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Hand-Tracking für PlaystationVR? Sony kauft Spezialisten für 3D-Kameras

von Matthias Bastian12. Oktober 2015

Sony kauft das belgische Unternehmen SoftKinetic, das sich auf die Entwicklung von 3D-Kamerasystemen konzentriert, die mittels spezieller Sensorik und Software räumliche Tiefe und Bewegung erkennen und interpretieren können. Anwendungsszenarien dafür gibt es in fast allen Bereichen, in denen Nutzer mit Technologie interagieren wollen. SoftKinetic nennt als Schwerpunkte mobile Endgeräte, TVs, Spielekonsolen und Wearables. Recht anschaulich wird das im folgenden Video erklärt.

Die Technologie wurde auch schon in einigen Spielen eingesetzt, die auf Sonys PS4 laufen, beispielsweise dem beliebten Tanzspiel “Just Dance”.

Kein Wunder also, dass Sony auf die Belgier aufmerksam wurde. Der japanische Elektronikkonzern forscht selbst schon seit PS2-Zeiten an Kamera-basierten Tracking-Technologien (Playstation Eye, Playstation Move) und plant die neu erstandene Time-of-Flight-Lösung von Softkinetic in das bestehende Portfolio einzugliedern und weiterzuentwickeln. Time-of-Flight-Kameras senden Lichtimpulse aus  und messen anschließend die Zeit, die der Impuls braucht, um auf ein Objekt zu treffen und von dort aus zur Kamera zurückzukehren. So können Distanzen berechnet und Räume in 3D vermessen werden. In der Pressemitteilung heißt es:

Sony konzentriert sich darauf die TOF-Bildsensensoren von Softkinetic mit der eigenen Technologie zu kombinieren, mit dem Ziel, eine neue Generation von Bildsensoren und Lösungen zu entwickeln, nicht nur für die Bildgebung sondern für ein breites Spektrum an Anwendungsszenarien, die von Sensortechnologie profitieren können. Sony

Eines dieser Anwendungsszenarien ist Virtual Reality, in Sonys Fall speziell Playstation VR (vormals Project Morpheus). Funktioniert die Finger- und Handerkennung präzise, würde das spezielle Controller wie Playstation Move, Oculus Touch oder die Bewegungscontroller von HTC Vive weitgehend überflüssig machen. Aber auch abseits von Spielen, beispielsweise für die Steuerung von Menüs oder Arbeitsprogrammen in VR, ist eine präzise Eingabemethode notwendig. Softkinetic hat das Potenzial erkannt und schon vor Monaten gezeigt, wie die hauseigenen 3D-Kamerasysteme präzise Navigation in VR möglich machen könnten. Dazu wird eine der TOF-Kameras direkt an der VR-Brille angebracht, in dieser Demo ist es noch Oculus Rift.

Neue Eingabemethoden für virtuelle Welten

Im Bereich neue Interfaces und Interaktion im 3D-Raum findet aktuell ein regelrechtes Wettrüsten der Hersteller statt. Oculus VR kaufte bereits die Start-Ups Pebbels Interfaces und Nimble VR, die ebenfalls an neuen Technologien für die präzise, latenzfreie Erkennung von Finger- und Handbewegungen arbeiteten. Speziell die Demos von Pebbles Interfaces sind besonders beeindruckend, da sie offenbar mit einer extrem hohe Präzision und ohne erkennbare Verzögerung arbeiten. Sogar einfache Alltagsgegenstände können in das Tracking eingebunden werden.

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Weitere Mitbewerber sind der bei Kickstarter erfolgreich finanzierte Spezialhandschuh Glove One oder die Sensorkamera von Leap Motion, die bereits auf dem Markt ist und mit Oculus Rift genutzt werden kann – auch wenn das nach unseren Tests bisher eher schlecht als recht funktioniert. Interessant sind auch die VR-Handschuhe des chinesischen Herstellers Dexta Robotics, die, ähnlich wie Glove One, ein Force-Feedback-System eingebaut haben, dank dem man in der virtuellen Realität nicht nur zeigen und navigieren sondern auch fühlen kann. So können beispielsweise Regentropfen oder feine Bewegungen wie der Flügelschlag eines Schmetterlings auch in einer virtuellen Umgebung glaubhaft fühlbar gemacht werden.

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Natürlich forscht auch Google an neuen Eingabemethoden. Mit Project Soli zeigten sie in der Vergangenheit ein spezielles Radarsystem im Miniaturformat, dass selbst feine Bewegungen über elektromagnetische Wellen erkennen können soll.

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| SOURCE: Sony
| FEATURED IMAGE: Softkinetic, Screenshot bei YouTube
| GIFS: 1&2: Pebbles Interfaces, Oculus VR 3: GloveOne, 4: Google