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Hololens: Entwickler zeigen Hologramm-ähnliche Videotelefonie

von Matthias Bastian18. Oktober 2016

Wie telefonieren wir in der Zukunft? Wahrscheinlich nicht mehr mit dem Hörer am Ohr oder dem flachen 2D-Bild auf dem Display. Die Entwickler der Agentur Valorem zeigen ihre Vision mit Hololens.

Im ersten Teil von Star Wars, da gab es mal eine Szene, die offenbar so viel Zündstoff in sich hatte, dass sie über Jahrzehnte hinweg die Fantasien von Entwicklern beflügeln konnte. Der kleine R2D2-Roboter projiziert ein dreidimensionales Hologramm von Prinzessin Leia in den Raum, das Jedi-Großmeister Obi-Wan Kenobi um Hilfe bittet. Das sah dann ziemlich genau wie folgt aus.

Helft mir, Obi-Wan Kenobi. Seitdem ist sie fix im kollektiven Bewusstsein der Tech-affinen Menschheit verankert, die Idee, dass solche Hologramme auch in der Realität und nicht mehr nur im Film möglich sein sollten. Zugegeben, rein physikalisch betrachtet wird das Star-Wars-Hologramm vielleicht niemals existieren. Aber mit Hololens auf dem Kopf bekommt man zumindest einen ersten Vorgeschmack darauf, wie es sich anfühlen könnte, mit einem echten Hologramm im gleichen Raum zu stehen.

Die Entwickler von Valorem programmierten die App Holobeam für Hololens, die kostenlos im Microsoft Store heruntergeladen werden kann. Eine 3D-Kamera filmt den Gesprächspartner, errechnet in Echtzeit eine animierte Punktewolke seines Körpers, texturiert das 3D-Modell und schickt es über das Internet an die Hololens-Brille. Der Empfänger hat den Eindruck, dass ein dreidimensionales Abbild des Gesprächspartners im Raum steht.

Wer den Unterschied zu einem normalen Videogespräch nicht versteht: Die Darstellung ist dreidimensional. Der Hololens-Träger kann aufstehen und seinen Gesprächspartner umkreisen, so wie es im Video unten demonstriert wird. Das ist ein wenig so, als wäre das Gegenüber nicht nur am Telefon, sondern mit im Raum.

Microsoft hat es in aufwendig vorgemacht

Ganz neu ist die Idee nicht, die Valorem da hatte. Microsoft zeigte schon Demos, die nach exakt dem gleichen Prinzip funktionieren, nur deutlich hochwertigere 3D-Modelle liefern. Dafür ist das Microsoft-Setup auch viel aufwendiger und teurer im Aufbau. Während die Redmonder ihre recht exakten 3D-Modelle mit bis zu sechs Tiefenkameras erstellen, braucht es für das Ergebnis in der Valorem-Demo nur eine einzelne stereoskopische Kamera. Das 3D-Modell, das dabei herauskommt, ist zwar noch ziemlich roh, aber es reicht aus, um die Person und einfache Gesten zu erkennen. Ein Gefühl von sozialer und körperlicher Präsenz dürfte sich einstellen.

In zwei bis vier Jahren könnten solche Hologramm-ähnlichen Telefonate bei besserer Qualität und bezahlbaren Preisen durchaus Alltag sein. Zumindest ist die Hologramm-Telefonie kein reines Sci-Fi mehr.

Hololens ist ab sofort weltweit verfügbar und kostet rund 3.300 Euro. Eine verbesserte Entwicklerversion erscheint voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2017. Eine kommerzielle Veröffentlichung ist erst ab Version 3 geplant.

Wer sehen will, wie ein herkömmliches 2D-Gespräch mit Skype und Hololens aussieht, klickt hier. Es wäre höchst verwunderlich, wenn Microsoft nicht schon selbst an einer günstigeren Variante der 3D-Videotelefonie mit Hilfe von Kinect oder einer vergleichbaren Kameratechnologie arbeitet.

| Featured Image: Valorem (Screenshot bei YouTube)