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Entwickler zeigen, was Apples AR-Technologie kann

von Tomislav Bezmalinovic15. Juni 2017

Update vom 15. Juni 2017:

Das auf Augmented Reality spezialisierte Entwicklerstudio 8ninth zeigt, dass man mit Apples ARKit einen Regenwald in der Garage verstecken kann. Wie in den anderen Entwickler-Demos überzeugt die Stabilität des iPhone-Trackings. Es scheint zumindest bei statischen Inhalten auf Augenhöhe mit Hololens und Co. zu sein.

Wie man mit Augmented Reality und Hololens digitale Löcher in reale Wände zaubert, zeigte Microsoft vor rund einem Jahr im Augmented-Reality-Spiel Robo Raid.

Update vom 11. Juni 2017:

Weitere Demos des ARKits bestätigen, dass zumindest die statische Platzierung digitaler Objekte in der Realität sehr stabil funktioniert – und das obwohl nur eine einzelne RGB-Kamera eingesetzt wird.

Wo genau die Grenzen des ARKits im Vergleich zu AR-Hardware mit 3D-Scanning wie Hololens und Tango liegen, dürfte in den kommenden Monaten deutlicher werden, wenn Entwickler versuchen, komplexere Anwendungen zu programmieren.

Apple könnte die Möglichkeiten des ARKits mit dem kommenden iPhone 8 durch neue Hardware zusätzlich erweitern, indem eine Stereokamera ähnlich dem iPhone 7 oder ein 3D-Tiefensensor verbaut wird – oder beides in Kombination.

Apple hat unter anderem durch die Übernahme (2013) der israelischen 3D-Sensor-Spezialisten Primsense Zugriff auf fortschrittliche Scanning-Hardware. Es gibt Gerüchte, dass das iPhone 8 einen solchen 3D-Sensor auf der Vorderseite integriert hat.

Apples AR-Ankündigungen und die mögliche Strategie dahinter besprechen wir ausführlich im neuen Podcast.

Ursprünglicher Artikel vom 9. Juni 2017:

Im Herbst startet iOS 11. Die neuste Version von Apples Betriebssystem enthält eine Entwicklungsumgebung namens ARKit, mit der sich hochwertige Augmented-Reality-Apps für das iPhone und iPad schreiben lassen. Entwickler haben bereits Zugriff auf das ARKit und zeigen in ersten Demos, was Apples AR-Technologie kann.

Der Entwickler Cody Brown hat mit Hilfe des ARKits eine Spielfigur aus Blizzards Online-Shooter “Overwatch” in sein Wohnzimmer geholt. Der Entwickler geht nahe an die lebensgroße Figur heran, die sich nahtlos in die Umgebung einfügt. Er betrachtet sie von links, dann von rechts. Das Tracking arbeitet störungsfrei und ohne Verzögerung.

Die AR-App läuft einem iPhone 6S und macht von einer gewöhnlichen RGB-Kamera Gebrauch. Ein zweites Video führt vor, wie die Technologie Ankerpunkte definiert und Flächen erkennt, um basierend auf diesen Daten digitale Objekte in den Raum zu setzen. Das Verfahren erinnert an Googles Worldsense-Technologie, die in den kommenden Daydream-Brillen zum Einsatz kommen wird.

Ein drittes Video zeigt, wie gut sich Apples AR-Software die Position digitaler Objekte im Raum merkt. Ein AR-Entwickler platziert in einem Büroraum das 3D-Modell eines Düsenjets, geht durch die anliegenden Räume und kehrt zum Ausgangspunkt zurück, wo das Objekt an der ursprünglichen Position in der Luft schwebt.

Ein riesiger Markt könnte entstehen

Die Bedeutung von Apples Vorstoß in die Augmented Reality kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mit iOS 11 könnte es Apple gelingen, den Weg für eine flächendeckende Nutzung fortgeschrittener AR-Features zu ebnen, die die Snapchat-Filter und die Video-Overlays von Pokémon Go primitiv aussehen lassen.

Apples Ansatz ist, die technologische Hürde für die Konsumenten so tief wie nur möglich anzusetzen: Sie brauchen keine zusätzliche Hard- oder Software, sondern lediglich ihr iPhone oder iPad, um in den Genuss der AR-Features zu kommen.

Für Entwickler senkt Apple die Einstiegshürde ebenfalls. Man könnte sagen, dass Apple der AR-Entwicklergemeinde das zurückgibt, was sie ihnen mit dem Kauf von Metaio im Mai 2015 genommen hat: eine fertige und standardisierte Entwicklungsumgebung, um Augmented Reality-Apps zu entwickeln.

Mit dieser Strategie schafft Apple einen potenziell riesigen Markt für AR-Apps. Apples CEO Tim Cook sagte auf der WWDC 17, dass 86 Prozent der iOS-Nutzer die neuste Version des Betriebssystems nutzen. Die Installationsbasis von iOS 11 dürfte also sehr groß ausfallen. Das Unternehmen sprach nicht von ungefähr davon, die größte AR-Plattform der Welt zu stellen.

| Featured Image: Cody Brown (Youtube-Screenshot) | Via: Road to VR

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