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Französische Forscher simulieren komplexen Raumklang

von Tomislav Bezmalinovic26. Juni 2017

Zur Feier des 850. Jubiläums der Notre-Dame fand in der Pariser Kathedrale ein prachtvolles Konzert statt. Um die einzigartige Akustik für die Nachwelt zu erhalten, haben französische Forscher die Live-Aufnahmen mit einem akustischen Simulationsmodell kombiniert und in eine VR-Erfahrung übertragen. Nun kann man das Konzert in der Virtual Reality von mehreren Punkten aus akustisch so erfahren, als wäre man noch einmal vor Ort.

Aufgezeichnet wurde Jules Massenets Oratorium “La Vierge”, das Ende des 19. Jahrhunderts komponiert und während der Konzertsaison 2012/2013 in der Kathedrale aufgeführt wurde. Für die Aufnahmen wurden 45 Mikrofone nahe am Orchester, dem Chor und den Soloisten platziert.

Um den Raumklang von verschiedenen Punkten der Kirche physikalisch korrekt zu simulieren, haben Forscher vom Institut Jean-Le-Rond-D’Alembert und der Universität Pierre und Marie Curie ein mathematisches Modell entwickelt, das sowohl die Geometrie der Kathedrale als auch unterschiedliche Grade von Hall berücksichtigt, die von den Forschern vor Ort gemessen wurden.

Raumklangsimulation ist wichtig für Virtual Reality

Kombiniert mit den Aufnahmen entsteht ein naturgetreues Replikat des räumlichen Klangbilds. Mit Hilfe einer VR-Brille bewegt man sich innerhalb eines begehbaren 3D-Modells der Kirche und kann der Musik lauschen, als wäre man noch einmal vor Ort. Die zahlreichen Musiker selbst wurden nicht animiert, deshalb heißt das Projekt “Ghost Orchestra”.

“3D-Audio ist ein wichtiges Thema für Virtual Reality und sowohl in der akademischen als auch in der industriellen Forschung von Interesse”, sagt der Leiter des Projekts Brian F.G. Katz. “Mit der Kommerzialisierung erschwinglicher VR-Systeme ist Raumklang jetzt auch außerhalb des Labors von Bedeutung.”

Laut Katz wird der nächste Schritt in der Entwicklung von 3D-Audio sein, dass man Raumklang an die Form des eigenen Kopfes und der Ohren anpassen kann.

Das Projekt wird derzeit an der Fachkonferenz Acoustics ’17 in Boston, Massachusetts präsentiert. Wer mehr über “Ghost Orchestra” erfahren möchte, findet hier eine genauere Beschreibung des Audioverfahrens.

| Featured Image: Ghost Orchestra Project/LIMSI | Source: Phys.org / Via: Techradar

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