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Eyefluence: Augensteuerung für Oculus Rift und Co.

von Matthias Bastian12. Februar 2016

Eye-Tracking ist aktuell der Rockstar im Bereich neue Interfaces für Virtual- und Augmented-Reality. Zahlreiche Unternehmen versuchen ihre Produkte am Markt zu platzieren und die Aufmerksamkeit von VR- und AR-Brillenherstellern auf die eigene Technologie zu lenken, in der Hoffnung, dass diese in zukünftigen Iterationen der Hardware direkt integriert wird.

Neu dabei ist das US-Startup “Eyefluence”, das ein System aus Eye-Tracking und Eye-Scanning entwickelt hat. Eyefluence fokussiert sich ausschließlich auf den Wearable-Markt und will spezielle Lösungen für Virtual-, Augmented- und Mixed-Reality-Brillen anbieten. “Wer weiß schon was die Zukunft bringt, aber eine Sache ist sicher, wir halten sie nicht in der Hand, sondern bedienen sie mit den Augen”, heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Laut den Eyefluence-Gründern Jim Marggraff und David Stiehr, beide mit vielen Jahren Berufserfahrung in der Elektronikbranche, steckt die Besonderheit der eigenen Erfindung aber weniger in der Hardware, sondern in einer speziellen User-Interface-Software, die die Interaktion allein mit Blicken auf natürliche und intuitive Art ermöglichen soll. Die Software soll auch Ermüdungserscheinungen vorbeugen.

Für Demonstrationszwecke wurde die Technologie in Oculus Rift DK2 und die ODG Smartglasses R6 eingebaut. In der erweiterten Realität lässt sich damit unter anderem eine virtuelle Tastatur allein mit Blicken bedienen, auch ein- und auszoomen ist nur durch Augenbewegungen möglich. Laut Marggraff ist nicht das reine Tracking von Augenbewegungen der komplizierte Part, sondern basierend auf der Technologie eine Art Interface-Sprache zu entwickeln. Das ganze sei ähnlich wie beim Touchscreen, erklärt Marggraf einem CNET-Reporter, die Interface-Revolution habe nicht stattgefunden, als der erste Touchscreen technologisch möglich war, sondern als die ersten Smartphones eine ausgereifte Wisch- und Gestensteuerung anboten. Das von Eyefluence entwickelte Eye-Tracking- und Eye-Scanning-System soll schneller und sicherer sein als bekannte Interfaces für Smartphones oder Datenbrillen, heißt es in einem Werbefilm des Unternehmens.

Es erkennt außerdem nicht nur die Bewegungen des Auges, sondern auch wie stark die Pupille geweitet ist. Dadurch sollen Rückschlüsse auf das Gefühlsleben des Brillenträgers möglich sein, emotionale Reaktionen können, zumindest rudimentär, erkannt und interpretiert werden. Mögliche Anwendungsszenarien dafür gibt es in den Bereichen Entertainment, Marketing und Forschung aber auch in der Medizin und Therapie. Beispielsweise können gelähmte Patienten allein mit Blicken und vernetzten Technologien mit anderen Menschen kommunizieren.

Natürlich kann auch die Technologie von Eyefluence für das sogenannte “Foveated Rendering” eingesetzt werden, bei der in Virtual-Reality-Anwendungen nur der Teil des Bildes mit allen Details berechnet wird, den der Nutzer gerade fokussiert. Das soll einen Performanceschub um den Faktor zwei bis sieben möglich machen; so wären anspruchsvolle VR-Erlebnisse auch mit herkömmlichen PCs oder sogar Laptops und Smartphones möglich.

Laut dem CNET-Reporter, der das Augentracking mit einer Rift-Brille ausprobieren durfte, funktioniert die gezeigte Technologie bereits sehr gut, wurde aber auch nur mit eher einfach gestrickten Demos vorgestellt. Offen sei die Frage, wie verlässlich die Erkennung der Augenbewegungen noch arbeite, wenn eine komplexe 3D-Szene gerendert würde, schreibt der Reporter. Die Demos von Eyefluence sieht man im folgenden Video:

Die Vermessung des Auges

Neben “Eyefluence” buhlen zahlreiche andere Hersteller, die ursprünglich aus anderen Bereichen wie der Marktforschung und der Medizin kommen, um die Gunst von Facebook und Co. Dazu gehört das Unternehmen SMI aus Deutschland, das laut eigenen Angaben bereits mit mehreren Herstellern von VR-Brillen in konkreten Gesprächen ist, um die eigene Technologie in die zweite Hardware-Generation einzubauen. Tobii aus Schweden bezeichnet sich selbst als “Weltmarktführer für Eye-Tracking-Lösungen”, kooperiert unter anderem mit Razer, um die OSVR-Brille mit Eye-Tracking auszustatten.

Dann gibt es noch FOVE, eine VR-Brille, die im Sommer 2015 via Kickstarter finanziert wurde, und die Mitte dieses Jahres an Entwickler ausgeliefert werden soll – Eye-Tracking inklusive. FOVE war die erste VR-Brille, die das Thema Eye-Tracking für Virtual Reality populär machte und potenzielle Anwendungsszenarien demonstrierte.

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Auch die Starbreeze Studios, Macher der VR-Brille StarVR, wollen die Technologie in den kommenden Prototyp einbauen. Die Spieleentwickler wollen die VR-Brille in Virtual-Reality-Spielhallen einsetzen, die in den kommenden Monaten sowohl in den USA als auch in Europa eröffnet werden sollen. Natürlich forschen auch Facebook und Oculus VR an der Technologie; Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey bezeichnete die Technologie als “kritischen Bestandteil” zukünftiger VR-Brillen.

| SOURCE: CNET
| FEATURED IMAGE: Eyefluence Inc. (Screenshot bei YouTube)