Bei seinem traditionellen Abschlussmonolog auf der Connect 5 sprach Oculus-Cheftechniker John Carmack ausführlich über Oculus Go und Quest. Dabei berichtet er über Details, die wohl vorher nicht durch die PR-Abteilung freigegeben wurden.

Auf der Connect 5 stellte Facebook-Chef Mark Zuckerberg seinen Plan vor, zunächst zehn Millionen Nutzer auf Oculus’ VR-Plattform zu bringen. Zehn Millionen, das soll die magische Zahl sein, ab der das VR-Ökosystem in einen sich selbst erhaltenden Status übergeht und nicht mehr von außen bezuschusst werden muss.

Weshalb es eben genau diese Zahl ist, verriet Zuckerberg nicht. Sonys Handheld-Spielekonsole Playstation Vita beispielsweise schaffte es auf 16 Millionen verkaufte Einheiten – und wurde kürzlich wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Ein Nachfolger ist vorerst nicht geplant.

Zurück zum Kerngedanken: Zuckerberg stellte Qualitätsfaktoren für VR-Brillen vor, die notwendig seien, um die Zehn-Millionen-Marke zu knacken. Zukünftige Geräte müssten autark funktionieren und volle Bewegungsfreiheit bieten für Kopf und Hände.

Oculus’ gerade erst im Mai erschienene VR-Brille Oculus Go erfüllt den ersten Anspruch und scheitert am zweiten. So recht passt die Go-Brille daher nicht mehr in Facebooks VR-Zukunftsstrategie.

Oculus Quest war von Anfang an das Ziel

Bei seiner Abschlussrede auf der Connect 5 gibt Oculus-Technikchef John Carmack einen Einblick in die Entstehung von Quest und Go.

Die Entwicklung von Oculus Quest startete laut Carmack, bevor die Idee für Oculus Go existierte. “Oculus Go war ein Nebenprodukt von Oculus Quest”, sagt Carmack.

Die Oculus-Ingenieure seien davon ausgegangen, dass die Go-Entwicklung einfach sei und schnell ginge. “Aber das war nicht der Fall, es war enorm viel Arbeit.” Die Go-Brille hätte laut Carmack eigentlich früher auf den Markt kommen sollen.

Das erklärt, weshalb Facebook innerhalb eines Dreivierteljahres zwei VR-Brillen auf den Markt bringt, bei der die zweite VR-Brille wie der Nachfolger der ersten wirkt.

Quest-Bewegungsfreiheit soll den Umkipppunkt bringen

Der Fokus bei Oculus habe sich jetzt auf Quest verschoben. Die Brille sei “das VR-Gerät, von dem die Leute träumen” dank voller Bewegungsfreiheit für Kopf und Hände bei einem mobilen Formfaktor.

Dafür sei Quest aber auch schwerer und teurer als Oculus Go. Da die Entwicklung von Quest und Go parallel stattgefunden habe, hätten die Oculus-Ingenieure nicht alle bei Go gemachten Erfahrungen bei der Konstruktion der Quest-Brille einbringen können.

Oculus hofft, dass Quest Virtual Reality zu deutlich mehr Popularität verhilft: “Die große Wette ist, dass diese Bewegungsfreiheit für Kopf und Hände der magische Punkt ist für die Leute, ab dem sich die Dinge radikal verändern.”

Oculus Go: Nachfolger nicht ausgeschlossen

Obwohl Oculus Quest die Go-Brille langfristig ersetzen könnte, ist laut Carmack ein Nachfolger nicht ausgeschlossen. Die Go-Brille würde wöchentlich so regelmäßig genutzt wie Oculus Rift. Das übertreffe die internen Erwartungen deutlich. Zur Nutzungsdauer oder zu Verkaufszahlen äußert sich Carmack nicht. Laut Zuckerberg sind 80 Prozent der Go-Käufer neue Oculus-Nutzer.

Für einen eventuellen Nachfolger hätte eine leistungsfähigere Batterie die oberste Priorität, so Carmack. Als potenzielle Killer-App beschreibt der Technikguru VR-TV-Gucken mit Freunden und Familie, wenn sie nicht gemeinsam vor demselben Gerät sitzen können.

Nach dem Oculus-Motto “Trotze der Distanz” (“Defy Distance”) müsse es sich für die Brillenträger beim virtuellen Treffen so anfühlen, als befänden sie sich tatsächlich im selben Raum. Dieser Effekt sei nicht banal und es gebe noch einige “schwere Probleme” zu lösen, sagt Carmack.

Weitere mögliche Verbesserungen für Oculus Go 2 sind laut Carmack ein besserer Tragekomfort, eine höhere Auflösung, ein Umgebungslichtsensor, der die Bildschirmhelligkeit kalibriert, sowie ein präziserer Controller oder Hand- und Fingertracking. Seine vollständige Ansprache kann man im Video unten ansehen.

Was sich Nutzer von Oculus Go 2 wünschen, haben wir hier zusammengefasst.

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