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Fotogrammetrie für Anfänger: Anleitung erklärt die wichtigsten Schritte

von Tomislav Bezmalinovic21. Oktober 2017

Mit Fotogrammetrie kann man reale Objekte oder Räume in 3D-Modelle verwandeln. Man braucht nur eine Smartphone-Kamera und Geduld. Der Filmemacher und Fotogrammetrie-Spezialist Az Balabanian führt in einer Anleitung durch die wichtigsten Schritte.

Ende September zeigte Balabanian bei Reddit den digitalisierten Innenraum eines Hauses. Die 400 Fotografien, die er dem 3D-Modell zugrunde legte, schoss er in lediglich 20 Minuten. Die Berechnung des 3D-Modells nahm zwei bis drei Stunden in Anspruch. Danach lud er das Modell in Tilt Brush und zeichnete ein Feuer im Kamin. Am Zeitaufwand gemessen ist das Ergebnis beeindruckend:

 

Ein Smartphone reicht für den Anfang

Bei Medium veröffentlichte Balabanian diese Woche eine Anleitung, die den Einstieg in die Fotogrammetrie erleichtert. Für sein Tutorial digitalisierte er eine Feuerstelle in einem Hinterhof. Das Beispiel ist bewusst gewählt: Es sei einfacher, ein kleineres Objekt im Freien als ganze Innenräume einzufangen, da man draußen mehr Licht hat und sich beim Fotografieren ungehindert bewegen kann.

Aber Außenaufnahmen haben ebenso ihre Tücken: Braucht man zu lange für das Fotografieren verändert sich der Lichteinfall und damit auch der Schattenwurf, was zu Artefakten führen kann. Deshalb sollte man die Fotografien am besten um die Mittagszeit herum machen, wenn die Sonne am höchsten Punkt steht.

Für die Aufnahmen nutzte Balabanian die Kamera eines iPhone 7 Plus. Beim Fotografieren bewegte er sich Schritt für Schritt um die Feuerstelle herum und machte bei jeder neuen Position ein Foto. Das Ergebnis sind 97 Aufnahmen, die als Grundlage für das 3D-Modell dienen.

Vollautomatisierte 3D-Rekonstruktion

Für den Einstieg in die 3D-Rekonstruktion empfiehlt Balabanian die Cloud-basierte Fotogrammetrie-Plattform “Recap Photo” von Autodesk. Die Nutzung ist nicht kostenlos, Interessierte können den dazugehörigen Dienst aber 30 Tage lang kostenlos testen. Studenten haben zudem die Möglichkeit, eine kostenlose Lizenz zu erwerben.

Mit Recap Photo hat man weniger Kontrolle über das Endergebnis, dafür ist die Berechnung vollautomatisiert und wird in Autodesks Cloud ausgelagert. Fortgeschrittenere Software will Balabanian in kommenden Tutorials vorstellen.

Nachdem die 3D-Rekonstruktion abgeschlossen ist, erhält der Nutzer eine Benachrichtigung und kann das fertige 3D-Modell herunterladen. Mit dem kostenlosen Programm Meshlab kann man es zurechtschneiden. In Balabanians Fall hat Recap Photo nicht nur die Feuerstelle, sondern den gesamten Hinterhof rekonstruiert.

Balabanian will zeitnah weitere Tutorials veröffentlichen, die tiefer in die Materie führen. In einer eigens eingerichteten Discord-Gruppe können Interessierte mit Balabanian und den Entwicklern der Fotogrammetrie-Plattform “Realities” in Kontakt treten.

Das gleichnamige Berliner Startup hat sich auf hochwertige Digitalisierungen realer Umgebungen spezialisiert. Mit einer VR-App kann man fotorealistische 3D-Rekonstruktionen von Death Valley und des Kölner Doms besichtigen. Realities ist bei Steam kostenlos erhältlich und unterstützt Oculus Rift und HTC Vive.

| Featured Image and Source: Az Balabanian / Medium

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