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Glove One ausprobiert: Trackinghandschuh mit haptischem Feedback

von Matthias Bastian23. August 2017

Auf der Gamescom präsentiert das spanische Unternehmen Neurodigital Technologies den Trackinghandschuh Glove One samt haptischem Feedback. Bis der jedoch 3D-Controller oder Gamepad ablösen kann, ist noch etwas Arbeit notwendig.

3D-Tracking beherrscht der Handschuh nicht nativ, sondern nur mit am Unterarm angebrachten Vive-Trackern (siehe Titelbild). Die räumliche Orientierung der Handschuhe übernimmt vollständig Valves Lighthouse-System. Mit integrierten Flexsensoren für alle zehn Finger erkennt der Handschuh, wie stark diese angewinkelt oder ausgestreckt sind

Das funktioniert im Prinzip gut, jedoch hatte die Demoanwendung zum Teil derartige Probleme mit der Bildwiederholrate, dass ein richtiger Präzisionstest kaum möglich war. Im Bauchgefühlvergleich wirkte das Kameratracking von Leap Motion in der neuesten Version flüssiger und feiner, für ein seriöses Fazit bräuchte es aber gleiche Testbedingungen.

Der große Vorteil des Handschuhs gegenüber Leap Motion ist ein anderer: Man muss die Hand nicht permanent in das Sichtfeld der Trackingkamera halten, damit die Fingererkennung anspringt. Das macht das System deutlich flexibler.

Im Messetrubel kommt es gerade bei drahtlosen Geräten schnell zu Störungen, daher wurde der Handschuh auf der Gamescom nur im Kabelbetrieb demonstriert. Laut dem Hersteller funkt er eigentlich via Bluetooth und läuft im Batteriebetrieb.

Haptisches Feedback noch nicht ausgereift

Zumindest bei der Gamescom-Demo wirkte das haptische Feedback kaum anders als das, was man von herkömmlichen Vibrationsmotoren in Gamepads kennt – nur eben pro Fingerspitze. Das ist ganz sicher besser als gar kein haptisches Feedback, aber eben auch nichts Weltbewegendes.

In der Demo konnte man beispielsweise Bälle greifen oder einen Bogen spannen. In beiden Fällen vibrierten die Fingerspitzen, sobald man mit dem virtuellen Objekt in Kontakt kam. Die Vibration war allerdings nicht fein genug, um beispielsweise Oberflächenstrukturen ertasten zu können und nicht stark genug, um zu verhindern, dass man durch das virtuelle Objekt einfach hindurchgreift.

Die eigenen Hände sind klar das optimale Interface für Virtual Reality, weil sie das natürlichste und intuitivste menschliche Werkzeug sind. In diesem Sinne hat ein Handschuh wie Glove One – technisch ausgereift – zweifelsohne ein großes Potenzial. Bis das aber vollständig samt Haptik abgerufen werden kann, bleiben präzise 3D-Controller vorerst die bessere Lösung.

Das beste VR-Interface: Handschuh und 3D-Controller in Kombination

Ohnehin können Knöpfe, Joysticks oder Trigger nicht so ohne weiteres durch Handbewegungen oder Gesten ersetzt werden. Zusätzliche Bediengeräte dürften auch dann noch ein fester Bestandteil der VR-Welt sein, wenn Hand- und Fingertracking längst als Eingabestandard etabliert sind. Gerade in Kombination könnten 3D-Controller und Handschuh neue Anwendungsmöglichkeiten für Games und Industrie schaffen.

Die technischen Details zu Glove One gibt es auf der offiziellen Webseite. Der Handschuh ist frei verkäuflich, der Preis startet ab 299 Euro. Laut dem Hersteller wird die Technologie in erster Linie von Unternehmen eingesetzt, beispielsweise fürs Design oder im medizinischen Sektor. Konkrete Anwendungsszenarien wurden auf Nachfrage nicht verraten.

| Featured Image: Neurodigital Technologies

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