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HTC Vive: Sprayen in Virtual Reality mit Vivespray

von Matthias Bastian9. Juli 2016

Bei Vivespray für HTC Vive kann man mit einer virtuellen Sprühkanne eine Backsteinwand einfärben. Wer darauf steht, kommt auf seine Kosten.

Am Titelbild erkennt man deutlich: Ein talentierter Graffiti-Künstler werde ich in diesem Leben nicht mehr. Aber immerhin erreiche ich locker das Niveau der Kiddies, die in meiner Gegend regelmäßig Hauswände mit Geschlechtsteilen und Liebesbekundungen verschönern. Für diese Erkenntnis musste ich keinen Sachschaden begehen, sondern einfach nur meine Virtual-Reality-Brille aufsetzen und zwei 3D-Controller in die Hand nehmen. Das ist praktisch.

Virtuell stehe ich vor einer langweiligen Backsteinwand, die darauf wartet, mit grellen Farben verschönert zu werden. In meiner rechten Hand halte ich die Sprühkanne. Die verhält sich – soweit ich das als Non-Sprayer überhaupt beurteilen kann – physikalisch korrekt. Komme ich der Wand mit dem Zerstäuber sehr nahe, dann sprühe ich eher feine, dafür farblich intensive Linien. Halte ich die Sprühdose weiter weg, dann verteilt der Zerstäuber die Farbe gleichmäßig auf die Wand und ich decke eine größere Fläche ab. Außerdem ist die Farbe transparenter. Laut dem Entwickler eignet sich das perfekt für Schattierungen, was mangels Talent für mich leider nicht nachprüfbar war. In der linken Hand halte ich eine Farbpalette. Dort kann ich frei zwischen allen möglichen RGB-Farbkombinationen auswählen. Motive können zwischengespeichert und bei einer späteren Session verfeinert oder weiterbearbeitet werden. Via Teleportation kann man sich entlang der Wand bewegen. So lassen sich auch in kleineren Trackingflächen problemlos größere Motive umsetzen.

Und das war es im Prinzip auch fast schon, was es derzeit zu Vivespray zu sagen gibt. Denn außer diesen Grundfunktionen bietet die App weiter keine Optionen. Dafür kostet sie aber auch nur 6,99 Euro bei Steam. Der Entwickler verspricht für die Zukunft Updates mit neuen Umgebungen oder einer Möglichkeit für Nutzer, eigene Umgebungen zu importieren und der Community zur Verfügung zu stellen.

Tipp: Die Bedienung der Menüs ist noch etwas fummelig und wird nicht erklärt. Optionen wählt man aus, indem man mit der Sprühdüse darauf zielt und diese kurz ansprayt. Um sich zu teleportieren, muss man die beiden seitlichen Trigger in der Handfläche des linken Controllers halten. Es hat mich zehn Minuten meines Lebens gekostet, das herauszufinden. Nervig sind die monotonen Sprühgeräusche, ansonsten wurde auf Audio komplett verzichtet. Vivespray wurde ohne Zweifel mit der heißen Nadel gestrickt, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis passt dennoch.

Erscheint Kingspray zeitexklusiv für Oculus Rift?

Der im Mai angekündigte Graffiti-Simulator Kingspray machte in den damaligen Trailern einen deutlich kompletteren und grafisch anspruchsvolleren Eindruck im Vergleich zu Vivespray. Allerdings ist es seit den ersten Bildern still geworden um die Entwickler. Bei Reddit gibt es Gerüchte, dass das Spiel vorerst zeitexklusiv für Oculus Touch und Oculus Rift erscheinen könnte. Die offizielle Steam-Seite listet die Version für HTC Vive noch. Wer einfach nicht mehr auf eine offizielle Info warten will – oder Oculus Rift ohnehin nicht besitzt – der hat mit Vivespray nun eine günstige Alternative, die schon jetzt verfügbar ist und fast kein Geld kostet.