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Hochrangiger Spieleentwickler fällt drastisches Urteil über VR-Blase

von Matthias Bastian27. August 2017

Auf den Hype folgt die Depression: Ein hochrangiger Spieleentwickler beschreibt seine Ernüchterung nach der ersten Begeisterung. Insbesondere die Software-Verkäufe seien schlecht.

Die Webseite Techcrunch beschreibt in einem ausführlichen Artikel mögliche Gründe, weshalb der erste VR-Zyklus rund um HTC Vive, Oculus Rift und Playstation VR seinen Zenit bereits überschritten haben könnte. Der Artikel stellt die Frage, ob ein zweiter Zyklus folgt und wie er aussehen könnte.

In dem Bericht kommt ein laut Techrunch erfahrener Spieleentwickler zu Wort, der für einen führenden Herausgeber arbeitet und diesen zur Frage berät, für welche Plattformen Spiele veröffentlicht werden sollen. Der Entwickler wird nicht namentlich genannt.

Die VR-Blase soll bald platzen

Nach seiner frühen Begeisterung für Oculus und Virtual Reality vor einigen Jahren falle das aktuelle Urteil des Entwicklers ernüchtert aus.

Er gehe davon aus, dass die in den letzten Jahren entstandene VR-Blase “bald platzt”. Die Begründung: Weder Hard- noch Software seien ausgereift. “Komm in fünf Jahren noch mal wieder”, wird der Entwickler zitiert.

Die Technologie sei zwar “unglaublich spannend” und habe das Potenzial, “eines Tages groß zu sein”. Seit den ersten Entwicklerversionen sei sie auch funktional verbessert. Aber es brauche noch immer sehr viel Rechenleistung und eine schnelle Spiele-Engine für eine gute VR-Erfahrung. Weder Unity noch die Unreal Engine seien ausreichend für Virtual-Reality-Spiele optimiert.

“Die großen Unternehmen, die die Technologie haben, um einen Unterschied zu machen, sehen die Zielgruppe nicht. Und ohne Killer-App kaufen die Leute die Hardware nicht”, sagt der Entwickler.

Die Situation sei so ähnlich, wie wenn Nintendo eine innovative Konsole auf den Markt bringe, aber vergessen habe, den Mario-Erfinder Shigeru Miyamoto für die Spieleentwicklung abzustellen. “Es fehlen die herausragenden Inhalte für VR.”

VR-Brillenbesitzer kaufen nicht genug Software

Oculus finde die Killer-App nicht, obwohl sie mit Jason Rubin einen erfahrenen Branchenkenner am Ruder und viel Geld investiert hätten. Sony habe eine geschicktere Hardwarestrategie, allerdings biete die Konsole nicht genug Leistung, um Virtual-Reality-Grafik auf PS4-Niveau oder darüber hinaus darzustellen.

Für eine herausragende VR-Erfahrung sei daher noch immer eine Investition über 1.000 US-Dollar notwendig. In Anbetracht der Nachteile aktueller VR-Brillen eine zu hohe Summe.

“Sie wollen die Geräte nicht tragen, sie hassen die Kabel und den klobigen Formfaktor”, beschreibt der Entwickler die Gefühle der Zielgruppe.

Nicht nur VR-Brillen verkauften sich schlecht, sondern auch die Software. Das Verkaufsverhältnis von Hard- zu Software sei “fürchterlich”.

“Nicht einmal Besitzer von VR-Brillen kaufen Anwendungen, zumindest nicht in den Mengen, die notwendig wären, um größere Spiele zu finanzieren. Das limitiert das Wachstum”, so der Entwickler.

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