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Facebook: 60 Wissenschaftler arbeiten an Gehirn-Computer-Interface

von Tomislav Bezmalinovic20. April 2017

Im Februar konnte man Stellenausschreibungen entnehmen, dass Facebook an einer Gehirn-Computer-Schnittstelle forscht. Auf der F8 gewährte das Unternehmen Einblick in die neuste Forschung und die längerfristigen Ziele.

Den Vortrag hielt Regina Dugan, die Leiterin von Facebooks Zukunftslabor, das “Building 8” genannt wird. Dugans Ausführungen kreisten um die Frage, wie man die neuronale Leistungsfähigkeit des Gehirns in die reale Welt tragen und hiermit für sich und seine Mitmenschen fruchtbar machen könne. Die naheliegende Antwort war: Per Technologie, die die Signale des Gehirns interpretieren und in die physische Welt übersetzen kann.

E-Mails mit der Kraft von Gedanken schreiben

Dugan zeigte als Beispiel eine ALS-Patientin, die einen Mauscursor allein mit der Kraft ihrer Gedanke bewegte, um auf einem Display Worte zu tippen. Das Ziel der Forschung sei es, Worte direkt im Sprachzentrum des Gehirns zu entschlüsseln. Dugan beeilte sich, zu betonen, dass es nicht darum ging, Gedanken abzugreifen, sondern nur jene Worte, die man zur gedanklichen Übermittlung vorselektiert hat. Dugan ging nicht auf die Frage ein, ob und inwiefern eine solche Trennung überhaupt möglich ist.

Die Vision ist, die Geschwindigkeit und Flexibilität der gesprochenen Sprache mit der Privatheit geschriebener Texte zu kombinieren, so Dugan. Auf diese Weise könne man in Zukunft in wenigen Sekunden eine E-Mail schreiben, ohne das Smartphone hervorholen zu müssen. Laut Dugan arbeiten 60 Wissenschafter daran, ein System zu entwickeln, das bis zu hundert Worte in der Minute direkt aus dem Gehirn lesen und in geschriebene Sprache übersetzen kann.

Laser sollen neuronale Aktivitäten messen

Aktuelle Technologie sei noch zu langsam, um die Signale des Gehirns in Echtzeit zu verarbeiten, außerdem müsse man die Elektroden hierfür ins Gehirn implantieren. Deshalb arbeite ihre Forschungsabteilung an nicht-invasiven Sensoren auf der Basis von Lasertechnologie, die in der Lage sind, durch die Schädeldecke zu dringen und sich wortwörtlich ein Bild der darunterliegenden neuronalen Aktivität zu machen.

Doch Dugan geht noch weiter: Die Idee sei, nicht nur die Worte, sondern deren Bedeutung zu entziffern. So könnten Menschen in der Zukunft, unabhängig von der Sprache, die sie sprechen, miteinander kommunizieren. Dugan sprach bis zu diesem Zeitpunkt nur über die Möglichkeit, neuronale Aktivität zu erfassen und mit Algorithmen und maschinellem Lernen in geschriebene Sprache zu übersetzen. In einem nächsten Schritt erläuterte sie, wie diese auf andere Menschen übertragen werden könne, ohne den Mund aufzumachen.

Über die Haut Worte hören

Dugan zeigte das Video eines blinden und gehörlosen Mannes, der mit seiner Hand hört, was andere Menschen sagen, indem er sie auf die Wange der sprechenden Person legt. Dugan erklärt, dass der Mann gelernt hat, die vibrotaktilen Signale so zu interpretieren, dass er die gesprochenen Worte daraus ableiten kann. Ihre Abteilung experimentiere mit einem ähnlichen Verfahren, bei dem Menschen über Vibrationen auf ihrer Haut Wörter entschlüsseln können.

In einem Video führt Dugan das Experiment vor. Eine Testperson trägt auf dem linken Arm eine Reihe von Vibrationsmotoren, die einzelne Worte in unterschiedliche Vibrationsmuster übersetzt. Das Wort “Schwarz” vibriert zum Beispiel zuerst in einer tiefen Frequenz und dann in einer hohen Frequenz. Die Testperson hat die Muster auswendig gelernt und kann auf diese Weise die Worte entziffern. Dugan räumt am Ende ein, dass sich die Forschung noch in einer sehr frühen Phase befindet.

| Featured Image: Facebook

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