12

HTC Vive soll sich doppelt so häufig verkaufen wie Oculus Rift *Update*

von Matthias Bastian10. Januar 2017

Update vom 10. Januar 2017:

Bei Twitter reagiert Sweeney auf eine Nachfrage, auf welche Quelle er seine Aussage bezieht. Die nennt er nicht, gibt aber zu verstehen, dass er möglicherweise andere Einblicke hat außerhalb von Steam. Die Verkaufszahlen in China sollen das Pendel stärker zugunsten von HTC ausschlagen lassen. Die wiederum spielen in den Daten, die man über Steam einsehen kann, nur eine geringe Rolle.

Ursprünglicher Artikel vom 9. Januar 2017:

Fast zeitgleich starteten die beiden Konkurrenten HTC Vive und Oculus Rift vergangenen März und April in den Markt. Keines der Geräte ist ein Verkaufsschlager und offizielle Zahlen sind kaum bekannt. Laut Epic-Chef Tim Sweeney soll HTC Vive die Nase im Schneckenrennen deutlich vorne haben.

In einem Interview mit der Webseite Glixel sagt Epic-Chef Tim Sweeney, dass sich HTC Vive doppelt so häufig verkauft wie Oculus Rift. Er gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetze. Sweeney äußert das im Kontext einer Kritik an Facebooks Geschäftsmodell im Oculus Store.

“Am Ende gewinnen die offenen Plattformen. Sie haben die bessere Auswahl an Software. HTC Vive ist komplett offen. Und andere VR-Brillen kommen, die ebenfalls komplett offen sind”, sagt Sweeney.

Der Epic-CEO nennt keine Quelle für seine Einschätzung zum Verkaufserfolg. Gut möglich, dass Sweeney ob seiner Position mehr über die Märkte weiß als der Rest der Welt. Epic Games ist unter anderem Herausgeber der populären Entwicklungsumgebung Unreal Engine.

Womöglich bezieht er sich nur auf die Daten, die bei der Steam Hardwareumfrage erhoben werden. Hier liegt HTC Vive circa um den Faktor 2:1 vorne. Allerdings sind die Angaben ungenau, da jene Nutzer aus der Statistik fallen, die Oculus Rift ausschließlich bei Oculus Home nutzen.

Pikant ist, dass trotz der Kritik von Sweeney ausgerechnet Epic Games eines der teuersten VR-Spiele exklusiv für Oculus Rift auf den Markt bringt. Der Shooter Robo Recall kostete in der Entwicklung rund zehn Millionen US-Dollar.

Im Gespräch mit Glixel räumt Sweeney ein, dass man das Spiel ohne das Geld von Facebook nicht hätte entwickeln können. Unabhängig davon hält er an seinem Standpunkt fest: “Der Oculus Store ist toll, aber er sollte auf allen PCs und mit allen VR-Geräten laufen. […] Ich denke, wenn sie das nicht machen, werden sie schnell verlieren, da man keine Multiplayer-Spiele kaufen möchte, die man nur mit der Hälfte seiner VR-Freunde spielen kann.”

Die VR-Branche hält sich beim Thema Verkaufszahlen bedeckt.

Offiziell bekannt ist die Aussage von HTC-Chefin Cher Wang, die Ende November von 140.000 verkauften Vive-Brillen sprach. Die Zahl wurde kurz darauf von HTCs Finanzchef Chia-lin Chang revidiert: die VR-Brille soll sich “deutlich häufiger” verkauft haben. Von Oculus VR gibt es bislang keine offiziellen Verkaufsdaten.

Neben dem Gerät für Endverbraucher verkauft HTC eine spezielle Business-Edition für Unternehmen, die ebenfalls in die Verkaufszahlen eingeht. Oculus Rift hat diesen Markt – zumindest offiziell – bislang ignoriert und fokussiert sich vornehmlich auf Spieler.

HTC Vive: Underdog auf der Überholspur

Lange Zeit galt die VR-Brille von Facebook als uneinholbarer Favorit. Der Name war und ist eine bekannte Marke, Rift-Erfinder Palmer Luckey war ein anerkannter und wichtiger Kopf der Branche, die Milliarden von Facebook in der Hinterhand sorgten für einen entspannten Entwicklungsverlauf.

Herausforderer HTC und Valve setzten alles auf das ungewöhnliche Konzept räumlicher VR-Erfahrungen und lieferten die Vive-Brille mit einem aufwendigen Trackingsystem, das viel Platz benötigt, und zwei 3D-Controllern aus. Oculus VR wählte den im Vergleich konservativen Ansatz, legte nur ein herkömmliches Gamepad bei. Aufgrund des umfangreichen Zubehörs liegt HTC Vive sogar 200 Euro über dem Preis der ohnehin schon als teuer wahrgenommenen Rift-Brille.

Das Room-Scale-Feature brachte der Vive-Brille jedoch den Ruf ein, besonders exklusive und immersive VR-Erfahrungen zu ermöglichen, die mit anderen Geräten nicht möglich sind. Der Mut wurde bislang mit zahlreichen Auszeichnungen und offenbar besseren Verkaufszahlen belohnt.

Seit Dezember 2016 verkauft Oculus VR die 3D-Controller Oculus Touch und vermarktet ein Trackingverfahren, das ähnlich wie HTC Vive Bewegungen im ganzen Raum erkennt. Das Setup ist jedoch aufwendiger als beim Konkurrenten und der Gesamtpreis des VR-Systems liegt über dem von HTC Vive.

| Featured Image: VRODO

Empfohlene Artikel: