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Google und Movidius: Neuer Chip für Visual Computing

von Carolin Albrand29. Januar 2016

Google wird in Zukunft mit dem Chip-Hersteller Movidius kooperieren. Movidius ist spezialisiert auf die Konzeption und Herstellung von Computer-Chips, die sich besonders gut für das Visual Computing eignen. In Zukunft soll der Chip Myriad 2 MA 2450 in Google-Geräten verbaut werden.

Beim Visual Computing versuchen Ingenieure und Forscher Computern beizubringen so zu sehen wie das menschliche Auge. Im Optimalfall funktioniert das selbstlernend, also mit Algorithmen, die die Bilderkennung bei wiederholter Nutzung eigenständig optimieren. Mit dieser Technologie kann ein Computer, in Kombination mit weiteren Sensoren und Kameras, ein Bild nicht nur als Bilddatei identifizieren, sondern auch die Inhalte im Bild erkennen und beschreiben oder die Umgebung erfassen.

Den neuen Myriad 2 MA 2450 Chip bezeichnet Movidius auch als „Vision Processing Unit“, der gezielt auf die Bilderkennung optimiert wurde bei einer geringen Latenz und wenig Energieverbrauch. Da er sehr klein ist, kann er gut in mobile Endgeräte aller Art verbaut werden.

Movidius und Google sind sich nicht fremd: Das Vorgängermodell des Myriad 2 wurde bereits im Kontext von Project Tango eingesetzt, Googles Experimentierfeld für Augmented-Reality-Smartphones und –Tablets. Tango-Tablets und -Smartphones können die Umgebung in Echtzeit in 3D erfassen und rendern und digitale Abbildungen korrekt darin platzieren. Für den Sommer plant Google gemeinsam mit Lenovo ein erstes Tango-Smartphone für Endverbraucher.

Der Myriad 2 Chip ist ein potenzieller Gamechanger für Smartphone-Virtual- und Augmented-Reality

Im Bereich Virtual und Augmented Reality ergeben sich zahlreiche Anwendungsszenarien für den neuen Chip, speziell im Kontext von Smartphone-VR. Unterstützen kann der Myriad 2 beispielsweise bei Trackingverfahren aller Art, Tiefen- und Objekterkennung oder dem 3D-Scanning in Echtzeit. Eine der interessanten Anwendungsmöglichkeiten für mobile Smartphone VR-Brillen ist die erweiterte Bewegungserkennung – bisherige Lösungen erkennen nur die Rotation des Kopfes („Headtracking“), mit einem Myriad 2 Chip könnte eine mobile VR-Brille aber die Position des Brillenträgers in Relation zum Raum identifzieren, so dass dieser sich, ähnlich wie bei HTC Vive, frei durch den Raum bewegen könnte.

Der große Vorteil: Die mobile VR-Brille wäre nicht auf externe Sensoren angewiesen, auch der Trackingbereich wäre nicht mehr auf einen bestimmten Radius begrenzt. Denn beim sogenannten Inside-out-Tracking (im Gegensatz zum ‚Outside-in-Tracking‘ bei Oculus Rift oder HTC Vive mit externen Sensoren) hat die VR-Brille bereits sämtliche Technologie an Bord, um Bewegungen eigenständig korrekt zu erkennen und in die virtuelle Realität zu übertragen.

Jack Dashwood, Marketing-Manager bei Movidius, verrät natürlich nicht, wofür Google den neuen Chip konkret einsetzen will, spricht aber von „grundlegenden, aufregenden Neuerungen“, die ausgetretene Pfade verlassen sollen. Googles Virtual-Reality-Chef Clay Bavor deutete bereits an, dass Google an neuer VR-Technologie im Smartphone-Bereich arbeitet, die die Cardboad-Initiative auf das nächste Level heben soll. Ein Gear-VR-Konkurrent von Google oder ein Nexus-Smartphone mit speziellen VR- oder AR-Features sind wahrscheinliche Möglichkeiten, wie der Internetriese den neuen Chip sinnvoll einsetzen könnte. Derweil baut Google die eigene VR-Abteilung kräftig aus und sucht zahlreiche neue Mitarbeiter, die sich intensiv mit neuer Virtual- und Augmented-Reality-Hardware befassen sollen.

| SOURCE: Movidio
| VIA: UploadVR
| FEATURED IMAGE: Movidio / UploadVR