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Forscher arbeiten an VR-Brillen, die sich dem Sehvermögen anpassen

von Tomislav Bezmalinovic16. Februar 2017

Forscher der Universitäten Stanford und Dartmouth arbeiten an VR-Brillen, die Tiefenschärfe simulieren können und individuelle Faktoren wie Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit berücksichtigen, um jedem Nutzer das bestmögliche Seherlebnis zu bieten.

Eines der noch ungelösten technischen Probleme von Virtual Reality ist, dass VR-Brillen keine Tiefenschärfe simulieren können. Wenn man ein reales Objekt fokussiert, das sich direkt vor einem befindet, wird der Hintergrund automatisch unscharf. Die VR-Displays tragen diesem Effekt noch nicht Rechnung und zeigen alles scharf, was sich im Blickfeld befindet. Das irritiert die Augen und kann nach einer längeren Verweildauer in der Virtual Reality zu Beschwerden führen.

“Nach 30 oder 40 Minuten kann es passieren, dass die Augen schmerzen oder Kopfschmerzen auftreten”, sagt Nitish Padmanaban, ein Doktorand und Mitglied der Forscherteams gegenüber der Stanford News. “Einem ist vielleicht nicht klar, was nicht stimmt, aber man spürt es. Wir denken, dass das einen negativen Effekt auf Menschen haben wird, sobald sie beginnen, längere und bessere VR-Inhalte zu konsumieren.”

Ein weiteres Problem heutiger VR-Brillen ist, dass sie das individuelle Sehvermögen nicht berücksichtigen. So sehen jüngere Menschen anders als ältere Menschen. Letztere leiden oft an Alterssichtigkeit und können Objekte in unmittelbarer Nähe nicht mehr scharf sehen. Jüngere Menschen haben dieses Problem in der Regel nicht, aber dennoch tragen viele von ihnen Brille, um Sehschwächen auszugleichen. VR-Brillen tragen all diesen Faktoren keine Rechnung.

Displays, die sich dynamisch anpassen

Die Forscher nennen die Technologie, an der sie arbeiten, ein “Adaptives Fokusdisplay”. Dieses soll einst sowohl Tiefenschärfe korrekt darstellen als auch das individuelle Sehvermögen berücksichtigen. Das Team experimentiert derzeit parallel an zwei Hardwarelösungen. Die erste macht von Flüssiglinsen Gebrauch, deren Fokus allein mit Hilfe elektrischer Spannung angepasst wird. Die zweite Lösung ist mechanisch und greift auf bewegliche Displays zurück, die sich den optischen Anforderungen dynamisch anpassen.

Um zu wissen, wohin der Nutzer unter der VR-Brille gerade blickt, verwenden die Forscher zudem Eye-Tracking-Technologie. Eine Software wertet die Augenbewegungen aus und passt die Flüssiglinsen oder die beweglichen Displays entsprechend an. Die Technologie soll später auch in der Lage sein, Kurz- oder Weitsichtigkeit zu ermitteln. Brillen oder Kontaktlinsen sollen auf längere Sicht ebenfalls überflüssig werden.

“Diese Technologie ist wichtig, weil mehr als fünfzig Prozent der Bevölkerung entweder kurzsichtig, weitsichtig oder alterssichtig sind”, sagt Robert Konrad, ebenfalls ein Doktorand und Mitglied des Stanforder Forschungsteams. “Mit der Technologie schaffen wir dynamische Displays, um jeder Person die bestmögliche Erfahrung zu ermöglichen.”

| Featured Image: Pexel | Source: Stanford News

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