Graham Breen von HTC glaubt nicht, dass Virtual Reality eine Killer-App braucht. Der neue Store Viveport soll keine Konkurrenz zu Steam sein.
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HTC Vive: “Die Partnerschaft mit Valve ist exzellent”

von Christian Steiner18. August 2016

Graham Breen begleitet die Entwicklung von HTC Vive seit dem ersten Tag. Bei HTC verantwortet er große Virtual-Reality-Projekte vornehmlich im europäischen Raum und betreut unter anderem Businesskunden aus der Automobilbranche, die gerade ihre ersten Gehversuche mit dem neuen Medium wagen.

Im Interview mit VRODO spricht er über Killer-Apps, Viveport, Kabelstränge so dick wie Arme und die Partnerschaft mit Valve.

VRODO: Graham, Du bist bei HTC der Vive-Projektmanager EMEA, kannst du uns kurz erklären was das bedeutet und wie genau deine Aufgaben aussehen?

Graham Breen: Offiziell kümmere ich mich um große Vive-Projekte im europäischen Raum. Das können Partnerschaften sein oder die Betreuung von Pilotprojekten für große Kunden, beispielsweise aus der Automobilbranche.

VRODO: Wie wird man für eine so junge Thematik Projektmanager?

Graham Breen: Ich arbeite schon sehr lange bei HTC. VR ist für mich tatsächlich nicht so neu, wie es vielleicht gerade für den Markt erscheint. Ich hatte ganz zu Anfang einen der ersten Vive-Prototypen auf dem Kopf. Damals waren noch zwei Kabelstränge – jeder so dick wie ein Arm – notwendig. Getragen wurden beide Kabel von jeweils einer Person, damit ich mich überhaupt bewegen konnte. Aber schon damals wusste ich, hier passiert etwas Großes. Nach und nach bin ich immer mehr in die Vive-Abteilung hineingewachsen.

VRODO: Welche VR-Erfahrung hat Dich bei deiner bisherigen Arbeit am meisten überzeugt?

Graham Breen: Die Frage kann ich nicht beantworten. Ich finde das Medium ist so vielseitig, dass ich mich nicht auf eine favorisierte App festlegen will. Wenn ich was spielen möchte, suche ich mir etwas Passendes aus dem Softwareangebot aus, zum Beispiel Space Pirate Trainer, wenn ich Aktion und Bewegung will, oder Tilt Brush für eine ruhige Session.

“Jeder definiert die Killer-App für sich selbst.” Graham Breen, HTC

VRODO: Du sprichst die Vielzahl an verschiedenen Anwendungen an. Es gibt Vertreter der Branche, die sich gerade drüber streiten, ob VR eine Killer-Applikation braucht. Was denkst Du dazu?

Graham Breen: Ich halte da nicht viel von. Die Aussage ist mir zu pauschal. Jeder definiert die Killer-App für sich selbst. Wenn ich ein Künstler bin, der sich einem neuen Medium hingeben will, dann ist vielleicht Tilt Brush die Killer-App für mich. Wenn ich auf Shooter stehe, dann warte ich vielleicht noch auf das passende Spiel. Zwar gibt es schon genug Shooter, aber vielleicht kein Spiel, bei dem mir das Setting gefällt.

Ich glaube, es wird Games und Anwendungen geben, die mehr Hardware verkaufen. Aber die wird es über den Lebenszyklus einer Hardware immer und immer wieder geben. Erst in der Rückschau kann man sagen, ok, „bei der Veröffentlichung von Spiel X haben sich am meisten Vive-Brillen verkauft“. Aber in Summe sind es alle Entwickler, die zum Erfolg des Systems beitragen. Im Steam-Katalog gibt schon jetzt viele tolle Spiele.

VRODO: Da Du gerade von Steam sprichst: Wie passt Viveport in das aktuelle Ökosystem und wie ist die Partnerschaft mit Valve dadurch beeinflusst?

Graham Breen: Unsere Partnerschaft mit Valve ist exzellent. Viveport soll keine Konkurrenz zu Steam werden. Wir wollen Kunden nur eine andere Zugangsmöglichkeit zu den Anwendungen geben. Es gibt viele Länder, in denen Steam nicht so gut funktioniert wie wir es hier in Europa gewohnt sind. China ist ein gutes Beispiel, daher sind wir dort gestartet.

Und es gibt eine signifikante Nutzergruppe, die wollen oder können Steam nicht verwenden. In Unternehmen kann es zum Beispiel Restriktionen geben und Steam darf nicht installiert werden. Viveport soll dazu eine Alternative bieten. Außerdem soll Viveport eine Anlaufstelle für Anwendungen abseits von Spielen werden.

“Wir wollen keine Plattform für unfertige Anwendungen oder frühe Konzeptdemos werden.” Graham Breen, HTC

VRODO: Was ist beim Softwareangebot von Viveport technisch zu erwarten – wie sehen die Einstiegshürden für Entwickler aus?

Graham Breen: Die oberste Prämisse ist für uns die Qualität. Schlechte VR-Erfahrungen schaden dem Medium enorm, daher ist der Entwicklungsstand der Software sehr wichtig. Wir wollen keine Plattform für unfertige Anwendungen oder frühe Konzeptdemos werden. Und wir wollen nicht nur Spiele anbieten.

VRODO: Wird das Förderprogramm Vive X auch auf Europa ausgeweitet?

Graham Breen: Dazu kann ich noch nicht viel sagen. Es gibt Talente auf der ganzen Welt und wir sind an den aktuellen Standorten (Anm.: Beijing, Taipei und San Francisco) sehr erfolgreich gestartet.

Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass auch in Europa Talent vorhanden ist und gute Ideen gefördert werden müssen. Ich kann dazu nur so viel sagen: “Stay tuned.”

VRODO: Danke Graham, für das Gespräch. Zum Abschluss noch die obligatorische Frage: Wohin geht die Reise mit VR?

Graham Breen: Ich denke, dass Virtual Reality in irgendeiner Form zukünftig ein fester Teil von unserem Leben sein wird. Die Technik hat das Potenzial dazu, uns die Welt wortwörtlich mit anderen Augen sehen zu lassen.

Mehr zu Viveport und Co. gibt es im VRforum.