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Hololens: Kunden- und Produktanalyse der nächsten Generation

von Matthias Bastian27. September 2016

Dass Virtual und Augmented Reality nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Verkäufer dienen, zeigt Microsoft in Zusammenarbeit mit dem Inneneinrichter Lowe.

Bei immersiven Medien gehört der US-Inneinrichter Lowe zu den Erstanwendern. Logisch, die Bereiche Architektur und Visualisierung werden in der Branche schon reflexartig genannt, wenn es um sinnvolle Anwendungsszenarien für Virtual und Augmented Reality geht. Bereits 2014 experimentierte Lowe im “Holoroom” mit VR und Oculus Rift DK2. Dort konnten Kunden ihren Wunschraum virtuell in einer gerenderten Umgebung einrichten. Der Holoroom war nicht nur reine Theorie, sondern wurde tatsächlich in Läden eingesetzt und am Kunden erprobt. VR-Enthusiasten pilgerten in den USA zu Lowe, um die VR-Brille auszuprobieren.

Da räumliche Inhalte nicht allein der VR-Brille vorbehalten sind, kümmert sich Lowe in Zusammenarbeit mit Microsoft auch um die erweiterte Realität. Während diverse Smartphone-Apps von Lowe eher unspektakulär und technisch stark limitiert daherkommen, möchte das Unternehmen mit Hololens den optimierten Augmented-Reality-Vertrieb der Zukunft erproben.

Auf der Microsoft-Ignite-Konferenz wurde das anhand eines Küchenverkaufs demonstriert. Zwei Hololens-Nutzer können gemeinsam ein Hologramm (korrekter: einen kleinen Ausschnitt eines Hologramm-ähnlichen Abbilds) einer Küche betrachten und einzelne Bauteile, das Material oder die Farbe austauschen. Das klappt zwar eigentlich besser in der Virtual Reality – Ikea macht es vor – doch gerade beim gemeinschaftlichen Küchenkauf sollte man den sozialen Faktor und die reale Interaktion mit anderen Personen nicht unterschätzen, die bei bei halb-immersiven 3D-Computern wie Hololens deutlich besser klappt als mit der VR-Brille.

Microsoft und Lowe wissen, was Kunden ansehen und was sie dabei denken – vorausgesetzt, sie sprechen laut

Das bemerkenswerte an der Demo ist nicht die digitale Küchenbegehung, sondern es sind die Daten, die Microsoft und Lowe währenddessen erheben. Anhand der Kopfbewegungen lässt sich die Blickrichtung erahnen – mit Eye Tracking werden diese Datensätze in der Zukunft deutlich präziser sein. Mittels Heatmap-Analyse kann Lowe anschließend sehen, welche Küchenelemente besonders intensiv betrachtet wurden. Auch das ist bekannt aus dem VR-Bereich: Facebook bietet solche Analysen neuerdings kostenlos für besonders häufig angesehene 360-Videos an.

Neu an der Lowe-Demo ist, dass die Blickdaten mit Audioaufnahmen des Verkaufsgesprächs angereichert werden. Die Unterhaltung wird über das interne Mikrofon von Hololens aufgezeichnet und anschließend in Microsofts Cloud-Service von einer künstlichen Intelligenz verarbeitet. Das Analyseprogramm wertet aus, zu welchem Bauteil sich Kunden vermehrt positiv oder eher negativ äußerten. Bestimmte Schlüsselwörter, die häufiger auftauchen, werden herausgefiltert und zusammengefasst.

Sind genug Datensätze eingespeist, entsteht so ein repräsentatives Bild davon, was Kunden an einem Produkt schätzen und was ihnen weniger gefällt. Im Küchenbeispiel von Lowe störten sich einige Kunden an den altbackenen und zu klein geratenen Knäufen der Kabinettschränkchen.

| Featured Image: Microsoft (Screenshot bei YouTube)