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Google Earth VR für HTC Vive: Ihr wolltet eine Killer-App? Hier habt ihr sie

von Matthias Bastian20. November 2016

Mit Earth VR für HTC Vive veröffentlicht Google fast schon beiläufig die beste App, die es derzeit für eine VR-Brille gibt. Keine andere Anwendung zeigt so gut und auf so vielen Ebenen, wozu Virtual Reality in der Lage ist.

Zweifellos war Googles Earth-App schon immer ein Hingucker, egal ob auf dem Monitor oder dem Smartphone. Aber erst wenn die digitalisierte blaue Kugel den flachen 2D-Monitor verlässt und sich die großartigsten Städte und die eindrucksvollsten Naturwunder wie eine gigantische Modellbauwelt im eigenen Wohnzimmer ausbreiten, entfaltet Earth VR sein volles Potenzial.

Die Begründung dafür fällt leicht: Google Earth soll die Wirklichkeit abbilden, so exakt wie möglich. Und die analoge Welt klebt nun mal nicht auf einem flachen Pixeldisplay und wird mit Maus und Tastatur bedient. Sondern sie ist dreidimensional, räumlich und das Interface ist unser eigener Körper. Die neue VR-Technologie ist als einziges Medium dazu imstande, die Nutzererfahrung der wirklichen Welt digital wiederzugeben.

Über sich selbst hinauswachsen bekommt eine neue Bedeutung

Die Google-App beweist eindrücklich, wie herausragend die VR-Brille darin ist, Dimensionen zu verdeutlichen und Perspektivwechsel zu ermöglichen. Wie Godzilla stapfe ich durch die Hochhauslandschaft meiner neuen Heimatstadt Frankfurt und klopfe in der obersten Etage der Europäischen Zentralbank an.

Ich blinzle einmal und stehe in Menschengröße vor den Eingangstoren des Bankerdenkmals. Ich lege meinen Kopf in den Nacken und schaue nach oben. Mit einer Hand deute ich in den Himmel und auf meine Geste hin geht die Sonne über Frankfurt unter und wieder auf.

Ein weiteres Blinzeln und ich schwebe wie ein Vogel über der Stadt, über Deutschland, über Europa und im All über der ganzen Welt. Die ganze Welt liegt vor mir und wartet darauf, erkundet zu werden. An dieser Stelle habe ich schon lange vergessen, dass ich eigentlich nur in meinem Arbeitszimmer stehe und ein unförmiges Stück Plastik auf dem Kopf trage. Das Eintauchen in Google Earth VR ist ein meditatives Erlebnis.

Meine Wahrnehmung lässt sich von dem Gefühl, gigantisch groß zu sein, völlig übertölpeln und gewöhnt sich schnell daran. Nachdem ich die VR-Brille schon lange ausgezogen habe, erscheint mir meine reale Umgebung noch immer wie eine Spielzeugwelt. So als würde ich – trotz normaler Größenverhältnisse – gerade durch eine Modellbauversion meiner Wohnung spazieren. Mein Gehirn ist offenbar nachhaltig beeindruckt von dem, was es gerade erlebt hat.

Später am Tag gehe ich erstmals zum Postamt um die Ecke. Die Route dorthin habe ich zuvor bei Earth VR herausgesucht. Das Postamt liegt direkt neben einem kleinen Park. Als ich dort ankomme, habe ich ein Déjà-vu-Erlebnis – ich war schon mal da.

| Featured Image: Google Inc.