3

Facebook kündigt handliche 360-Grad-Kameras für räumliche Videos an *Update*

von Matthias Bastian20. April 2017

Update vom 20. April:

Laut einem ersten Hands-on mit Facebooks neuer VR-Kamera auf der F8 ist das Bildmaterial hochauflösend und überdurchschnittlich gut. Genaue Angaben zur Bewegungsfreiheit macht der Tester leider nicht. Offenbar ist es möglich, zumindest einen Schritt in der Szenerie zu machen.

Bemängelt werden kleinere Aufnahmefehler. Unter anderem sollen die Kanten, an denen die Bilder der einzelnen Linsen zu einem 360-Bild vernäht werden, unscharf sein.

Im direkten Vergleich mit dem volumetrischen Kamerarig von HypeVR soll die Facebook-Lösung “deutlich unterlegen” sein. HypeVR verlässt sich nicht auf herkömmliche Linsen, sondern setzt ergänzend einen 3D-Laserscanner ein, der synchron zur Kameraaufnahme 3D-Tiefeninformationen ergänzt.

Die Tiefeninformationen werden nach der Aufnahme in der Postproduktion mit den Bildern zusammengeführt, sodass eine Szene dreidimensional rekonstruiert werden kann. Dieses Verfahren ist jedoch sowohl bei Soft- als auch Hardware deutlich teurer und aufwendiger als die Facebook-Lösung. HypeVR kooperiert mit Intel, um das Verfahren zu verbessern.

Im Video erklärt Otoy-Gründer Jules Urbach die Funktionsweise der neuen Facebook-Kamera. Sein Unternehmen entwickelte die Technologie in den vergangenen zehn Monaten gemeinsam mit Facebook.

Experimentiert wird offenbar auch mit der Vermischung aus Realfilm und gerenderten Umgebungen, sodass einzelne Filmszenen in Echtzeit manipuliert werden können. Beispielsweise ließe sich eine Filmszene nachträglich neu ausleuchten.

Ursprünglicher Artikel vom 19. April 2017:

Auf der F8-Entwicklerkonferenz zeigt Facebook eine neue Kamera, die neben Videodaten auch Tiefeninformationen aufzeichnen kann. Für die Virtual-Reality-Branche wäre das ein wichtiger Meilenstein.

Das Design der neuen Kamera basiert auf der Surround-360-Hardware, einer Open Source 360-Kamera, die Facebook im vergangenen Sommer vorstellte. Facebook liefert Software und die Konstruktionspläne, interessierte Entwickler können sich das Gerät auf eigene Kosten zusammenbauen und modifizieren.

Eine eben solche Modifikation entwickelte Facebook in den vergangenen Monaten gemeinsam mit dem auf die Konstruktion von Lichtfeldern spezialisierten Techunternehmen Otoy. Die neuen Modelle haben 24 oder sechs Kameras und tragen den Beinamen “Surround 360 Open Edition”.

Sie sollen neben Videodaten auch räumliche Informationen aufzeichnen können. Die Rauminformationen liegen pro Bild vor und werden mittels einer speziellen Positionierung der Linsen in Kombination mit einer Software extrahiert und geschätzt. Spezielle 3D-Tiefenkameras sind nicht verbaut.

Das Ergebnis sind Videos, die nicht mehr wie eine Fototapete am Kopf des VR-Brillenträgers kleben, sondern die perspektivisch in die Tiefe verschoben werden können. Ähnlich wie in gerenderten VR-Welten hat der Nutzer so deutlich mehr Bewegungsfreiheit in die Tiefe des Raumes. Das folgende GIF veranschaulicht das.

Marktstart noch in diesem Jahr

Wie groß die räumliche Bewegungsfreiheit sein wird, verriet Facebook nicht. Anhand des Volumens der Kamera und des GIFs lässt sich abschätzen, dass man Kopf und Oberkörper voraussichtlich frei verschieben kann, ausgedehnte Video-Spaziergänge dürften hingegen nicht möglich sein. Wahrscheinlich bietet die kleinere Kugel mit sechs Kameras etwas weniger Bewegungsfreiheit als die Variante mit 24 Linsen.

Ganz neu ist die Aufzeichnung solcher räumlichen Videos nicht, unter anderem experimentieren Lytro oder Intel damit. Neu ist allerdings, dass Facebook das Verfahren in einem im Vergleich sehr handlichen und günstigen Gerät samt automatisiertem Cloud-Rendering anbieten will. Facebook bezeichnet die Kamera entsprechend als “Game Changer” für Virtual Reality.

Die Baupläne der Kamera werden an Hersteller lizenziert, ein erstes Produkt soll noch in diesem Jahr erscheinen. Genaue Informationen zu Preis und Verfügbarkeit nannte Facebook nicht.

| Featured Image: Facebook

Empfohlene Artikel: