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Facebook: Bauanleitung und Software für 3D-360-Kamera jetzt verfügbar

von Matthias Bastian27. Juli 2016

Auf der F8-Entwicklerkonferenz im April kündigte Facebook die Open-Source 360-Kamera “Surround 360” an. Jetzt sind Bauanleitung und Software erhältlich. Laut ersten Testern soll die Bildqualität sehr gut sein.

Das Herzstück der neuen 3D-360-Kamera sind 17 Linsen. 14 Sunex DSL318B-650-F2.4 werden kreisförmig angeordnet, zwei Fischaugenlinsen (Fujinon FE185C086HA-1) kommen auf die Unter- und eine auf die Oberseite. Die Kamera kann 360-Videos in 4K, 6K  und 8K ausgeben, einen blinden Fleck gibt es dank der Fischaugenlinsen nicht. Die Kamera verwendet einen Global Shutter und synchronisiert die Aufnahmen miteinander.

Verpackt werden die Linsen in einem robusten Aluminium-Korpus. Auch bei längerer Nutzung soll es keine Probleme mit Überhitzung geben – GoPro-Filmer kennen dieses Leid. Im vom Facebook empfohlenen Aufbau kosten die Einzelteile der Kamera rund 30.000 US-Dollar. Der Zusammenbau soll laut Facebook circa vier Stunden dauern, eine detaillierte Anleitung im Ikea-Stil gibt es hier. Natürlich darf das Setup beliebig verändert und verbessert werden. Facebook erwartet viele verschiedene Versionen der Surround 360 und zählt auf Feedback aus der VR-Community, um die Bauanleitung weiter zu verbessern.

Automatische Stitching-Lösung soll hochwertige Ergebnisse liefern

Facebook kümmert sich nicht nur um die Hardware, sondern bietet auch passende und kostenlose Stitching-Software an. Mit der Software werden die Einzelbilder der 17 Kameras automatisch zu einem 360-Video zusammengeführt. Das Endergebnis soll laut Facebook so gut sein, dass Post-Processing “kaum noch notwendig” ist. Für die Berechnung des stereoskopischen 3D-Effekts muss die Software im RAW-Format und bei 60 FPS bis zu 240 GB pro Minute verarbeiten. Detaillierte Informationen zum Rechenvorgang gibt es hier.

Die 8K-Auflösung unterstützt Facebooks Dynamic-Streaming, bei dem immer nur der Teil des Bildes mit voller Auflösung angezeigt wird, der vom Brillenträger angesehen wird. Mit einer leichten Verzögerung können Aufnahmen direkt mit der VR-Brille angesehen werden. Ferngesteuert wird die Surround 360 über jeden beliebigen Browser, der HTML 5 unterstützt. Filmemacher können eine gering aufgelöste Preview-Version des 360-Materials vorab begutachten. Die Kontroll- und Rendersoftware stellt Facebook bei Github zur Verfügung.

Ein Interesse daran, Geld mit der Hardware oder gar als Kamerahersteller zu verdienen, hat Facebook indes nicht. “Unsere Mission ist es, die Welt zu vernetzen”, sagt Projektmanager Brian Cabral. 360-Videos seien eine Möglichkeit, daher wolle man Kreativen die notwendige Technologie zur Verfügung stellen. Facebook unterstützt seit Herbst 2015 360-Videos direkt im Newsfeed. Besitzer von Gear VR können die Videos direkt aus der Facebook-App mit der VR-Brille ansehen.

Gerade Nokia dürfte das Facebook-Engagement im 360-Kameramarkt schwer treffen. Die Finnen versuchen ihre Highend-Kamera Ozo für rund 60.000 US-Dollar an VR-Filmer zu bringen. Die Qualität der Aufnahmen und der Produktionskomfort dürften vergleichbar sein. Mehr Informationen und Demo-Aufnahmen gibt es auf der offiziellen Webseite zur Surround 360.

Kamerabauer und VR-Filmer tauschen sich im VRforum aus.

| Source: Facebook / The Verge