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HTC Vive: Fünf Virtual-Reality-Apps für Einsteiger

von Matthias Bastian14. Mai 2016

Rund 35.000 HTC Vive-Brillen wurden bereits an Endkunden ausgeliefert, täglich kommen neue Besitzer hinzu – und die wollen hochwertige VR-Apps. Bei Steam VR gibt es mittlerweile rund 250 VR-Spiele und -Erfahrungen, der Markt wird also langsam unübersichtlich. Wir stellen fünf “Must-haves” neben “The Lab” und Co. vor, die richtig was können.

HoloBall

HoloBall beamt einen virtuellen Squash-Platz ins eigene Wohnzimmer, ist körperlich fordernd und macht jede Menge Spaß. In einer Art Cyber-Pong tritt man gegen die CPU an, die auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds eure Schmetterbälle abfängt und zurückspielt. Das Ziel: Schneller sein als der Computer und den Ball am übermächtigen Gegner, der euch zu allem Überfluss permanent verhöhnt, vorbeispielen. Die 3D-Controller von HTC Vive werden zu futuristischen Tennisschlägern, mit denen ihr den Spielball über Bande mit möglichst viel Tempo auf das gegnerische Tor feuert. Umso präziser und fester man dabei in die Ecken spielt, desto höher die Siegchance.

Mit steigendem Schwierigkeitsgrad wird das Spielfeld größer, der Computer bewegt sich schneller und schlägt härtere Returns. HoloBall kann den Puls ordentlich in die Höhe treiben. Neben dem einfachen Spielprinzip überzeugt die überaus gelungene Präsentation im Tron-Stil samt Ohrwurm-Soundtrack. Auf dem HoloBall-Spielfeld fühlt man sich wie ein futuristischer Athlet. Ein spezieller Zuschauermodus für den externen Monitor macht das VR-Cybertennis auch für Außenstehende interessant. Das ist ein Ausblick auf den E-Sport der Zukunft.

Grad der Immersion: Enorm.

Fazit: Unbedingt kaufen, HoloBall gehört zu den Vorzeigeapps für Room-Scale-VR und bietet einen ersten Vorgeschmack auf das Holodeck. Da man stets nach vorne gerichtet spielt, stört auch das lange Vive-Kabel die Immersion nicht. Schon nach wenigen Momenten vergisst man komplett, dass man eigentlich nur in seinem Wohnzimmer steht.

HoloBall bei Steam herunterladen (9,99 Euro)

Holopoint

Und noch ein “Holo”-Spiel – viele weitere werden folgen. Anstatt mit Schlägern auf einen Ball einzudreschen, muss man mit Pfeil und Bogen zielen und abstrakte 3D-Objekte zerlegen. Diese lösen sich allerdings nicht einfach in Luft auf, sondern explodieren und feuern zurück und das aus allen Richtungen. Während man also damit beschäftigt ist, den Pfeil aus dem Köcher zu ziehen, die Objekte anzuvisieren und nach Möglichkeit auch noch zu treffen, muss man gleichsam auf der Hut sein und den gegnerischen Projektilen ausweichen. Das stellt hohe Anforderungen an die eigene Multitaskingfähigkeit.

Wird man von einem der Projektile erwischt, ist die Runde zu Ende – bis dahin gilt es, möglichst viele Treffer zu erzielen und einen neuen Highscore aufzustellen. Die Lernkurve ist steil, aber nach ein paar Runden fühlt man sich wie Cyber-Legolas. Bei den schnellen Bewegungen und Drehungen stören allerdings die recht schwere Vive-Brille auf dem Kopf und das Kabel, in das man sich zunehmend einwickelt. Außerdem ist Schwitzen unter der VR-Brille kein Spaß.

Grad der Immersion: Sehr hoch.

Fazit: Holopoint kostet nur 7,99 Euro und damit passt der Gegenwert. Wer keine Angst davor hat, unter der VR-Brille zu schwitzen und gerne mit Pfeil und Bogen zielt, wird mit Holopoint regelmäßig Spaß haben.

Holopoint bei Steam herunterladen (7,99 Euro)

Realities

Die Anwendung hat sich dem “virtuellen Tourismus”verschrieben. Das Konzept: Mittels Photogrammetrie werden sehenswerte reale Orte, die im echten Leben nur schwer zugänglich sind, originalgetreu in die virtuelle Realität übertragen und sind dank Room-Scale-VR frei begehbar. Weite Distanzen innerhalb einer Szene, die über den Trackingbereich hinausgehen, überwindet man mittels Teleportation.

Die abfotografierten und am Rechner rekonstruierten 3D-Umgebungen haben eine hohe und fotorealistische Qualität mit dichter Atmosphäre. Selbst sehr feine Details sind aus der Nähe betrachtet noch immer knackig scharf. Der Nachteil der Photogrammetrietechnik ist, dass die Umgebung recht statisch wirkt – klar, man bewegt sich im Grunde durch eine Fotografie. Prinzipiell lassen sich aber auch die Fotoumgebungen mit digitalen Elementen beleben, erste Ansätze sind bereits vorhanden. Übrigens: Hinter der App steckt ein deutsches Entwicklerteam, das es mit der Idee erfolgreich ins Silicon Valley (und wieder zurück) geschafft hat.

Grad der Immersion: Hoch.

Fazit: Pflichtdownload, immerhin ist die App kostenlos und eignet sich hervorragend, um VR-Neulingen und -Veteranen ein beeindrucktes “Wow” zu entlocken. Weitere begehbare Orte folgen in zukünftigen Updates, die Anwendung soll zur Plattform werden.

Realities bei Steam herunterladen (kostenlos)

The Cubicle.

Die VR-Erfahrung “The Cubicle.” dauert nur rund fünf Minuten und ist weder Spiel noch Film, stattdessen wird man Teil einer interaktiven Erzählung, bei der man gleichermaßen Protagonist und Zuschauer ist. Die Optik ist denkbar schlicht, aber “The Cubicle.” überzeugt in erster Linie durch eine starke Narration, die beweist, wie mächtig Virtual Reality als Storytelling-Medium ist, das den Nutzer in völlig neue Szenarien transportieren kann. Die Geschichte, eine Art kritische Reflexion des durchschnittlichen Arbeitslebens, spielt geschickt mit verschiedenen Größendimensionen und dürfte den einen oder anderen Zuschauer nachdenklich zurücklassen.

Grad der Immersion: Hoch.

Fazit: Wer sich für Storytelling in Virtual Reality oder einfach nur eine VR-Erfahrung der etwas anderen Art interessiert, wird die ausgegebene Bandbreite nicht bereuen – mehr kostet die Anwendung nämlich nicht. Künstlerisch wertvoll und mit zahlreichen “Wow”-Momenten.

The Cubicle. bei Steam herunterladen (kostenlos)

Space Pirate Trainer

Und noch ein Arena-Shooter in 360-Grad. Zugegeben, das Genre ist aber auch wie gemacht für das Room-Scale-VR-Feature der Vive-Brille, denn es lässt sich glaubhaft auf einer relativ engen Spielfläche abbilden. Anders als bei Holopoint feuert man nicht mit Pfeil und Bogen auf abstrakte 3D-Objekte, sondern zielt mit futuristischen Laserwaffen auf fliegende Roboter; so wie es sich für einen waschechten Weltraumpiraten eben gehört.

Die Roboter sind wehrhaft und feuern zurück, den Schüssen kann man entweder durch geschickte Bewegungen ausweichen, besonders cool ist dabei der Slow-Motion-Effekt im Matrix-Stil, oder sie alternativ mit einem Schild abwehren, das man auf dem Rücken trägt und mit einer schnellen Geste zückt. Das verleiht dem Titel ein taktisches Element, denn man kann eher defensiv mit Schild und Waffe ausrücken oder auf Dauerfeuer mit zwei Laserknarren setzen. Je nach Spielstil gibt es verschiedene Waffen zur Auswahl, die entweder besonders präzise feuern oder mehr in die Fläche wirken.

Space Pirate Trainer ist als recht rudimentäre Early-Access-Version verfügbar und soll in naher Zukunft mit neuen Waffen, Items und Bossgegnern erweitert werden. In der aktuellen Version gibt es noch nicht besonders viel Abwechslung, ähnlich wie bei Holopoint steht der Spaß an der Bewegung und die Jagd nach einem neuen Highscore im Vordergrund. Auch bei SPT stören das Gewicht der Brille sowie die Kabel.

Grad der Immersion: Sehr hoch.

Fazit: Trotz oder gerade wegen des einfachen Spielprinzips bietet Space Pirate Trainer eine Menge Wiederspielwert und eignet sich auch für VR-Neulinge. Wer eher auf Laserknarren und Arcade-Feeling steht als auf Pfeil und Bogen, ist hier besser aufgehoben als bei Holopoint. Neue Features und Verbesserungen sind bereits angekündigt.

Space Pirate Trainer bei Steam herunterladen (14,99 Euro)

| Featured Image: HoloBall / TreeFortress