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Google Glass: Erste Bilder der Enterprise-Edition aufgetaucht

von Matthias Bastian29. Dezember 2015

Google investiert in Augmented Reality: Neben der VR-Cardboard-Initiative und über 500 Millionen US-Dollar für Magic Leap gibt es auch eine neue Version von Google Glass – speziell für die Industrie.

Dass Google die Datenbrille Google Glass längst nicht aufgegeben hat, beweisen zahlreiche Augmented-Reality-Projekte, die in 2015 angestoßen wurden. Diese finden aber nicht im Consumer-Bereich statt, sondern orientieren sich eher Richtung Medizin und Business. Jetzt sind über die FCC, der amerikanischen Zulassungsbehörde für Kommunikationsgeräte, Bilder einer neuen Version von Google Glass aufgetaucht. Diese ist aber erstmal nicht für Endverbraucher gedacht; Google-Entwickler sprechen daher auch von der Enterprise-Edition. Allerdings wurde die Existenz der Enterprise-Edition von Google bisher nicht offiziell bestätigt – und das obwohl angeblich hunderte Entwickler bereits mit der neusten Version der Datenbrille arbeiten und die FCC die Bilder online stellt.

Auf den ersten Blick sieht die neue Enterprise-Edition der ursprünglichen Google-Glass-Brille sehr ähnlich, einige Unterschiede gibt es aber dennoch. Die größte Neuerung ist, dass man die Datenbrille jetzt einfach zusammenklappen kann – das war eines der am meisten vermissten Features an der ursprünglichen Explorer Edition der Google-Brille. Ebenfalls verbessert wurde das “Prism”-Display der Brille, das nun eine Ecke größer ausfällt und das Augmented-Reality-Bild daher komfortabler in das Sichtfeld des Nutzers projizieren kann. Bei der ersten Version von Googles Datenbrille musste man die Augen etwas verdrehen, um die digitalen Einblendungen im Display zu erkennen. Außerdem ist die neue Version insgesamt deutlich robuster gebaut und sogar wasserdicht.

Erste Bilder der Google Glass Enterprise-Edition.

Die Enterprise-Edition ist wasserdicht und lässt sich zusammenfalten. Quelle: FCC / Google

Das Innenleben der neuen Version von Glass. Die Brille rechnet schneller und der Akku hält länger.  Quelle: FCC / Google

Das Innenleben der neuen Version von Glass. Die Brille rechnet schneller und der Akku hält länger.  Quelle: FCC / Google

Erste Bilder der Google Glass Enterprise-Edition.

Die Vorderseite von Glass. Oberhalb der Kamera links erkennt man die LED für das neue Kameralicht. Quelle: FCC / Google

Die wichtigste Neuerung dürfte allerdings eine kleine Lampe an der Vorderseite sein, die grün leuchtet, sobald eine Videoaufnahme startet. Damit reagiert Google direkt auf die Kritik an der Explorer-Edition, bei der Außenstehende kaum erkennen konnten, ob der Brillenträger gerade ein Video aufzeichnet. Das schadete dem Image der Datenbrille massiv und brachte Glass-Trägern in den USA den Spitznamen “Glassholes” ein, weil diese unter Generalverdacht standen, heimlich Videos aufzuzeichnen. Auch die Medien kritisierten Google Glass im Kontext von Datenschutz scharf.

Verändert wurde aber nicht nur Optik und Haptik sondern auch das Innenleben von Google Glass. Die neue Version der Datenbrille hat einen Intel Atom Prozessor verbaut, der den Akku schont und mehr Leistung bringt. Ein zusätzliches externes Batteriepack ist ebenfalls in Entwicklung und kann bei Bedarf per Magnet an der Brille angebracht werden. Das neue 5Ghz-WLAN sollte die Datenbrille insbesondere fit fürs Video-Streaming machen.

Neustart für Google Glass: Medizin und Arbeit sind die neuen Einsatzgebiete

Die Explorer-Edition von Google Glass war für Google kein erfolgreiches Produkt. Insbesondere im Kontext von Datenschutz und heimlichen Videoaufnahmen wurde von Medien und Verbrauchern reichlich Kritik geübt. Der Image-Schaden war für Google kaum mehr zu beheben, noch dazu fehlte es ohnehin an sinnvollen Anwendungen. Anfang 2015 wurde der Verkauf des rund 1.500 US-Dollar teuren Prototypen vorerst eingestellt und das Entwicklerteam neu aufgestellt.

Anschließend startete Google die Neuausrichtung der Datenbrille, unter anderem wurde das Programm Glass at Work ins Leben gerufen. Dafür wählt Google gezielt Entwickler und Start-Ups aus, um gemeinsam mit diesen sinnvolle Apps für die Datenbrille zu entwickeln. Unter anderem gibt es für die Augmented-Reality-Brille Apps, die unterstützend bei der Therapie von Autismus oder Parkinson eingesetzt werden.

Sogar bei einer Operation wurde Glass schon erfolgreich eingesetzt. Dem Chirurg wurde während einer Herzoperation live ein 3D-Modell der zu operierenden Arterie in das Sichtfeld eingeblendet, bei dem er Betrachtungswinkel und Zoomfaktor per Sprachsteuerung verändern konnte, um stets beide Hände freizuhaben.

Auch Volkswagen vermeldete Ende November, dass eine Datenbrille, die auf Glass basiert, eingesetzt wird, um Arbeitsprozesse in der Logistik zu verbessern. Google plant, dass die Datenbrille vorerst exklusiv über Glass at Work gezielt an Unternehmen vertrieben wird, die dann ihre selbst entwickelte Software, die für spezifische Anwendungsszenarien entwickelt wurde, auf der Brille installieren.

Sollte es Google gelingen, Augmented Reality als festen Bestandteil in der Arbeitswelt zu etablieren, könnte das auch die Akzeptanz im privaten Alltag steigern. Möglicherweise lohnt sich dann ein Neustart im Markt für Endverbraucher. Gut möglich aber, dass Google dafür bereits ein anderes Eisen im Feuer hat – der Internetriese steckte mehr als 550 Millionen US-Dollar in das kalifornische Unternehmen Magic Leap, das angeblich eine völlig neue Technologie für eine Mixed-Reality-Brille entwickelt hat. Diese soll, ähnlich wie Microsofts Hololens, Hologramm-ähnliche Abbildungen in die Umgebung projizieren können. Die Brille von Magic Leap soll sich deutlich besser für Entertainment-Apps eignen als Google Glass und potenziell sogar das Smartphone ablösen.

Neben der Enterprise-Edition arbeitet Google auch an dem noch mysteriösen “Project Aura”, bei dem es sich wohl um ein neues Gerät für Endverbraucher handelt. Angeblich handelt es sich dabei um ein Gerät, das zwar am Kopf getragen wird, aber kein Display hat und primär über Audio funktioniert – also eine Art intelligenter Kopfhörer. An Project Aura arbeiten unter anderem Ex-Mitarbeiter von Amazon, die das Fire-Phone für das eCommerce-Unternehmen entwickelten.

Dass sich der erste Prototyp von Glass auch durchaus für gute Videoarbeit ohne Glassholes-Allüren eignete, zeigt das folgende Video.

| SOURCE: 9to5 Google
| ALL IMAGES: FCC / Google