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Gedankensteuerung mit Elektroden: Wie Super Mario im echten Leben

von Matthias Bastian28. Mai 2016

Wir haben schon häufiger über die sogenannte “Galavanic Vestibular Stimulation” berichtet. Dabei werden über ein am Kopf montiertes Gerät elektrische Impulse an das Gehirn gesendet, die gezielt das Innenohr und damit unseren Gleichgewichtssinn stimulieren.

Durch diese Stimulation kann der Träger des Gerätes Phantombewegungen empfinden – er hat zum Beispiel das Gefühl, sich vorwärts zu bewegen, obwohl er eigentlich fest verwurzelt am Boden steht. Ein Proband im obigen Video sagt, dass es sich so anfühle, als würde der Boden nach links oder rechts wegkippen. Instinktiv bewegt man sich in die entgegengesetzte Richtung.

Besonders präzise funktioniert die Fernsteuerung im Video zwar nicht, aber man sieht auch: Es reicht zumindest, um relativ grobe Bewegungsrichtungen zu simulieren und Menschen das Gefühl zu geben, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Das wiederum ist im Virtual-Reality-Kontext sehr interessant, denn mit diesen Phantombewegungen könnte man nicht nur die Immersion in VR verbessern, sondern auch Motion Sickness vorbeugen.

Zwei Unternehmen werkeln schon an entsprechenden Prototypen. Entrim 4D ist ein schicker Samsung-Kopfhörer, der in den Ohrmuscheln GVS-taugliche Elektroden verbaut hat. Laut Samsung verwendet das selbstentwickelte System zusätzlich zu den Elektroden “eine Kombination von Algorithmen, um auf einfache und sichere Art elektrische Signale an das Innenohr zu senden, die das Körpergefühl mit Bewegungen in Videos synchronisieren.” Über 30 Bewegungsmuster wurden auf Basis von Tests mit 1.500 Nutzern entwickelt.

Noch präziser soll das GVS-System der Mayo Klinik für Luftfahrtmedizin und Vestibularforschung funktionieren. Die dortige Audiologie forscht seit vielen Jahren an der Technologie. Das fertige Produkt nennt die Klinik vMocion, ein gleichnamiges Unternehmen ist bereits gegründet. vMocion kann Bewegungen in drei Dimensionen simulieren: vorwärts und rückwärts, seitlich und rotierend. Ursprünglich wurde die Technologie für das US-Militär entwickelt, um bei der Ausbildung von Helikopterpiloten den Ausfall der Rotorblätter realistisch zu simulieren. Die Erfinder suchen aktuell nach Geschäftspartnern, die die Technologie lizenzieren wollen

Dass die GVS-Technologie schon in Kürze bei VR-Apps zum Einsatz kommt, scheint dennoch eher unwahrscheinlich. 2013 nannte Oculus-Gründer Palmer Luckey GVS zwar als potenzielle Lösung für Bewegungsübelkeit, die aber noch extrem viele Probleme habe – unter anderem die ungeklärten möglichen gesundheitlichen Schäden bei dauerhafter Nutzung.