Hochgesteckte Entwicklungsziele bei Künstlicher Intelligenz können nur erreicht werden, wenn Universitäten und Unternehmen Hand in Hand arbeiten. Das glaubt zumindest Facebooks KI-Chef Yann LeCun.

Der KI-Branche mangelt es derzeit nicht an finanziellen Ressourcen, Ideen oder Technologien. Sehr wohl fehlt es jedoch an vorgebildeten Menschen, die diese Ressourcen ausschöpfen.

Und da KI-Forscher noch nicht durch KI ersetzt werden können, überbieten sich die mächtigsten Techkonzerne mit lukrativen Angeboten für qualifiziertes Fachpersonal. Das findet man für gewöhnlich bei der Konkurrenz. Oder an den Universitäten.

Ein Bericht in der New York Times beschrieb Anfang Juli, dass Unternehmen wie Facebook oder Google den Wissenschaftsbetrieb stören sollen, da sie teuer ausgebildetes Personal von den Universitäten absaugen. Entsprechend fehlten hochwertige Lehrkräfte, die die nächste Generation KI-Ingenieure ausbilden, so ein Professor der Universität Cambridge.

Facebook wehrt sich gegen Bildungsschmarotzervorwürfe

Die Kritik hat offenbar einen Nerv getroffen: Facebooks KI-Chef Yann LeCunn hält es für notwendig, als Gastautor der Webseite Businessinsider eine Gegendarstellung zu veröffentlichen.

Facebook schade der Wissenschaft nicht, im Gegenteil: Duale Beschäftigungsangebote für Forscher bei Facebook und an ihrer Universität trügen dazu bei, die KI-Forschung insgesamt zu beschleunigen. Ähnliche Karrierepfade seien in anderen Industrien wie der Medizin oder Jura schon lange etabliert.

Doppelanstellungen gehörten gefördert statt kritisiert: “Manche Ideen entstehen im akademischen Umfeld, andere funktionieren nur in der Industrie, wenn größere Teams und mehr Rechenleistung zur Verfügung stehen.”

Mit der Unterstützung durch die Industrie habe die Forschungsarbeit eines Einzelnen größere Wirkungskraft. “Für echten Fortschritt bei KI müssen die besten, klügsten und unterschiedlichsten Menschen ihre Ideen austauschen und ihre Arbeit aufeinander aufbauen. Geheime und isolierte Forschung fällt zurück”, schreibt LeCunn.

Das Produkt schlägt die Erfindung

Im Internetzeitalter zähle weniger, wer etwas erfunden habe, sondern wie schnell diese Erfindung in ein Produkt überführt und im großen Stil ausgerollt werden könne. Entsprechend sei eine offene Zusammenarbeit mit der Wissenschaft – häufig auf Open-Source-Basis – unkomplizierter als früher.

LeCun verweist weiter darauf, dass Facebook selbst Doktoranden ausbilde, von denen einige nach ihrem Abschluss in ein anderes Unternehmen gingen, ein Startup gründeten oder Professor würden. “Das ist unser Beitrag zum Forschungsökosystem.”

Die Erforschung Künstlicher Intelligenz sei eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit, der Bau einer intelligenten Maschine eine der größten technologischen Herausforderungen.

“Niemand in der Industrie, dem Wissenschaftsbetrieb oder der öffentlichen Forschung hat ein Monopol auf gute Ideen. Es benötigt einen kombinierten Ansatz der gesamten Forschungsgemeinschaft, um KI-Forschung und -Technologie voranzubringen.”

| Featured Image: Von Runner1928Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

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