Ultrahaptics arbeitet an einer Technologie, mit der Nutzer virtuelle Objekte mitten in der Luft spüren und ertasten können. Auf der GDC zeigte das Unternehmen vier Demos. Ich habe sie ausprobiert.

Die Haptik-Simulation basiert auf Ultraschallwellen, die von einer Matte aus lauter Mini-Lautsprechern ausgesandt werden. Bewegt der Nutzer die Hände über der Matte, spürt er einen weichen Druck und fühlt annähernd die Form eines simulierten Objekts. Für die Erfassung der Hände und Handbewegungen greift Ultrahaptics auf ein Leap-Motion-Modul zurück.

Elektrizität spüren

Auf dem GDC-Stand konnte man die Technologie an drei Demostationen ausprobieren (siehe Youtube-Video unten), wovon nur die erste Virtual Reality nutzte. Für die Techdemo setzte ich mir eine Oculus Rift auf und erschien vor einem virtuellen Tisch, auf dem sich ein Buch und verschiedene Gegenstände befanden.

Durch das Schließen und Öffnen der Hände konnte ich den Gegenständen wie ein Zauberlehrling elektrische Stöße verpassen. Die Matte simulierte dabei ein Prickeln in den Handinnenflächen. Da das Sichtfeld des Leap-Motion-Moduls recht begrenzt ist, setzte das Tracking aus, wenn ich die Hände zu weit nach außen bewegte.

Interaktive Filmplakate

Die zweite Demostation war ein interaktives Filmplakat, das aus einem hochkant aufgestellten Display und einem rechteckigen Ultrahaptics-Modul samt integrierter Leap-Motion-Kamera bestand. Ein Mitarbeiter konnte zwischen verschiedenen Filmplakaten durchschalten.

Auf dem ersten sah man einen Magier und eine weiße Energiekugel, die sich elektrisch entlud, sobald ich mit der Hand in die Nähe kam. Auch hier simulierte die Technologie ein sanftes Kitzeln auf der Hautoberfläche. Auf dem zweiten Filmplakat wurde ein fiktiver Horrorfilm beworben, der mich geisterhafte Berührungen spüren ließ, wenn ich mich mit der Hand näherte.

Unbefriediegende Objekt-Haptik

An der dritten Demostation konnte ich mit der Hand über eine virtuelle Kugel streichen, ähnlich wie bei einer Trackball-Maus. Auf einem Display war zu sehen, wie sich die Kugel dabei über eine Fläche bewegte. Die Kontur des Balls konnte ich annähernd spüren, sie fühlte sich jedoch nicht solide an.

An der gleichen Station wurde mir eine zweite Demo gezeigt, bei der mir von oben kleine Kugeln und Würfel in die offene Handfläche fielen. Auch hier konnte ich die Konturen der virtuellen Objekte grob ausmachen. Da die Ultraschall-Technik keine Festigkeit, Oberflächenbeschaffenheit oder Gewicht simulieren kann, war der Effekt jedoch nicht besonders überzeugend.

Glaubhafte Simulation von Berührungen

Ein Ultrahaptics-Mitarbeiter nannte verschiedene Anwendungsgebiete: von den besagten interaktiven Filmplakaten über Kasino-Automaten, die Nutzer virtuelle Gegenstände spüren lassen bis hin zum hochmodernen Armaturenbrett, mit dem man beim Autofahren allein auf Basis haptischer Simulation Einstellungen vornehmen kann und dabei die Augen nicht von der Straße nehmen muss.

Ich fand, dass sich feste Gegenstände nur schlecht simulieren lassen. Dafür ist der Effekt zu subtil. Was sich mit der Technologie glaubhaft simulieren ließe, sind weiche Oberflächen oder Berührungen. Im Kontext der Telepräsenz könnte man mit Ultrahaptics’ Technologie über weit entfernte Distanzen Menschen berühren, indem man Hautkontakt simuliert. Selbst das Ertasten von Körperkonturen wäre im Ansatz vorstellbar.

Die Technologie wird laut Ultrahaptics bis Ende des Jahres Marktreife erlangen. Das Unternehmen arbeitet parallel an einem fortgeschritteneren Modell, mit dem sich mehrere Matten modular verbinden lassen, sodass der Ultraschall von einer theoretisch unbegrenzt großen Fläche ausgesandt werden könnte.

Mehr Informationen gibt es auf der offiziellen Internetseite.

GDC 2018: Ultrahaptics Demos

| Featured Image: VRODO

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