Die Fachforen und die US-Presse lobten Magic Leaps Spiele-App “Dr. Grordbort’s Invaders” überschwänglich. Zurecht?

Um es kurz zu machen: Nein. Das heißt aber nicht, dass das Augmented-Reality-Spiel keine Laune macht. Im Gegenteil: Bei meiner Demo-Session auf der Augmented World Expo (AWE) 2018 hatte ich durchaus Spaß mit der Robo-Ballerei.

Optisch ist das Spiel recht beeindruckend und die wohl schönste AR-App, die man derzeit durch eine Brille betrachten kann. Man merkt dem Titel die jahrelange Entwicklungsarbeit und die Liebe zum Detail an. Zum Beispiel an dem sympathischen Robomülleimer, der einen im Stil von Microsofts Retro-Office-Berater Karl Klammer durch die Anwendung führt.

Zweifellos: Grordbort ist das bislang aufwendigste Software-Projekt für Magic Leap One, auch wenn die Grafik weit entfernt ist von der ursprünglich veröffentlichten Rendervision. Aber das war ja ohnehin zu erwarten.

Wer gar nicht weiß, um was es geht, kann sich den folgenden Trailer ansehen:

Magic Leap hatte auf der AWE extra eine Wohnzimmerkulisse aufgebaut – so ähnlich wie im Trailer – wohl um einen realen Lebensraum nachzustellen, und weil Couchtisch, Sofa und Teppich das Tracking unterstützen. Jedes Objekt im Raum dient Magic Leaps Trackingkameras als Orientierungspunkt.

Das Tracking war bei meinem Test auf circa zwei bis drei Zentimeter genau und während des Spiels stabil. Auch der magnetische 6-DoF-Controller funktionierte präzise und verlässlich.

Grordbort macht Laune, ist aber keine Killer-App

Grordborts Spielablauf erinnert frappierend an Microsofts erste Hololens-Demo “Roboraid”: Roboter kriechen aus Portalen und attackieren den Spieler. Der wiederum ballert sie mit einem gediegenen Waffenarsenal zurück ins Pixelnirvana.

Dank schnellerem Prozessor und 6-DoF-Controller macht Grordbort aber viel mehr Laune als das fummelige Roboraid, bei dem man das Fadenkreuz mit dem Kopf lenkt und die Waffe mit einer Geste feuert.

Beeindruckend ist der AR-Verdeckungseffekt der One-Brille, bei dem ein reales Objekt das virtuelle überlagert: Beispielsweise verschwinden die Roboterbeine glaubhaft hinter dem Wohnzimmertisch. Das macht das AR-Erlebnis viel eindrücklicher.

Toll gelungen ist auch der Blick ins Roboterportal, wenn es sich in der Wand auftut. Diese visuelle Überzeugungskraft bietet Microsofts Hololens nicht auf demselben Niveau – aber der Nachfolger kommt ja bald.

Allerdings: Das enge Sichtfeld von Magic Leap One schiebt der Immersion und dem Spielspaß letztlich ähnlich wie bei Hololens den Riegel vor, ebenso wie die hohe Transparenz der digitalen Projektionen.

Die digitalen Roboter sind noch ein gutes Stück davon entfernt, so zu wirken, als seien sie wirklich Teil der Realität.

Dennoch ist Grordbort der bislang ambitionierteste Ausblick auf das, was richtig gute AR-Brillen hoffentlich eines Tages bieten werden: ein völlig neues Entertainment-Erlebnis, das reale und digitale Welt glaubhaft vermischt.

Über den Autor:

Tobias Kammann ist AR-Fan seit dem ersten AR-Toolkit und arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der Industrie, um die Mixed Reality Wirklichkeit werden zu lassen. Zur Zeit bastelt er im Metaverso an seiner Vision, betreibt den Augmented-Blog und möchte am liebsten morgen schon alle Handys und Bildschirme aus dem Fenster werfen und durch eine AR-Brille ersetzen.

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