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HTC über die Zukunft von HTC Vive: “Wir wollen omnipräsent sein”

von Tomislav Bezmalinovic25. November 2016

Rikard Steiber und Ryan Hoopingarner haben bei HTC führende Rollen inne: Steiber ist der leitende Stratege hinter der Viveport-Plattform und Hoopingarner ist für das globale Marketing des taiwanesischen Unternehmens zuständig. In einem Interview äußern sich die beiden Manager zur Ausrichtung von HTCs App Store, der Strategie hinter den Vive-Spielhallen und den neuen Geschäftsfeldern im Bereich des B2B.

“Wir stehen erst am Anfang und alle Akteure im Bereich der Virtual Reality müssen zusammenarbeiten, um dem Medium zum Durchbruch zu verhelfen,” meint Rikard Steiber in einem Interview mit GamesIndustry. “Wir sollten uns nicht bekämpfen, sondern dafür sorgen, dass Entwickler gute Inhalte schaffen und Geld verdienen.”

Viveport soll ein universaler App Store für Virtual Reality werden

Mit Viveport hat HTC Entwicklern zuerst in China und dann im Westen eine Plattform zur Verfügung gestellt, auf der sie ihre Software vertreiben können. “Unsere Vision ist: Viveport soll der führende plattformunabhängige App Store für Virtual Reality werden. […] Nicht nur für Vive, sondern für alle Plattformen und Geräte,” sagt Steiber.

Hoopingarner glaubt, dass Leute, die Smartphones, Spielekonsolen oder PCs besitzen, ihr jeweiliges Gerät früher oder später auf Virtual Reality upgraden werden. HTC möchte sich mit Viveport auf diesen Augenblick vorbereiten.

Es begann immer mit dem Gaming, aber es waren nicht die Spiele, die das Internet, den PC oder das Smartphone zu dem machten, was sie heute sind Rikard Steiber, Präsident von Viveport

“Wenn die Menschen erst einmal eine VR-Brille haben, dann interessieren sie sich für alles, was VR bietet und das sind nicht nur Spiele. Wir haben unseren eigenen Laden, unseren eigenen Marktplatz für diese Inhalte, die ausdrücklich außerhalb des Gaming sind,” erklärt Hoopingarner.

Als Beispiel nennt Steiber Anwendungen im Bereich der Bildung und der Kreativität. “Für VR-Spiele ist mit Steam gesorgt.[…] Wenn man Entwickler einer App wie Tilt Brush ist, kann es schwierig sein, dort wahrgenommen zu werden.” Viveport soll Steiber zufolge Steam ergänzen und Entwicklern von Non-Gaming-Anwendungen helfen, eine weltweite Zielgruppe zu finden und mit ihrer Software Geld zu verdienen.

“Es begann immer mit dem Gaming, aber es waren nicht die Spiele, die das Internet, den PC oder das Smartphone zu dem machten, was sie heute sind. Auch die Gamer verbringen viel Zeit mit E-Mails oder mit ihren Smartphones und sozialen Medien. Sie spielen immer noch, klar, aber es ist nicht das Einzige, was sie tun,” sagt Steiber.

Viveport Arcade soll Entwickler vor Raubkopien schützen

Viveport erschien nicht von ungefährt zuerst in China. Als taiwanesisches Unternehmen hat HTC einen weitaus einfacheren Zugang zum chinesischen Markt als US-amerikanische Unternehmen. Vor kurzem erschien in China der mobile Ableger von Viveport namens Viveport M, in dem auch Apps für Android und Daydream angeboten werden. Viveport M soll eine Art Google Play für den chinesischen Markt werden.

Wenn unser Plan aufgeht, dann erhalten sogar unsere Mütter für wenig Geld Zugriff auf eine Highend-Erfahrung Rikard Steiber, Präsident von Viveport

Außerdem startete HTC mit Viveport Arcade in China eine Initiative für Vive-Spielhallen. Steiber glaubt, dass Arcades auch im Westen Erfolg haben könnten, da man diese in jedem Kino und in jedem Einkaufszentrum unterbringen könnte, ohne viel Geld ausgeben zu müssen.

“Wir wollen den Zugang zu Highend-VR demokratisieren,” meint Steiber. “Bis jetzt kennen die meisten Leute Virtual Reality nur in Form von 360-Grad-Videos auf ihrem Smartphone. Das ist sehr nett, aber keine richtige Virtual Reality. Wenn unser Plan aufgeht, dann erhalten sogar unsere Mütter für wenig Geld Zugriff auf eine Highend-Erfahrung.”

HTC will mit Viveport Arcade sicherstellen, dass Entwickler an den Spielhallen mitverdienen. So könnten diese bereits mit einer halbstündigen Nutzung Umsatz generieren. “Mit unserer Initiative schützen wir die Inhalte der Entwickler mit DRM-Maßnahmen und stellen sicher, dass sie korrekt ausbezahlt werden.” Würde HTC das nicht tun, entstünde in China ein riesiger Markt für Raubkopien, meint Steiber.

HTC fokussiert sich auf den B2B-Markt

HTC arbeitet laut den Managern derzeit an neuer Hardware und ist zudem im B2B-Bereich aktiv. Schon im August kündigte ein Vertreter von HTC an, dass die kommende Version von HTC Vive nicht allein für Gamer gebaut werde. Man wolle eine neue Computerplattform entwerfen, die potenziell “Medizin, den Handel, soziale Interaktion und Reisen revolutionieren kann”.

Hoopingarner zufolge soll es besonders im Bereich der Architektur ein großes Interesse geben. Mit Virtual Reality würden sich Entwürfe weitaus leichter auf ihre Tauglichkeit überprüfen lassen als zum Beispiel mit 3D-Druckern.

Hoopingarner erzählt von Architekten, die das 3D-Modell eines Gebäudes in der Virtual Reality begingen und dabei einen Fehler in der Konstruktion entdeckten, auf den sie ohne VR-Brille nicht gestoßen wären. Auf diese Weise hätte man nachträgliche Kosten von 1,2 Millionen US-Dollar verhindern können, so Hoopingarner.

Wir wollen omnipräsent sein Ryan Hoopingarner, Globaler HTC Marketingleiter

Dem Artikel zufolge investiert HTC zudem in E-Sports und in reale Sportübertragungen. “Es wird möglich sein, sich per Virtual Reality in ein Stadion zu begeben und Spiele von VIP-Sitzen aus anschauen zu können. Man wird sich sogar ins Spiel und neben die Spieler teleportieren können,” meint Steiber.

Die beiden Manager betonen, dass die derzeitigen Strategien langfristig angelegt sind. Hoopingarner sagt: “Wir haben keinen Druck bezüglich kurzfristiger Ziele. Das ist der Grund, weshalb wir in Initiativen wie Viveport investieren. Wir sehen VR als eine Industrie, die nicht nur Hardware umfasst. Wir wollen omnipräsent sein.”

| Featured Image: HTC Vive