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Googles Anleitung für besseres Storytelling in 360-Videos

von Matthias Bastian9. Juni 2016

Die Vortragende Jessica Brillhart leitet Googles Abteilung für VR- und 360-Videos. Brillharts Ursprung ist der klassische 2D-Film, in diesem Bereich ist sie bei Google schon seit sechs Jahren aktiv. Vor rund einem Jahr bekam sie einen frühen Prototyp eines Jump-Kamerarigs und filmte seitdem viele Stunden 360-Filmmaterial. Im Vortrag auf Googles Entwicklerkonferenz I/O 2016 teilte sie ihr Wissen mit den anwesenden Entwicklern und Filmern.

Eine ihrer Kernthesen: Die Kamera ist bei der Produktion von 360-Videos kein reines Werkzeug mehr, sondern muss vom Filmemacher wie ein Mensch behandelt werden. Der Filmer müsse sich überlegen, welche Behandlung er einem Menschen zumuten würde und welche nicht und diese Überlegungen anschließend auf den Dreh übertragen.

Sie nennt Beispiele: Typischerweise würden es die meisten Menschen nicht unbedingt mögen, abrupt in eine bestimme Richtung bewegt oder durch die Gegend getragen zu werden.

360-Filmer sollen außerdem statt in “Ausschnitten” zukünftig in “Welten” denken, in denen sich verschiedene Interessenspunkte befinden, auf denen der Blick des “Besuchers”, so nennt Brillhart den früheren Zuschauer, ruhen kann.

Um diese Interessenspunkte in einer 360-Umgebung besser zu visualisieren, nutzt Brillhart kein klassisches 2D-Storyboard, sondern eine Art Storykreis, in dem sie die Interessenspunkte in Relation zum Blickwinkel des Besuchers einzeichnet.

Brillhart geht davon aus, dass der Besucher in VR selbst zum Geschichtenerzähler (“Storyteller”) innerhalb einer Welt wird. Der frühere Geschichtenerzähler, in Verkörperung der Filmcrew, übernimmt stattdessen die Rolle des Weltenerschaffers.

Als gutes Praxisbeispiel nennt Brillhart unter anderem die VR-Erfahrung “6×9” von The Guardian, bei dem der virtuelle Besucher in die Schuhe eines Gefängnisinsassen in Isolationshaft gesteckt wird.

Einen ähnlich interessanten Ansatz, bei dem das Gefühl der Präsenz im Mittelpunkt der VR-Erfahrung steht, wählen die Felix & Paul Studios für ihre neusten Dokumentationen. Hier werden alle Elemente des Storytellings bewusst weggelassen, die das Präsenzgefühl stören könnten, wie beispielsweise eine Erzählerstimme.

| Featured Image: Google