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HTC Vive: SculptrVR ausprobiert – Klötzchenkunst im großen Stil

von Matthias Bastian1. Mai 2016

Fans von Minecraft kennen das Prinzip: Aus einfachen Klötzchen entstehen riesige Welten, die anschließend begehbar sind. SculptrVR bietet genau das, konzentriert sich dabei aber auf den Aspekt der Gestaltung.

Wer Googles Tiltbrush kennt, findet sich auch bei SculptrVR zügig zurecht. Ein 3D-Controller wird zur Farbpalette, der andere zum Pinsel, mit dem man in der virtuellen Welt in die Luft zeichnet. Anstatt aber geschwungene Linien aus Farbe und Licht zu kreieren, platziert man bei SculptrVR Klötzchen, um 3D-Objekte zu erstellen. Verschiedene Pinselmodi erlauben es, entweder einzelne Klötzchen gezielt zu platzieren, viele Klötzchen auf einmal zu zeichnen – was ein bisschen an Töpfern oder Bildhauerei erinnert – oder die Vierecke gezielt auf die Fläche zu verteilen und sogar zu animieren. Innerhalb der verschiedenen Modi kann man stets die Größe der Klötzchen verändern, um möglichst präzise zu arbeiten.

Das besondere Feature von SculptrVR ist, dass sich die Größe der virtuellen Welt beliebig skalieren lässt. Oder vielmehr: Die eigene Körpergröße im Verhältnis zur VR-Umgebung. Als Veranschaulichung ein Beispiel: Zuerst erstellt man, ganz im Stile eines mächtigen Digitalgottes, eine Bergwelt. Malt Sonne, Wolken und einen blauen Himmel, umgibt die Berge mit einer Seenlandschaft und erschafft Wälder. Mit dem entsprechenden Pinselwerkzeug klappt das innerhalb weniger Minuten.

Anschließend beamt man sich, nur noch so groß wie ein Riese, auf die Spitze des soeben erschaffenen Berges. Dort formt man einen besonders schönen, großen Baum. Anschließend schrumpft man sich auf die Größe eines Menschen und platziert eine Person in den Schatten des Baumes, die entspannt ein Buch liest. Wem das an Detailarbeit noch nicht reicht, der könnte auch noch einen Ameisenbau neben den Baum setzen, sich auf Ameisengröße schrumpfen, den Bau betreten und diesen von innen ausgestalten. Das folgende Video veranschaulicht diese Mechanik.

Bis zu einer Stunde 3D-Kreation soll die Engine aushalten können, bevor es zu viele Klötzchen werden. Das ist mehr als genug Zeit, um mit SculptrVR ganze Welten zu erstellen, die anschließend begehbar sind. Dadurch hat der Titel auch ein spielerisches Element, denn man kann in diesen selbstkreierten Welten Nachrichten, Überraschungen und Geheimnisse verstecken, die anschließend von anderen Nutzern gefunden werden können. Einmal erschaffene 3D-Welten und -Kunstwerke können SculptrVR-Nutzer untereinander austauschen.

Ästhetisch erinnern die Kreationen stark an die Welten aus Minecraft; das ist sicherlich kein Zufall, sondern ein gewollter Effekt, denn gerade begeisterte Minecraft-Enthusiasten könnten Gefallen an SculptrVR finden. Toll ist außerdem, dass die erschaffenen 3D-Objekte nicht in der Virtualität verbleiben müssen. Alle Kreationen können auch via 3D-Drucker aus der virtuellen in die reale Welt übertragen werden. Das Programm legt dafür .obj Dateien an. Das Titelbild zeigt übrigens eine Klötzchennachbildung eines Dali-Gemäldes.

| Featured Image: SculptrVR