Auf der Suche nach einer Lösung für VR-Übelkeit hat Facebook Reality Labs offenbar Interesse an einer präzisen Sensibilitätsskala.

An der Universität Nevada untersucht der Psychologie Paul MacNeilage, wie Virtual Reality unter Wasser genutzt werden kann. Finanziell unterstützt wird die Forschung von der Nasa. Die US-Raumfahrtbehörde trainiert Astronauten unter Wasser, um die Schwerelosigkeit beim Weltraumspaziergang zu simulieren. Diese Unterwassertrainings könnten mit der VR-Brille noch wirksamer werden.

Unterwasser-VR könnte Astronauten beim Training für Weltraumeinsätze unterstützen. Bild: Universität Nevada

Unterwasser-VR könnte Astronauten beim Training für Weltraumeinsätze unterstützen. Bild: Universität Nevada

MacNeilage baute für sein Unterwasser-VR eine wasserdichte Tauchermaske, die die VR-Brille umhüllt. Der Controller wird in einer Art wasserdichten Box gehalten.

Ziel ist es, das VR-Equipment so auszubalancieren, dass der Träger im Pool stets in der Schwebe bleibt. Wenn die Ausrüstung ausentwickelt ist, will MacNeilage die 3D-Druckdaten für die Öffentlichkeit freigeben.

Der Forscher will das ausentwickelte Unterwasser-System via 3D-Druck freigeben. Bild: Universität Nevada

Warum wird Frauen eher VR-übel?

Die eigentliche Arbeit des Psychologen ist nicht der Bau einer Unterwasser-VR-Brille. Er will mehr darüber herausfinden, wie das Gehirn und das Nervensystem auf Bewegung im Raum reagieren und wie verschiedene Stufen der Wahrnehmungssensibilität mit VR-Übelkeit korrelieren.

Daher unterstützt neben der Nasa auch Facebooks Realitätslabor seine Arbeit. MacNeilage wurde zu einem Vortrag in das Mixed-Reality-Forschungshauptquartier in Seattle eingeladen.

Konkret untersucht MacNeilages Labor, weshalb Frauen offenbar mehr Probleme mit VR-Übelkeit haben als Männer. “Es gibt viele Hinweise darauf, dass Frauen stärker unter VR-Übelkeit leiden. Das ist ein Problem für die Branche, aber auch für den Zugang. Wenn Frauen die Technologie weniger nutzen können, dann ist das für sie ein Nachteil”, sagt MacNeilage.

Die Wahrnehmungsunterschiede werden im Labor mit verschiedenen Methoden untersucht, unter anderem mit einem mechanischen Simulator mit sechs Freiheitsgraden.

Selbsteinschätzung fördern

MacNeilages Ziel ist die Entwicklung einer Sensibilitätsskala für VR-Übelkeit. Wenn ein Nutzer seine eigene Anfälligkeit an einer konkreten Zahl festmachen kann, könnte er seine VR-Erfahrung entsprechend konfigurieren.

Diese Konfiguration ist zwar prinzipiell schon möglich, viele Apps und Spiele bieten eine Auswahl beispielsweise an Fortbewegungsmethoden. Aber der Vorgang ist komplex und braucht Versuch und Irrtum. Und Irrtum resultiert zwangsläufig in Übelkeit. Eine präzise Skala könnte es Nutzern und Entwicklern womöglich erleichtern, schneller die optimale Einstellung pro Person zu finden.

Im Interview mit VRODO sagte Oculus’ Spielemanager Jason Rubin über VR-Übelkeit: “Wir haben vieles versucht, aber niemand hat das Problem wirklich gelöst. Wenn ich einen Wunsch hätte – und ich sage nicht, dass es passiert – dann wäre das mein Wunsch.”

Er hoffe, dass “in den nächsten paar Jahren” jemand Wege findet, VR-Übelkeit “für die meisten Menschen” zu verhindern.

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