Mit einer Portierung eines klassischen Monitorspiels erzielt Bethesda den bislang wohl höchsten Umsatz der VR-Spielebranche am PC. Welche Erkenntnis steckt in dieser Feststellung?

Große Marken ziehen: Das ist auch dem Spieleverleger Bethesda bekannt und entsprechend musste HTC wohl nicht besonders viel Überzeugungsarbeit leisten, damit das millionenfach verkaufte Monitorspiel Fallout 4 in die Virtual Reality für HTC Vive portiert wird.

Bethesda bewegte sich für die Portierung am Rande des Minimalaufwands, das Spiel wurde nur rudimentär für VR angepasst. Seine Wurzel als klassisches Monitorspiel kann Fallout 4 VR jedenfalls nicht verleugnen und die internationalen Kritiken zum Marktstart fielen – gerade deshalb – eher verhalten aus. Bemängelt wurden meist Defizite bei der Steuerung und dem Interface.

Umsatzorientierung vs. Leidenschaft

Dass Bethesda nicht massiv in eine aufwendigere Portierung investierte, ist nachvollziehbar: Der VR-Markt ist klein und das Absatzpotenzial überschaubar. Gerade die Schwergewichte der Spielebranche scheuen das Risiko. Kleinere Studios und unabhängige Entwickler werden – zumindest bei VR – noch durch Leidenschaft getrieben, die großen Verleger eben durch Umsätze. Das ist legitim.

Für Bethesda jedenfalls scheint die eigene Strategie aufzugehen: Laut aktuellen Daten der Analyseplattform SteamSpy wurde Fallout 4 VR rund 100.000 Mal verkauft – und zwar zum Vollpreis von circa 60 Euro. Damit ist die Monitorportierung zwar nicht das am häufigsten verkaufte VR-Spiel, sehr wahrscheinlich aber das kommerziell erfolgreichste am PC. Skyrim VR und Resident Evil 7 für Playstation VR könnten noch besser abgeschnitten haben.

Fallout 4 VR dürfte Bethesda rund sechs Millionen US-Dollar in die Kasse gespült haben – ein im Vergleich zur Monitorversion verschwindend geringer Betrag. Die ist nämlich das erfolgreichste Spiel in Bethesdas Verlegergeschichte und wurde schon am ersten Verkaufstag im November 2015 laut Schätzungen rund zwölf Millionen Mal verkauft. Für Bethesda dürfte sich der VR-Port zum Vollpreis dennoch rechnen.

Selbst VR-Enthusiasten kaufen offenbar konservativ

Spieler sind nicht unbedingt innovationsfreudig. Dass sie die VR-Brille eher skeptisch sehen, zeigten Umfragen schon Ende 2015 – damals waren die Geräte nicht einmal am Markt und wurden im Vorfeld speziell als Spieletechnologie gehypt.

Gekauft wird meist das, was schon bekannt ist. Dafür braucht es keine lange Beweisführung, ein gelegentlicher Blick auf die Verkaufscharts reicht: In den Listen stehen meist technisch verbesserte Fortsetzungen und Neuauflagen bekannter Marken weit oben. Es sind seit Jahren oder gar Jahrzehnten die gleichen Marken und Genres, die die Hitlisten dominieren.

Innovative Spielekonzepte, bei denen sich die Entwickler neue Dinge trauen, behaupten sich selten am Markt. Ausreißer gibt es, aber nur gelegentlich. Das ist keine Kritik: Hollywood-Blockbuster, Serien, Bestseller oder die Bundesliga funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Es ist eben so, häufig schlägt Vertrautheit die Neugierde.

Der kommerzielle Erfolg von Fallout 4 VR zeigt jetzt, dass dieser Mechanismus wohl auch für den VR-Markt gilt – obwohl man hier bereits den Teil der Spieler vermuten kann, der sich noch am ehesten für neue Formate begeistert.

| Featured Image: Bethesda

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