Die US-Künstlerin Claire Hentschker hat mittels Fotogrammetrie gefilmte Räume des Horrorfilmklassikers “The Shining” in begehbare 3D-Modelle überführt. Das Ergebnis fasziniert.

Fotogrammetrie ist ein Verfahren, bei dem aus zusammenhängenden Einzelfotografien eines Objekts oder Raums ein 3D-Modell berechnet wird. So entstehen teils fotorealistische Duplikate echter Gegenstände oder Orte. Die US-Künstlerin Claire Hentschker hat ein anderes Ziel: Sie rekonstruiert per Fotogrammetrie Räume, die nicht oder nicht mehr existieren.

“Als ich jünger war, liebte ich es, wenn ein Buch eine Karte besaß, auf der das imaginäre Land der Geschichte eingezeichnet war. Das hat mir gezeigt, dass Werkzeuge, mit denen wir unsere Welt zu verstehen versuchen, genutzt werden können, um irreale Orte zu erkunden”, sagt Hentschker gegenüber der Webseite Itsnicethat.

Begehbare Erinnerungen fremder Leute

Hentschker arbeitet in einer Abteilung der Carnegie Mellon Universität, die sich mit neuen Formen der Kunst beschäftigt. Dort nutzte sie während neun Monaten jeden Computer, den sie finden konnte, um über Nacht aus zehntausenden Einzelbildern von Kubriks Horrorfilm 3D-Modelle von Räumen des fiktiven Overlook-Hotels zu erstellen.

Hentschker_Shining360_Overlook

Hentschker_Shining360_Maze

Hentschker_Shining360_Colorado_Hall

Verschiedene Schauplätze des Films, fotogrammetrisch rekonstruiert. BILDER: Claire Hentschker.

Aus den 3D-Modellen schuf sie ein 30-minütiges 360-Grad-Video (siehe unten) mit dem Titel “Shining360”. Die Kamerafahrten entsprechen denen des Films, mit dem Unterschied, dass sich der Zuschauer frei umsehen kann. So erlebt  man die Räumlichkeiten des Films auf eine bisher unmögliche Weise.

Hentschker arbeitet bereits seit Jahren mit Fotogrammetrie, um Orte einzufangen, die nicht mehr existieren. Für ihre neuere Arbeit “Merch Mulch” nutzt sie gesammeltes Bild- und Filmmaterial von Privatpersonen, um ein altes, nicht mehr genutztes Einkaufszentrum zu rekonstruieren. Das daraus erstellte 360-Grad-Video ist ein faszinierendes digitales Artefakt. “Es ist, als würde man in die Erinnerung anderer Menschen hineinschauen”, sagt Hentschker.

In ihrem Youtube-Videokanal findet man viele weitere, interessante Arbeiten. Mehr Informationen stehen auf ihrer offiziellen Internetseite.

| Featured Image: Claire Hentschker | Source: Itsnicethat

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