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Google demonstriert VR-Controller, deutet besseres Tracking an

von Matthias Bastian19. Mai 2016

Google gründet die Daydream Labs, um gemeinsam mit Entwicklern neue VR-Ideen zu entwickeln. Auch Epic und Unity unterstützen die neue Google-Plattform. VR-Chef Clay Bavor deutet außerdem eine Trackinglösung an, die auf der Technologie von Project Tango basiert.

Was macht eine gute VR-Erfahrung aus? Wann entsteht Übelkeit? Wie kann man Immersion erzeugen? Was macht gute Interaktion in VR aus und wie kann man Googles neuen Bewegungscontroller optimal nutzen? Das sind Fragen, die Google gemeinsam mit Entwicklern in den Daydream Labs beantworten will. Updates aus dem Labor soll es wöchentlich geben.

Google macht das nicht aus reiner Nächstenliebe: Die ersten Daydream-Smartphones und Daydream-Brillen kommen Ende des Jahres auf den Markt, bis dahin soll es reichlich hochwertige Software geben. Nicht nur Dritthersteller bauen die neue Hardware anhand von Googles Referenzdesign, auch Google selbst möchte eine eigene Version der VR-Brille samt Controller herstellen und direkt an Endkunden verkaufen. Cardboard wird in Zukunft keine Rolle mehr spielen, Google verabschiedet sich von der Marke. Der alte Twitter-Account @googlecardboard wurde bereits gegen einen neuen Account getauscht, der auf den Namen “Google VR” hört.

“Bei VR geht es nicht um die Hardware, sondern darum, tolle Erfahrungen zu haben”, sagt Googles VR-Chef Clay Bavor. Die Entwicklungsumgebung Unity soll dabei eine große Rolle spielen, wenn es nach John Riccitiello, Geschäftsführer von Unity, geht. Riccitiello ist davon überzeugt, dass der Nutzen von VR weit über das hinausgeht, was wir uns aktuell vorstellen können.

In fünf bis zehn Jahren soll man nur mit einem Augenblinzeln zwischen vielen verschiedenen Welten wechseln können – vom Klassenraum auf die Marsoberfläche, zurück auf die Bühne mit der Lieblingsband und von dort in das Wohnzimmer des Freundes oder der Freundin. Das tollste Feature laut dem Unity-Chef: “Um nach Hause zu kommen, muss man einfach nur die VR-Brille wieder absetzen.” Unterstützung für Google Daydream soll im Laufe des Sommers in Unity integriert werden.

Der größte Unity-Wettbewerber, die Unreal Engine von Epic, hat die Nase in diesem Fall vorne und unterstützt das neue Google-Programm ab sofort. Details dazu gibt es hier. Anhand eines Unreal-Spiels wurden die Möglichkeiten des neuen Bewegungscontrollers demonstriert. Die kleine Fernbedienung kommt zwar nicht an die 3D-Controller von HTC Vive oder Oculus Touch heran, aber ist dennoch eine deutliche Steigerung gegenüber dem einfachen Magnetschalter von Google Cardboard oder dem Touchpad von Samsungs Gear VR.

Google Jump: 360-Kinokamera für Hollywood mit Imax

Neuigkeiten gibt es zur VR-Kamera Odyssey, mit der auch der 360-Livestream von der I/O 2016 realisiert wurde, und dem dazugehörigen “Google Jump”-Programm für 360-Videos. Die Kamera-Hardware soll an zahlreiche neue Partner verschickt werden, darunter bekannte Marken wie HBO oder die New York Times. Außerdem bastelt der chinesische Kamerahersteller Yi Technologies an einem Jump-Rig, das deutlich günstiger als die Variante mit GoPros werden könnte. Die 4K-Actioncams von Yi kosten nur rund die Hälfte einer GoPro HERO4 Black. Eine neue, besonders hochwertige Jump-Kamera für Produktionen auf Kinoniveau baut Google gemeinsam mit Imax. Die Nachfrage nach dem Produkt kommt direkt aus Hollywood.

Zum Abschluss seines VR-Vortrags deutete Bavor noch eine bessere Trackinglösung für mobile VR-Brillen an: Daydream und Project Tango würden vom gleichen Team entwickelt, bei Google würde man sich sehr auf zukünftige Ankündigungen freuen. Handfeste Hinweise der letzten Wochen zeigen, dass Google an einer Inside-Out-Trackinglösung für Virtual Reality arbeiten könnte. Eine konkrete Meldung dazu gibt es aber bislang nicht. Gut möglich, dass Google bis zum Release der Daydream-Brillen doch noch ein Tracking-Ass aus dem Ärmel zaubert. Qualitativ wäre das der mit Abstand größte und wichtigste Sprung für mobile Virtual-Reality-Erlebnisse.

| Featured Image: Google / Epic (Screenshot bei YouTube)