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HTC Vive: Schluss mit Schwitz-VR? Kopfkühler “ViveNchill” im Test

von Tomislav Bezmalinovic14. Juli 2017

Das US-Unternehmen Redrotor will im Herbst ein neues Zubehör für HTC Vive auf den Markt bringen. “ViveNchill” (sprich: “Vive and Chill”) sind zwei Miniventilatoren, die auf die VR-Brille geklebt werden und der Stirn auf Knopfdruck Kühlung zufächeln. Damit sollen Schweißausbrüche reduziert werden. Hält das Gerät, was es verspricht?

ViveNChill besteht aus einem Netzschalter, zwei Ventilatoren und einem USB-Kabel. Letzteres dient der Stromversorgung und muss mit dem freien USB-Port verbunden werden, der sich unter der Schutzabdeckung der VR-Brille an der Vorderseite befindet.

Die Installation ist fummeliger, als man auf den ersten Blick erwarten würde, aber kann mit etwas Geduld ohne Probleme bewältigt werden. Sind die Ventilatoren richtig angebracht, ragt der Netzschalter gut erreichbar aus der Öffnung im Kopfband, durch die die übrigen Kabel geführt werden können. Die Kabel der Ventilatoren laufen seitlich am Kopfband entlang.

Die Lüfter werden nicht mechanisch, sondern per Klebstreifen an der VR-Brille fixiert. Das hat den Nachteil, dass man sie nicht so leicht wieder abnehmen kann, da sie sehr stark festkleben. Ob sie dauerhaft so gut halten oder Spuren hinterlassen, wird der Langzeittest zeigen.

Unauffälliges Design

Wegen der durchdachten Kabelführung und der dunklen Farbe des Zubehörs fügt sich ViveNchill harmonisch in das Design der VR-Brille ein. Dabei hilft, dass die Kabel der Ventilatoren genau die richtige Länge haben.

Der Winkel der Ventilatoren lässt sich stufenlos in einem 90-Grad-Winkel anpassen. Außerdem kann man sie ganz herunterklappen, wie es auf dem Bild unten zu sehen ist. Verletzungsgefahr ist ausgeschlossen: Fasst man zufällig in die Ventilatoren, hören sie auf zu drehen und man tut sich nicht weh.

Ich habe das Zubehör nur mit der Standard-Kopfhalterung ausprobiert. Für Besitzer des Deluxe Audio Straps ist die Installation des Zubehörs wegen der seitlichen Kabelführung etwas umständlicher, wie ein Youtuber berichtet. Offensichtlich hat Redrotor die neue Kopfhalterung bei der Entwicklung des Zubehörs noch nicht berücksichtigt.

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ViveNchill: Das Design ist funktional. BILD: VRODO

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Die Ventilatoren lassen sich ganz herunterklappen. BILD: VRODO

ViveNchill im Praxistest

Ich habe das Gerät in zwei Szenarien getestet. Einmal unter Extrembedingungen, bei hochsommerlichem Wetter mit einer Raumtemperatur von circa 30 Grad und einmal unter normalen Bedingungen bei circa 22 Grad Raumtemperatur.

Um die Wirksamkeit des Zubehörs zu testen, habe ich eine halbe Stunde lang Audioshield und Superhot VR gespielt. Das sind zwei Titel, die mir für gewöhnlich schon nach kurzer Zeit Schweiß auf die Stirn treiben.

Schaltet man die Ventilatoren zum ersten Mal an, hat man das Gefühl, dass sie fast schon zu stark eingestellt sind. Dieser Eindruck verflüchtigt sich aber nach den ersten paar Minuten körperlicher Aktivität, denn es bleibt nicht lange kühl.

ViveNChill kann unabhängig von der Raumtemperatur wenig dazu beitragen, die aufsteigende Hitze einzudämmen und Schweißausbrüche zu verhindern. Wie auch? Bei körperlicher Aktivität und einer hohen Raumtemperatur wird nicht nur die Stirn wärmer, sondern der gesamte Körper. Zwei Miniventilatoren, die die Stirn kühlen, verhindern das nicht.

Die Kühlung ist zwar angenehm, doch sobald die körperliche Aktivität eine gewisse Grenze überschreitet und der Körper sich erhitzt, nimmt die Wirksamkeit ab – bis zu dem Punkt, an dem man das Gebläse gar nicht mehr wahrnimmt.

Kühler, aber kein Kühlschrank

Das bedeutet nicht, dass ViveNChill nutzlos ist. Die sanfte Brise ist angenehm und hilft dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch wer im Sommer sportliche VR-Titel spielt, wird dennoch kräftig schwitzen. Das Gerät kühlt zwar, ersetzt aber – klar – keine Klimaanlage.

Ich habe mich an die Kühlung gewöhnt und bin froh, dass ich sie bei heißen Temperaturen anschalten kann. Daher möchte ich das Zubehör nicht mehr missen.

Zwei Verbesserungen wünsche ich mir für einen Nachfolger: Erstens die Möglichkeit, die Drehgeschwindigkeit und damit die Intensität der Kühlung mit einem Regler einzustellen und zweitens flüsterleise Ventilatoren.

Denn im Betrieb vernimmt man ein konstantes, hohes Fiepen. Hat man die Lautstärke der VR-Erfahrung auf den Kopfhörern voll aufgedreht, hört man das Geräusch zwar nicht mehr. Aber in stillen Momenten tritt es deutlich hervor. Eventuell helfen hier Kopfhörer mit guter Geräuschunterdrückung.

Die Indiegogo-Kampagne des Unternehmens läuft noch rund zwei Wochen. Unterstützer erhalten das Gerät für 25 US-Dollar inklusive Versandkosten. Die Auslieferung soll voraussichtlich im September 2017 erfolgen.

| Featured Image: VRODO

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