0

Epic-Chef: In zehn Jahren brauchen wir Tastatur, Maus und Touchscreen nicht mehr

von Matthias Bastian10. Oktober 2015

Seit zwei Jahrzehnten ist Epic Games in der Spielebranche einer der größten Namen. Das liegt insbesondere an der Unreal Engine, einer Software, die es anderen Entwicklern leichter macht eigene Spiele zu bauen. Die frei verfügbare Unreal Engine 4 ist neben der Unity-Engine bei den bisher verfügbaren VR-Spielen und -Anwendungen am weitesten verbreitet. UE4 bietet von Haus aus zahlreiche Features, die VR-Entwicklern das Leben einfacher machen sollen, unter anderem Unterstützung für die gängigsten VR-Brillen. Beispielsweise wurde Henry, ein Animationsfilm der Oculus Story Studios, mit der Unreal Engine 4 produziert. Tim Sweeney, CEO von Epic Games, ist fest davon überzeugt, dass VR nicht nur die Spielebranche sondern unseren Umgang mit Computern grundlegend verändern wird.

“Wir glauben, dass es die Zukunft der Spieleindustrie ist. Nicht in diesem Jahr und nicht im Jahr drauf, aber innerhalb des nächsten Jahrzehnts werden alle Formen von Displays und Eingabegeräten mit VR- und entsprechenden Nachfolgetechnologien ersetzt. […] Du brauchst daheim keinen TV mehr, stattdessen projizierst du einfach mit einer Brille einen TV an die Wand, da wo es gerade passt. Man braucht keine Tastaturen mehr, keine Mäuse oder Touchscreens. Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt.” Tim Sweeney ggü. Re/Code

Sweeney sieht VR aber nicht nur als neues Abspielgerät sondern auch als mächtiges Werkzeug, um Inhalte zu erschaffen. Epic Games arbeitet bereits an einer VR-Version der Unreal Engine. Sweeney verspricht sich davon deutlich verbesserte Arbeitsprozesse im Vergleich zu herkömmlichen 2D-Entwicklungsumgebungen.

“Aktuell verändert man Polygone oder Objekte mit einer Maus. Die Maus ist ein 2D-Eingabegerät, die Welt ist aber 3D, das kann das menschliche Gehirn nicht optimal verarbeiten. In VR ändert sich das schlagartig, man kann einfach nach etwas greifen, es formen, auf die Oberflächen malen, so wie es ein echter Maler oder Bildhauer tun würde.” Tim Sweeney ggü. Re/Code

Beispiele für Design mit und in Virtual Reality gibt es hier, hier oder hier.

Augmented Reality noch weiter weg als Virtual Reality

Epic Games beschäftigt sich nicht nur mit Virtual Reality sondern auch mit neuen Konzepten für Augmented- und Mixed-Reality. Microsoft bietet die Hololens-Datenbrille als Mixed-Reality-Device an; die Redmonder und Epic pflegen seit vielen Jahren eine enge Beziehung. Für Sweeney sind diese Technologien aber noch weiter weg, so dass sich Epic Games in erster Linie auf Virtual Reality fokussiert.

“Bei VR geht es in diesem und im nächsten Jahr richtig los. Augmented Reality ist noch etwas weiter weg. Aktuell sehen wir die beide Technologien noch als unterschiedliche Produkte, aber langfristig werden alle Virtual-Reality-Plattformen in diese Richtung gehen. Die eigentlichen Kernfragen sind, wie wir die Technologie verkleinern und den Kunden angenehme Produkterfahrungen anbieten können.” Tim Sweeney ggü. Re/Code

Eine große Herausforderung sieht Sweeney noch in der aktuellen Fragmentierung des Marktes. Viele Unternehmen forschen an unterschiedlichen Teiltechnologien, verschiedenen Ansätzen, arbeiten mit unterschiedlicher Software. Um aber Wunschvorstellungen eines Metaverse, also eine Art virtuelle Zwischenwelt, möglich zu machen, müssen die verschiedenen Technologien untereinander kompatibel sein und miteinander kommunizieren können.

“Aktuell sieht es so aus, dass es viele verschiedene Wettbewerber in der Virtual- und Augmented-Reality-Branche geben wird und nicht ein einzelnes, dominantes Unternehmen. Man will aber keine fünf unterschiedlichen sozialen Netzwerke haben und jeder sucht sich eines aus und am Ende können sich die Leute nicht miteinander unterhalten, weil jede Plattform ein anderes System benutzt.” Tim Sweeney ggü. Re/Code

Wenn Sweeney über das Metaverse spricht, ist das besonders interessant – denn die Unreal Engine 4 hat bereits bewiesen, dass sie in der Lage ist fotorealistische Umgebungen zu rendern. Zwar braucht es für eine entsprechende VR-Umsetzung bei gleicher Qualität richtig viel Rechenleistung, aber diese sollte in wenigen Jahren auch bezahlbar und einem großen Markt zugänglich sein.

In zehn Jahren brauchen wir Bildschirm, Tastatur und Maus nicht mehr, glaubt der Chef von EPIC.… Klick um zu Tweeten

| SOURCE: Recode
| FEATURED IMAGE: Elseware-Experience, YouTube