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Google kooperiert mit BMW und Gap zu Augmented-Reality-Shopping

von Matthias Bastian7. Januar 2017

Google möchte Unternehmen mit der Tango-Technologie dabei helfen, Produkte besser zu verkaufen. BMW und der US-Modehändler Gap gehören zu den ersten Kooperationspartnern, die mit Augmented-Commerce experimentieren.

Sowohl Virtual als auch Augmented Reality suchen noch nach optimalen Anwendungsszenarien. Die Sachen, bei denen man nicht groß erklären muss, wieso und weshalb, sondern bei denen sich der Mehrwert auf den ersten Blick erschließt.

So ein Szenario könnte das Online-Shopping werden. Die neuen Technologien verleihen dem auf Nutzen getrimmten E-Commerce-Prozess eine Erlebniskomponente, die derzeit weitgehend dem Einzelhandel vorbehalten ist. Das dürfte mit ein Grund sein, warum das Kameraunternehmen Snap, Betreiber des Messengers Snapchat, kürzlich ein auf Augmented-Commerce spezialisiertes Startup aufkaufte.

Produkte dreidimensional und in Originalgröße im heimischen Wohnzimmer, auf dem Schreibtisch oder in der Einfahrt anzuschauen, bietet dem Kunden potenziell Mehrwert. Ähnlich ist es, wenn man virtuell mit der VR-Brille shoppt.

Mit einer Einschränkung: Interessant sind solche Funktionen nur für Produkte, bei denen die 3D-Ansicht einen möglichen Erkenntnisgewinn bietet, wie bei Möbeln oder Kleidung. Wie eine DVD-Hülle aussieht, ist gemeinhin bekannt.

“Wir sehen in der Technologie viel Potenzial im Einzelhandel, beispielsweise um die Garage auszumessen oder teure Objekte wie Küchen zu verkaufen”, sagt Eric Johnsen von Google. Er entwickelt neue Geschäftsmodelle für Augmented Reality.

Google möchte mit BMW und Gap gute Praxisbeispiele etablieren

In diesem Jahr sollen Googles Augmented-Reality-Sensoren Tango in zahlreiche Smartphones integriert werden. Zwei Geräte von Asus und Lenovo sind bekannt. Mit rund 35 AR-Anwendungen im App Store – viele davon gehören zur Kategorie Spielerei oder sind experimentell – ist das Angebot an möglichem Nutzen noch dünn.

Zumindest beim digitalen Einkauf soll sich das ändern: Google kooperiert mit BMW und dem US-Modehändler Gap, um neue Augmented-Commerce-Anwendungen auszutesten.

BMW arbeitet an einer Tango-App, die es dem Nutzer erlaubt, einen i3 oder i8 digital in der Realität zu platzieren. Durch das Smartphone-Display sieht man das 3D-Modell in Originalgröße beispielsweise in der eigenen Einfahrt stehen und kann es dank der Tango-Sensoren fix an dieser Stelle positionieren.

Anschließend kann man sich frei um das Auto bewegen und es aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Die Farbe sowie die Reifen und die Felgen des 3D-Modells können ausgetauscht werden. Nutzer können sogar in das Auto einsteigen, das Licht oder das Radio einschalten. BMW zieht in Betracht, eine digitale 3D-Bibliothek des eigenen Fuhrparks für die App anzulegen.

Der US-Modehändler Gap möchte die neue Technologie ebenfalls nutzen, um die eigenen Produkte anschaulicher zu verkaufen, wenn die Kunden nicht gerade im Laden stehen und den Stoff in den Händen halten. Auf der Asus-Pressekonferenz zeigte der US-Moderiese eine Tango-Anwendung, bei der man eine gerenderte Schaufensterpuppe digital einkleidet.

Das Konzept ist clever, denn die Schaufensterpuppe kann man nach den eigenen Körperproportionen modellieren. So bekommt man eine deutlich bessere Vorstellung davon, wie die Kleidung am eigenen Körper sitzen könnte. Hat man ein passendes Kleidungsstück gefunden, kann man es direkt aus der App bestellen.

Präsentiert wird die Demo von Johnny Lee, der bei Google die Entwicklung von Tango leitet. Lee ist der festen Überzeugung, dass Computer Vision und 3D-Tracking die Zukunft einer neuen Generation von mobilen Anwendungen sein werden. Die Demo von der CES 2017 startet ab Minute 34:00.

| Featured Image: Asus (Screenshot) | Via: Bloomberg

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