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HTC Vive: Kettensägenhersteller veröffentlicht kostenloses VR-Spiel

von Matthias Bastian10. September 2016

Positive Emotionen! Das Marketing braucht positive Emotionen. Auch dann, wenn es um Kettensägen geht.

Ich weiß jetzt, was “Limbing” ist und ich erkläre es gerne. Es ist das englische Wort für “Entasten”. Entasten ist das, was der Holzfäller macht, nachdem er den großen Stamm umgehauen hat und anschließend die verbliebenen kleinen Äste entfernt. Und ich habe noch etwas gelernt: Limbing ist unter Holzfällern ein beliebter Sport. Eben diesen Sport hat die Marketing- und Technologie-Agentur Digitas im Auftrag des schwedischen Kettensägenherstellers Husqvarna in Virtual Reality für HTC Vive umgesetzt.

Die Vive-Stäbe werden in der App zu virtuellen Händen, mit denen man sich das neue Spitzenmodell von Husqvarna, die Husqvarna 369, greifen kann. Mit dem Trigger schmeißt man das Sägeblatt an und versucht, mit möglichst hoher Präzision in kurzer Zeit einen großen Stamm von 24 kleinen Ästen zu befreien.

Schneidet man nicht tief genug an der Wurzel ab, muss man erneut ran. Das kostet Zeit und wertvolle Punkte. Anschließend kann man seinen Highscore in einer Online-Bestenliste abspeichern. Auf einer überdimensionierten Schreibmaschine kann man seinen Namen mit den eigenen Händen einhacken und anschließend auf einer riesigen 3,5-Zoll-Diskette abspeichern. Dieser Vorgang macht fast mehr Spaß als das eigentliche Spiel.

Luftsäge gegen Luftäste

Laut Peder Sandqvist, der bei Digitas die Umsetzung der App verantwortet, hat die Agentur viel Zeit mit den weltbesten Holzfällern verbracht, um “die Kunst des Entastens” möglichst authentisch in die Virtual Reality zu portieren. Die mussten die Anwendung intensiv testen und Feedback geben, ob das virtuelle Sägegefühl der realen Sache entspricht.

Ich muss zugeben, ich hatte noch nie eine echte Kettensäge in der Hand und habe noch keinen Baum gefällt. Aber ich bin mir fast sicher, dass eine echte Kettensäge schwerer ist als die Vive-Controller und das selbst beim besten Sägeblatt der Widerstand eines Astes höher ist als der von Luft.

Ob es Husqvarna mit der App also wirklich gelingt, ihren Kunden ein besseres Gefühl für das Produkt zu vermitteln, bezweifle ich. Und ich bezweifle ebenso, dass die Quote der Menschen, die beruflich Bäume fällen und gleichsam eine Vive-Brille besitzen, sonderlich hoch ist.

Aber die Anwendung ist kostenlos bei Steam verfügbar, macht für zehn Minuten Spaß und das reicht offensichtlich, damit ein Internetmagazin vielleicht darüber berichtet. Der Trailer hat rund 35.000 Zuschauer bei YouTube und brauchte für diese Reichweite nur wenige Tage. Ein wenig mehr Online-Sichtbarkeit ist ja auch schon ein lohnenswertes Werbeziel für eine Marke.

Laut Sandqvist haben rund fünf Prozent der Vive-Besitzer bei Steam die Anwendung ausprobiert. Das seien “einige tausend” virtuelle Holzfäller. Die Besucher des “World Logging Championships” in Polen bekommen eine realistischere Simulation geboten – dort werden die Vive-Controller an einer echten Husqvarna 369 angebracht, um dann virtuell um die Wette zu sägen. Bleibt zu hoffen, dass das Tracking dabei keine Aussetzer hat.

| Source: Adweek | Featured Image: Digitas / Husqvarna