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HTC Vive: Die Laser sind sicher

von Matthias Bastian31. Dezember 2015

Das Highlight der VR-Brille HTC Vive ist zweifelsohne das komplexe Trackingsystem “Lighthouse”, das Position und Bewegung des Spielers mit Lasern erfasst. Aber Laserblitze im Wohnzimmer – will man das?

Die amerikanische Zulassungsstelle für Kommunikationsgeräte (FCC) gibt nun grünes Licht sowohl für die Laser-basierten Trackingkameras als auch für die VR-Brille Vive und die mitgelieferten Bewegungscontroller. Dem Produktionsstart steht so zumindest keine Behörde mehr im Wege.

Eine vergleichbare Behörde wie die FCC gibt es in Europa nicht, stattdessen gibt es Rahmenabkommen zwischen der EU und den zuständigen Behörden der einzelnen Länder. Da laut der FCC die verwendeten Laser in die Klasse 1 fallen und somit als komplett ungefährlich eingestuft werden, dürfte es auch in Europa keine Probleme bei der Zulassung geben.

Die FCC-Freigabe gab leider keinen Aufschluss darüber, was der “große technologische Durchbruch” sein könnte, von dem HTC zuletzt sprach. Im Umkehrschluss bedeutet das: Offenbar braucht die neue Technologie keine erneute Freigabe durch die FCC, dürfte also zumindest nichts mit Datenübertragung und Kommunikationstechnologie zu tun haben.

Das Trackingsystem Lighthouse erlaubt laut HTC einen Bewegungsradius von rund 20 bis 25m² in der virtuellen Realität – Entwickler haben aktuell Zugriff auf etwa 16m². Die kleinen Boxen, die in den Ecken eines Raumes montiert werden, scannen den Raum mit Laserstrahlen, die in Abständen von wenigen Millisekunden ausgesendet werden. Sie treffen auf der VR-Brille und den Bewegungscontrollern auf Fotowiderstände. Basierend auf den dabei gewonnenen Daten kann die Software anschließend den Raum vermessen und Bewegungen des Nutzers in Virtual Reality übertragen.

Wenn sich der Nutzer einer Wand nähert, wird auch das vom System erkannt und eine Warnung wird eingeblendet. Die zweite Entwicklerversion der Vive-Brille hat eine an der Vorderseite der VR-Brille montierte Kamera, die möglicherweise dafür geeignet ist, dieses Warnsystem noch zu erweitern – beispielsweise um auch Haustiere oder andere Menschen zu erkennen. Die genaue Funktion des Trackingsystems wird in diesem Video anschaulich demonstriert.

Lighthouse wurde von Valve mitentwickelt, dem Unternehmen, das die weltweit größte Vertriebsplattform Steam für digitale Spiele stellt, und ist komplett Open Source. Theoretisch könnten also auch andere VR-Brillenhersteller in Zukunft Lighthouse für die Bewegungserkennung einsetzen – die Macher der VR-Brille FOVE kündigten beispielsweise an, dass zukünftig Lighthouse unterstützt werden soll.

Wettbewerber Oculus VR verwendet hingegen ein eigenes Trackingsystem für die VR-Brille Oculus Rift, das auf den Namen “Constellation” (“Sternbild”) hört und mit Infrarotlicht arbeitet, statt mit Lasern. Laut Oculus-CEO Palmer Luckey kann das Constellation-Trackingsystem ebenfalls Bewegungen im ganzen Raum erkennen, dafür sind aber wenigstens zwei Trackingkameras nötig. Die VR-Brille Oculus Rift wird voerst aber nur mit einer Kamera ausgeliefert und wurde primär für sitzende oder stehende VR-Experiences entworfen. Eine zweite Kamera wird mit den Bewegungscontrollern Oculus Touch mitgeliefert, die im zweiten Quartal 2016 erscheinen sollen.

| VIA: Road to VR
| FEATURED IMAGE: rvdm88 (Screenshot bei YouTube)