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Gabe Newell in 2013: “Virtual Reality muss vermieden werden”

von Matthias Bastian1. Juli 2016

Gabe Newell ist Chef von Valve, Inhaber der Vertriebsplattform Steam, mehrfacher Milliardär und seit dem Launch der Virtual-Reality-Brille HTC Vive auch ein wichtiger Sprecher der VR-Branche. In 2013 konnte er das aber nicht ansatzweise vorhersehen, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Während Palmer Luckey schon seit einigen Jahren fleißig an seinen mit Tesafilm zusammengeklebten VR-Brillen bastelte, hatte Valve-Chef Newell noch kein Vertrauen in die neue Technologie. Dem US-Podcast “The Nerdist” gab der Valve-Chef Mitte Januar 2013 ein Interview, in dem er sich deutlich gegen Virtual Reality für Spiele aussprach. Und das, obwohl John Carmack und Palmer Luckey nur wenige Monate zuvor erfolgreich die erste Oculus-Rift-Brille bei Kickstarter finanzierten. Fast 2,5 Millionen US-Dollar konnte Oculus VR innerhalb von 24 Stunden einsammeln, angedacht waren nur 250.000 US-Dollar über einen Zeitraum von 30 Tagen. Auch der damalige Valve-Mitarbeiter Michael Abrash, der 2014 zu Oculus VR wechselte – mit ein Grund für die angespannte Beziehung der beiden Unternehmen – unterstützte die Oculus-Kampagne.

Virtual Reality auf einer Ebene mit interaktiven Filmen

Dieser überwältigende Erfolg reichte nicht aus, um Newell von der neuen VR-Technologie zu überzeugen. “Für mich sind VR-Spiele auf einer Ebene mit interaktiven Filmen, etwas, das um jeden Preis vermieden werden muss.” Dabei forschte Valve schon damals an VR- und AR-Technologien. Die erweiterte Realität schien Newell offenbar vielversprechender. Man hätte einige der grundlegenden technologischen Probleme lösen können und sei “gerade an der Grenze dazu, interessante Augmented-Reality-Anwendungen zu entwickeln.”

Er beschreibt anschließend ziemlich genau die Technologie, wie sie auch bei Hololens oder Magic Leap zum Einsatz kommt: Selbstlernende Algorithmen, die via Sensoren die Umgebung scannen und digitale Objekte perspektivisch korrekt in die Umwelt einbetten können. “Wenn diese Technologie funktioniert, müssen wir interessante Anwendungsszenarien dafür finden. […] Wir könnten ganz einfach unsere existierenden Spiele nehmen und in diese neue Umgebung setzen, aber das wird den Möglichkeiten nicht gerecht”, sagt Newell. Außerdem würde sein Unternehmen versuchen, Bewegungs- und Handcontrollern eine zweite Chance zu geben. Man wisse aber noch nicht, wo die Sache hinführe. “Es könnte auch komplette Zeitverschwendung sein, traditionell ist das so.” War diesmal aber nicht so.

Drei Dinge, die man aus dem Interview lernen kann: Kaum jemand dürfte derzeit wissen, welche immersiven Technologien in zwei oder drei Jahren angesagt sind. Außerdem unterstreichen Newells Aussagen unzweifelhaft, wie wichtig Oculus VR und speziell Palmer Luckey für die schnelle Entwicklung der VR-Branche waren. Und drittens: Valve kennt sich mit Augmented Reality aus. Das Interview kann man hier bei Soundcloud nachhören.

| Source: The  Nerdist | Featured Image: Tim Dorr bei Flickr. Valve. Lizenziert nach CC BY-SA 2.0.