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HTC Vive: Mit Virtual Reality die Folgen des Klimawandels erleben

von Tomislav Bezmalinovic19. Oktober 2016

Der hohe Ausstoß an Treibhausgasen wird früher oder später dazu führen, dass die Meere versauern. Das Virtual Human Interaction Lab der Universität Stanford zeigt in einer neuen VR-Erfahrung die Folgen dieser Entwicklung.

Rund 30 Prozent des vom Menschen erzeugten Kohlenstoffdioxids gelangt in die Meere, wodurch der Säuregehalt des Wassers nach und nach steigt. Dies führt dazu, dass Korallen, Austern und und Muscheln keine Skelette und Schalen mehr bilden können und sterben. Da diese Lebensformen die Grundlage aller anderen Meeresbewohner sind, wären diese ebenfalls bedroht. So würde die Versauerung des Meeres am Ende auch all jene Menschen treffen, die von der Bewirtschaftung der Meere leben.

Anschauliche Darstellung der Auswirkungen

Die “Stanford Ocean Acidification Experience” für HTC Vive entstand unter der Leitung von Jeremy Bailenson und führt auf anschauliche Weise die drastischen Folgen dieser Entwicklung vor. Zu Beginn befindet man sich inmitten eines Verkehrsstaus und sieht, wie Kohlenstoffdioxid-Molekühle aus dem Auspuff eines Wagens entweichen und in die Atmosphäre gelangen. Dann wechselt die Szene und man befindet sich auf einem Segelschiff auf dem offenen Meer. Hier fallen die Moleküle vom Himmel herab ins Meer und bilden neue chemische Verbindungen mit dem Meereswasser, die dessen Säuregehalt erhöhen.

Nun taucht man auf den Grund des Ozeans und findet sich inmitten eines Korallenriffs wieder. Hier übernimmt man die Aufgabe eines Meeresforschers, der eine Bestandsaufnahme vornimmt und mit Fähnchen Meeresschnecken markiert, um  zu ermitteln, wieviele Exemplare in der unmittelbaren Umgebung leben. Danach werden die Auswirkungen der Versauerung gezeigt und das farbenfrohe Korallenriff verwandelt sich in einen leblose, bräunliche Masse. Nach Meeresschnecken hält man jetzt vergeblich Ausschau: sie sind unter diesen Bedingungen nicht mehr lebensfähig.

Virtual Reality soll das Bewusstsein für den Klimawandel wecken

Die virtuelle Umgebung und der gezeigte Effekt der Versauerung sind nicht frei erfunden, sondern einem real existierenden Korallenriff in der Nähe der italienischen Insel Ischia nachempfunden. Die Besonderheit dieses Korallenriffs ist, dass es vulkanische Öffnungen enthält, aus denen Kohlenstoffdioxid entweicht. Anhand dieser einzigartigen Bedingungen konnten Meeresforscher ermitteln, welche Folgen ein erhöhter Säuregehalt auf das umgebende Biotop hat.

Die verheerenden Auswirkungen dieser Versauerung wurde in einem 360-Grad-Video dokumentiert, das von Cody Karutz, einem ehemaligen Mitglied des Virtual Human Interaction Lab gedreht wurde (siehe unten). Die Forscher hoffen, dass durch die virtuelle Realität mehr Menschen auf das Problem der Versauerung der Meere aufmerksam werden. So wurde die VR-Erfahrung auch mehreren US-Kongressabgeordneten gezeigt.

Senator Sheldon Whitehouse sagte nach einer Präsentation: “Diese Simulation zeigt den Schaden, den die Umweltverschmutzung an unseren Ozeanen anrichtet. Ich begrüsse es, dass VR-Erfahrungen wie diese uns darauf aufmerksam machen, welchen Gefahren unsere Ozeane ausgesetzt sind und was wir tun müssen, um sie zu schützen.”

Die Stanford Ocean Acidification Experience ist kostenlos für HTC Vive auf Steam und Viveport erhältlich.

Mehr über die Versauerung der Meere kann man auf Wikipedia erfahren.

| Featured Image: Stanford Virtual Human Interaction Lab