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HTC Vive: Der „Deluxe Audio Strap“ im Test – lohnt sich der Kauf?

von Matthias Bastian30. Mai 2017

“Deluxe Audio Strap” – wer denkt da nicht direkt an eine neue Kopfhalterung für eine VR-Brille? Ich habe das neue Luxuszubehör für HTC Vive mit dem ungewöhnlichen Namen für einige Tage getestet. Lohnt sich der Kauf?

In puncto Tragekomfort hängt HTC Vive der Konkurrenz aus dem Hause Oculus und Sony ein gutes Stück hinterher. Das liegt unter anderem daran, dass das Gerät recht schwer ist. Das gilt nur mehr bedingt für die aktuellste Baureihe, die rund 15 Prozent leichter als die Launch-Version und somit auf Augenhöhe mit Oculus Rift ist.

Das größere Problem ist jedoch die nachgiebige Stoffhalterung, die HTC Vive nicht optimal auf dem Kopf fixiert. Wenn man sich schnell bewegt, den Kopf in den Nacken legt, auf den Boden schaut oder sich ruckartig dreht, dann verrutscht die VR-Brille auf dem Kopf. Das nervt und stört die Immersion gerade beim von HTC so stark beworbenen Room-Scale-VR.

Ein weiteres Minus der Standardhalterung sind die externen Kopfhörer. Anders als bei Oculus Rift sind sie nicht geschickt ins Design der Brille integriert, sondern müssen zusätzlich angestöpselt und aufgesetzt werden. Das erhöht den Anziehaufwand.

Sitzt, passt, wackelt nicht

Der Audio Deluxe Strap löst sowohl das Anzieh- als auch das Tonproblem und macht die Wartezeit auf einen komfortableren Nachfolger erträglicher.

Die gepolsterte Plastikhalterung hat eine höhere Steifigkeit und sorgt so dafür, dass sich das Gewicht der VR-Brille besser auf dem Kopf verteilt. Der Hinterkopf trägt den Großteil der Last.

Das Kabel wird nicht mehr quer über den Kopf gelegt, sondern verläuft seitlich entlang der Halterung (Anleitung siehe unten im Video). Das klappt sowohl mit dem alten Kabel als auch mit dem neuen 3-in-1-Kabel.

Vorbei ist das nervige Geratsche am Klettverschluss.

Mit dem Deluxe Strap kann man die VR-Brille deutlich schneller und fester anziehen als mit der Standardhalterung. Vorbei ist das nervige Geratsche am  Klettverschluss. Wie fest die Brille sitzt, bestimmt ein einzelnes Rädchen am Hinterkopf, das die Kopfhalterung und die VR-Brille zusammenzieht, so wie bei Sonys Playstation VR.

Über das Rädchen kann man die Brille fast so fest anziehen wie eine Tauchermaske und so die meisten Wackler vermeiden, auch bei schnellen Bewegungen. Allerdings muss man anschließend ein VR-Gesicht mit ausgeprägten Druckstellen in Kauf nehmen, denn bequemer macht die Kopfhalterung die klobige Vive-Brille nicht. Sie sitzt einfach nur fester.

Wie bei Oculus Rift sind neu zwei ordentlich tönende Kopfhörer in die Halterung integriert, die das lästige Gefummel mit Ohrstöpseln beenden. Die Kopfhörer haben ein bewegliches Gelenk, sodass man sie passend auf das eigene Ohr ausrichten kann.

Die Tonqualität der integrierten Kopfhörer liegt auf einem ähnlichen Niveau wie die von Oculus Rift. Für den Normalnutzer reicht es, Audiopuristen dürften eine externe Highend-Lösung bevorzugen.

Wem die Klangqualität nicht ausreicht, kann die integrierten Kopfhörer mit zwei Handgriffen abmontieren und wie gehabt die eigenen Hörer verwenden.

Große Erleichterung für Business-Anwender

HTC nimmt mit der Vive-Brille nicht nur Spieler und VR-Enthusiasten, sondern auch Geschäftskunden ins Visier. Für die ist die neue Kopfhalterung ein großer Gewinn.

Wer auf Messen und Veranstaltungen regelmäßig vielen Menschen die VR-Brille aufsetzen muss, wird das viel schnellere und komfortablere An- und Ausziehen sehr zu schätzen wissen.

Aus gutem Grund macht HTC den Deluxe Strap zum Standard für die Business Edition der Vive-Brille. Wer diese nach der Ankündigung des Zubehörs am 27. Februar bestellt hat, bekommt die Halterung ab Ende Juni kostenfrei nachgeliefert. Die kommerzielle Version von HTC Vive wird wie gehabt mit der Standardhalterung ausgeliefert.

Fazit

Der Deluxe Audio Strap macht aus HTC Vive keine leichte und anschmiegsame Schlafmaske. Aber die VR-Brille sitzt deutlich fester am Kopf und lässt sich viel schneller auf- und absetzen. Die integrierten Kopfhörer verbessern den Nutzungskomfort zusätzlich.

Der Preis für das Zubehör scheint mit 120 Euro etwas hoch gegriffen. Gefühlt hätte es die Hälfte getan. HTC sieht gewiss Unternehmen als wesentliche Zielgruppe, die durchaus dazu bereit sind, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Für sie lohnt sich die Anschaffung definitiv.

Für kommerzielle Nutzer gilt: Wer mit der aktuellen Halterung gar nicht klarkommt und sich am hohen Preis nicht stört, bekommt eine rundum verbesserte Kopfhalterung, die den Nutzungskomfort deutlich und den Tragekomfort ein gutes Stück verbessert.

Klar ist aber auch, dass HTC mit dem Zubehör nur ein Versäumnis aufholt. Der Wettbewerb bietet vergleichbaren Trage- und Nutzungskomfort ohne Zusatzinvestition schon seit dem jeweiligen Marktstart – und das obwohl HTC die freie Bewegung im Raum am intensivsten beworben hat.

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