Auf der Entwicklerkonferenz Oculus Connect 5 aktualisierte Facebooks VR/AR-Forschungsleiter Michael Abrash seine vor zwei Jahren getroffenen Voraussagen zur Entwicklung der VR-Technologie. Folgendes hatte er über die Zukunft realistischen Raumklangs, haptischer Handschuhe, ergonomischer Brillendesigns und maschinellen Sehens zu sagen.

Vor zwei Jahren traf Abrash zwei Voraussagen zur Entwicklung immersiver Audio-Lösungen: dass es in fünf Jahren ein gutes Simulationsmodell für realistischen Raumklang geben und dass HRTF (“Head-Related Transfer Function”) zum VR-Standard gehören werde. Letztere berücksichtigt für möglichst realistisches 3D-Audio die Form des eigenen Kopfs und Außenohrs.

Während das Simulationsmodell bereits in Produkte implementiert werde, stelle HRTF die Ingenieure noch vor größere Herausforderungen, sagt Abrash. Er selbst habe den Einfluss von HRTF auf die Immersion unterschätzt – bis ihm sein Forscherteam die Technologie in einem Experiment vorführte.

Raumklang zahlt auf die Immersion ein

Abrash bekam spezielle Kopfhörer aufgesetzt, während sich eine Forscherin mit einem laufenden Kassettengerät um ihn herum bewegte. Wie sich später herausstellte, war der Klang vollständig simuliert, ohne dass Abrash das merkte. “Die Erfahrung war absolut überzeugend”, sagt Abrash.

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Abrash hört ein Kassettengerät, doch dieses läuft nicht. BILD: Oculus

Doch HRTF ist im Nutzeralltag schwierig umzusetzen: Die Simulation setzt aufwendige Messungen voraus. Abrash hatte seine Ohren vor dem Test zuerst eine halbe Stunde lang in 3D scannen lassen müssen. Die Herausforderung sei, diesen Prozess zu vereinfachen. Das könne in den nächsten vier Jahren gelingen oder noch länger brauchen.

Handtracking samt Haptiksimulation noch weit entfernt

Eine weitere Voraussage aus dem Jahr 2016 betrifft VR-Interaktionsstandards: Touch-ähnliche 3D-Controller sollen auch in fünf Jahren noch zum Standardinterface gehören. Das Einzige, was diese Geräte einmal ersetzen könne, seien direkte Hand- und Fingerinteraktion samt Haptiksimulation.

2016 dachte Abrash, dass eine solche Technologie noch sehr weit in der Zukunft liegt. Heute zeige sich jedoch “etwas Interessantes” am Horizont.

Daraufhin spielt Abrash ein Video ab, das eine Mitarbeiterin mit Trackinghandschuhen beim Jenga-Spielen zeigt. Vom rechten Handschuh führen Kabel zu einem wuchtigen Gerät, das die junge Frau am Arm trägt. Offenbar handelt es sich hierbei um den frühen Prototyp eines haptischen Handschuhs.

Ergonomie: Kompakter Visor statt unförmiger Kasten

In Zukunft sollen VR-Brillen von besonders leichten und dünnen AR-Displays profitieren. Dadurch würde das klobige Gehäuse von heute durch einen kompakten Visor ersetzt.

Diese neuen VR-Brillen sollen für einen guten Tragekomfort zweiteilig sein: Die Recheneinheit sowie Batterien würden in einen Taschencomputer ausgelagert. Alternativ könnte das Smartphone als Zuspieler dienen. Die Verbindung zum Taschencomputer oder Smartphone wird laut Abrash drahtlos sein.

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So könnte der VR-Visor der Zukunft aussehen. BILD: Oculus

Beim maschinellen Sehen gibt es laut Abrash schnelle Fortschritte. Computer Vision sei die Grundlage der Mixed Reality: Computer können die reale Welt mittels Kameras und spezieller Computer-Vision-Algorithmen rekonstruieren und in der Virtual Reality anzeigen.

Ein Video zeigt, wie ein Mann mit VR-Brille in einem Raum umherläuft, während die im Gehäuse verbauten Kameras die Umgebung vermessen und den realen Raum samt Gegenständen als digitales Konstrukt in die VR-Brille streamen. Die groben Strukturen des Raumes können in der Virtual Reality auf ein Gitternetz reduziert oder komplett retexturiert werden.

Eine solche Echtzeit-Mixed-Reality in hoher Qualität soll laut Abrash in den nächsten vier Jahren bereits zum Standard gehören, sodass VR-Nutzer sich sicher durch die Welt bewegen und mit realen Objekten interagieren können, ohne die VR-Brille absetzen zu müssen.

Hinweis: Abrashs übrige Voraussagen zu optischen Systemen, Eye-Tracking und weiteren VR-Technologien sind hier zusammengefasst. Eine Zusammenfassung des Originalvortrags aus dem Jahr 2016 steht hier.

| Featured Image: Oculus (Youtube-Screenshot)

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