Auf dem Mobile World Congress 2018 verlor Samsung kaum ein Wort über Virtual Reality. Was steckt dahinter?

Die Abwesenheit von VR-Themen rund um Samsungs Galaxy S9 fiel besonders stark auf, da es in den Vorjahren noch ganz anders war: Da diente die virtuelle Realität mit dem Smartphone als großes Differenzierungsmerkmal zum Wettbewerb.

Samsungs Kooperation mit Oculus sorgte für Smartphone-VR in bestmöglicher Qualität und reichlich App-Nachschub. In Kombination mit der handlichen 360-Grad-Taschenkamera Gear 360 (Test) sollten Menschen ihre Erinnerungen einfangen und mit der VR-Brille erneut erleben. Seit dem November 2015 kamen fünf Gear-VR-Modelle für die unterschiedlichen Galaxy-Smartphones auf den Markt, die technisch immer besser wurden.

Samsung und VR: Eine kurze Liebelei?

Und in diesem Jahr? Samsung erwähnte beiläufig, dass die Galaxy-S9-Smartphones die Vorjahresversion der Oculus-Brille Gear VR unterstützen. Dass die Geräte wie die Vorgängerserie S8 auch mit Googles Daydream View kompatibel sind, bestätigte das Unternehmen erst auf Nachfrage. Dabei läuft sonst kein anderes Smartphone am Markt mit beiden mobilen VR-Brillen. Das wäre doch ein echtes Kaufargument, sollte man meinen – Samsung sieht es offenbar anders.

Wahrscheinlich hat das Unternehmen dafür gute Gründe: Samsung kennt die Verkaufs- und Nutzungsdaten der Gear-VR-Initiative. Könnte das Unternehmen aus diesen ablesen, dass die Menschen Smartphone-VR mit Begeisterung nutzen, dann hätte Virtual Reality bei der Enthüllung des Galaxy S9 unzweifelhaft den verdienten Raum eingenommen. Stattdessen legte Samsung den Fokus lieber auf die gute alte Kamera und – getrieben durch Googles und Apples Ambitionen – Augmented Reality mit dem Smartphone.

Die Rahmenbedingungen haben sich verändert

Samsung hat noch einen zweiten Grund, zu Smartphone-VR zu schweigen. Der hat nicht direkt etwas mit dem Markterfolg der Gear-VR-Brille zu tun, sondern mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Denn die zunächst sehr enge Kooperation mit Oculus scheint ein wenig an Feuer verloren zu haben.

Ein wesentlicher Grund dafür könnte Oculus Go sein: Facebooks autarke VR-Brille dürfte Gear VR in besser werden. Voraussichtlich muss Samsungs Smartphone-Halterung technisch gehörig optimiert und günstiger werden, um im Vergleich zur Go-Brille noch ein guter Kauf zu sein.

Wohl auch infolge dieser Ankündigung fährt Samsung jetzt mehrgleisig, unterstützt sowohl Facebooks als auch Googles Virtual-Reality-Pläne. In den USA brachte das Unternehmen mit Samsung Odyssey außerdem eine Highend-VR-Brille für Windows Mixed Reality auf den Markt. Hinzu kommt, dass der Konzern gemeinsam mit Intel an einer autarken VR-Brille ähnlich Vive Focus arbeitet (siehe Titelbild).

Das zeigt: Samsung macht weiter mit dem VR-Geschäft, will sich aber flexibler und unabhängiger aufstellen. Das Unternehmen geht noch mal zurück an den Anfang und bewertet Märkte und Partnerschaften neu. Samsung Gear VR könnte dabei an Bedeutung verlieren. Das bislang entstandene App-Ökosystem für mobile VR-Anwendungen wird nahtlos mit Oculus Go weitergeführt.

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