Technologie ist noch lange nicht ausgereift.

Waves of Grace ist für Samsung GearVR erhältlich oder über die VRSE-App auch für Android– und iOS-Smartphones verfügbar. Wer noch keinen Zugang zu VR-Brillen hat kann die Doku auch hier direkt im Browser ansehen.

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| SOURCE: VRSE
| IMAGES: VRSE Inc., UN
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