Hilmar Veigar Pétursson ist Chef des Spielestudios CCP. Im vergangenen Herbst löste er die VR-Abteilung seines Unternehmens auf. Jetzt spricht er ausführlich über seine Gründe und wie es mit VR weitergehen könnte.

Im Gespräch mit der US-Webseite Rock Paper Shotgun stellt Pétursson seine Sicht der Dinge noch etwas detaillierter dar als in einem vorherigen Interview. Laut Pétursson habe die VR-Brille bislang nur einen Bruchteil des anfangs prognostizierten Erfolgs erreicht.

Die Verkaufs- und Nutzungszahlen von CCPs VR-Spielen hätten selbst die pessimistischsten Prognosen seines Studios unterschritten. Und das obwohl die Titel von Kritikern positiv bewertet wurden und laut Pétursson “für VR-Standards ein großer Erfolg waren”.

Aufgrund des geringen finanziellen Erfolgs löste Pétursson CCPs VR-Teams wieder auf. Die Unterstützung für bereits veröffentlichte VR-Spiele wird eingestellt. Dennoch sollen die Titel im Sony, Oculus und Steam Store noch verkauft werden: “Wenn der Markt so langsam wächst wie bisher, können sie dort wahrscheinlich für immer bleiben.”

Es braucht eine Generation, die mit VR aufwächst. Hilmar Veigar Pétursson

Trotz des ersten VR-Flops hält es Pétursson für möglich, dass Virtual Reality in der Zukunft erfolgreicher ist. Er vergleicht die Entwicklung von VR mit jener des Internets und der ersten geplatzten Hype-Blase um 2000. Zehn Jahre später sei das Internet überall gewesen. “Bei VR wird es ähnlich sein”, prognostiziert Pétursson.

Er geht jedoch nicht davon aus, dass das schnell passiert: “VR braucht wahrscheinlich noch 30 Jahre.” Als größtes Hindernis sieht Pétursson die Brillentechnologie an sich und die mit ihr verbundene Abschottung.

Der CCP-Chef hofft auf neue KI-gestützte Technologien, die dem Brillenträger trotz geschlossenem Formfaktor noch ein Bewusstsein über das ermöglichen, was um ihn herum passiert, beispielsweise eine Überwachungskamera, die in der Brille anzeigt, wenn sich jemand nähert.

Eine Frage der Kultur, nicht der Hardware

VR-Technologie müsse zwar noch deutlich verbessert werden, so Pétursson. Aber letztlich sei die Akzeptanz und der Erfolg der Virtual Reality mehr eine Frage der Kultur als der Hardware.

“Ich denke, es muss eine Generation geben, die mit VR aufwächst”, sagt Pétursson. Hätten sich Menschen erst einmal an ein bestimmtes Interface gewöhnt, würden sie ihre Gewohnheiten nur schwer aufgeben.

Er verweist auf die Generation, die mit Smarpthones aufwächst. Sie würde herkömmliche Computer wohl niemals “so richtig nutzen”, so Pétursson. Auch Smartphones hätten Jahrzehnte gebraucht, um erfolgreich zu sein, angefangen bei den ersten klobigen Autotelefonen bis zum heutigen iPhone samt App-Ökonomie.

“Schwer zu sagen, wo VR gerade ist. Wahrscheinlich ist sie auf dem Niveau des ersten Autotelefons”, sagt Pétursson.

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