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HTC Vive mit Steam VR

von Carolin Albrand1. März 2015
HTC Vive in Kombination mit Valves Steam VR setzt sich mit dem Trackingsystem Lighthouse ab, dank dem es Spielern möglich ist, sich in einem Radius von etwa 16m² frei im Raum zu bewegen.
Tech Facts / Datenblatt
Preis

899 Euro

Release

April 2016

Größe und Gewicht

550 Gramm

Display

Zwei OLED-Displays
Low-Persistence

Auflösung

2160x1200 Pixel
1080x1200 Pixel pro Auge

Refreshrate

90hz

Latenz

Global-Display mit Low Persistence
unter 20ms

Sichtfeld

circa 110 Grad horizontal
circa 113 Grad vertikal
abhängig vom Sehabstand

Steuerung

zwei spezielle 3D-Controller

Sound

Kopfhörerausgang, kein eigenes Soundsystem bislang

Tracking

Trackingsystem Lighthouse (Valve/Steam)
Trackingsystem mit vollständiger Bewegungsfreiheit
in einem Radius von rund 20m²
Gyrometer
Beschleunigungssensor

Betriebssytsem

Windows

Anschlüsse

HDMI
USB
Audioausgang

Stromquelle

USB

Features

- Direkte Anbindung an SteamVR, Vertriebsplatform für digitale Spiele
- rund 20m² Bewegungsfreiheit mit Lighthouse
- Zwei 3D-Controller im Lieferumfang
- Front-Kamera im Gehäuse der VR-Brille

März 2015: HTC und Valve betreten gemeinsam die VR-Bühne. Eine vielversprechende Partnerschaft – Valve ist führender Anbieter im Vertrieb von digitalen PC-Spielen, betreibt unter anderem die Vertriebsplattform “Steam”, die weltweit mehr als 100 Millionen Nutzer hat.

HTC hat Erfahrung im Hardware-Design und bringt Know-how insbesondere im Bereich der Display-Technologie mit. In kürzester Zeit konnten HTC und Valve gemeinsam die Herzen vieler VR-Gamer gewinnen. Mittlerweile wird HTC Vive in einem Atemzug mit Oculus Rift genannt. Auf der Gamescom 2015 konnte HTC Vive sogar vor allen anderen VR-Brillen den Preis für die “beste Hardware” gewinnen. Wer HTC Vive testen durfte, ist insbesondere von den Controllern und dem ausgereiften Trackingsystem begeistert. In einem rund 20m² großen Radius kann sich der Nutzer frei bewegen und so komplett in die virtuelle Realität eintauchen. Alle anderen VR-Brillen-Hersteller demonstrierten Virtual Reality bisher nur im Sitzen oder im Stehen.

Lies dazu auch: HTC Vive im Vergleich mit Oculus Rift – Fazit nach acht Wochen Dauertest, Tipps für das Setup und die Konfiguration der VR-Brille

Bis zu 16m² Bewegungsfreiheit dank Lighthouse und Chaperone

Schon der Prototyp konnte die Fachwelt nach den ersten Tests begeistern: Technologisch auf Augenhöhe mit Wettbewerbern wie Oculus Rift, zum Teil sogar ein wenig voraus, machten vor allem die exakte Bewegungserkennung und die speziellen 3D-Controller den Unterschied zur Konkurrenz. Die VR-Brille kommt mit Valves Trackingsystem Lighthouse, das in der vituellen Realität einen Bewegungsradius von gut 16m² erlaubt. Spezielle Basisstationen, die in den Ecken eines Raumes montiert werden, senden unschädliche Laserstrahlen aus, die auf der VR-Brille und den 3D-Controllern auf Fotowiderstände treffen. Auf diese Art kann die Software den Raum vermessen und Bewegungen des Nutzers in VR übertragen. Kommt der Nutzer einer Wand zu nahe, wird automatisch eine Warnung eingeblendet. Gegenüber den bisherigen VR-Angeboten, die in erster Linie sitzend oder stehend genutzt werden, ist das ein deutlicher Fortschritt. Das Lighthouse-System soll zukünftig auch anderen Herstellern von VR-Brillen zur Verfügung stehen. Lizenzgebühren will Valve dafür nicht verlangen, aber die VR-Brille muss anschließend unter Steam laufen und Valves SDK unterstützen.

Neben der präzisen Bewegungsmessung wird außerdem das gute Hardware-Design gelobt. HTC Vive ist recht leicht und auch bei längerer Nutzung verhältnismäßig bequem. Seit der Entwicklerversion HTC Vive “Pre” ist außerdem eine Kamera in die Vorderseite der VR-Brille eingelassen. Diese kann ein Bild der Außenwelt in das Innere der VR-Brille projizieren und die digitalen Bilder überlagern. So kann der Brillenträger, auch ohne Vive abzusetzen, mit seiner Umwelt interagieren, beispielsweise ein Glas greifen oder mit anderen Personen im Raum sprechen. Außerdem erhöht die neue Kamera die Sicherheit, denn nähert sich der Spieler einem Hindernis, schaltet sie sich automatisch an und warnt den VR-Brillenträger.

Laut HTC sollen mit der Kamera in Kombination mit dem Trackingsystem Lighthouse auch neue Mixed-Reality-Anwendungen möglich sein, die virtuelle und augmentierte Realität miteinander kombinieren. Konkrete Beispiele dazu wurden aber noch nicht gezeigt, in erster Linie ist es ein Feature für mehr Sicherheit und weniger Isolation. Daher auch der Name des Systems: Chaperone bedeutet soviel wie “Aufpasser”.

HTC Vive früher und heute - Vergleich.

In HTC Vive Pre (links) wurde zusätzlich eine Frontkamera eingebaut, das System ist insgesamt schlanker. BILD: HTC

HTC Vive früher und heute - Vergleich.

HTC Vive Pre (links) im Vergleich zur ersten Entwicklerversion. BILD: HTC

HTC Vive früher und heute - Vergleich.

Die 3D-Controller im Laufe der Zeit, ganz links ein erster Prototyp, ganz rechts die finale Version. BILD: HTC

Aufbau und Display von HTC Vive

In HTC Vive sind zwei OLED-Displas verbaut, die mit je 1080 x 1200 Pixel pro Auge (insgesamt 2160×1200) auflösen. Angesteuert wird das Panel mit 90 Hertz, VR-Anwendungen laufen also, wie bei Oculus Rift oder Playstation VR, mit maximal 90 Bildern pro Sekunde. Außerdem bietet HTC das weiteste Sichtfeld von allen VR-Brillen, das bei etwa 110 Grad horizontal und 113 Grad vertikal liegen soll. Im Vergleich dazu ist das Sichtfeld von Oculus Rift CV1 deutlich enger und liegt nur bei etwa 94 Grad horizontal und 93 vertikal. Der auf dem Papier drastische Unterschied fällt bei der realen Nutzung aber kaum auf. Wer tiefer einsteigen will, findet hier sämtliche Messergebnisse.

Außerdem wird ein Display mit Low-Persistence verwendet, das die Pixel nicht zeilenweise aktualisiert, sondern alle Pixel zeitgleich. Dadurch werden hässliche Nachzieh- und Schmiereffekte reduziert. Auffällig sind die außen am Headset angebrachten Fotowiderstände, die das Tracking-System Lighthouse dabei unterstützen, den Spieler in der rund 16m² großen Fläche korrekt zu orten.

Nur was für Gamer? Nö.

Trotz der strategischen Partnerschaft mit Valve geht es HTC langfristig um mehr als nur Spiele. Gegenüber The Verge äußerte Peter Chou, CEO von HTC, dass er davon überzeugt sei, dass sich VR-Technologien in allen Lebensbereichen etablieren können. „Wir glauben, dass Virtual Reality unsere Interaktion mit der Welt grundsätzlich verändert. Es wird eine Mainstream-Technologie. Live-Konzerte virtuell besuchen, Geschichte lernen, Erinnerungen loslassen”, erklärt Chou. HTC befindet sich bereits in Gesprächen mit HBO, Google und Lionsgate um VR-Erfahrungen über Spiele hinaus anbieten zu können. Im medizinischen Bereich wurde außerdem ein spezielles Angebot für Ärzte entwickelt, damit sich diese in VR-3D-Umgebungen auf Operationen vorbereiten können oder um Patienten die OP-Schritte in Virtual Reality zu erklären. Laut Engadget plant unter anderem Audi, die VR-Brille für virtuelle Testfahrten im Laden einzusetzen.

Release und Preis von HTC Vive – VR-Brille kostet 899 Euro, Lieferung innerhalb von 72 Stunden

Ursprünglich sollte HTC Vive schon Ende 2015 erscheinen, wurde dann aber auf den April 2016 verschoben. Ein überarbeitetes Entwicklerkit, das weitgehend identisch mit der finalen Consumer-Version ist, erschien bereits Anfang Januar und wurde auf der CES in Las Vegas erstmals präsentiert. Rund 7.000 zusätzliche VR-Brillen der HTC Vive Developer Kit “Pre” wurden im Januar 2016 an Entwickler ausgeliefert.

Am 29. Februar 2016 starteten die Vorbestellungen für die Consumer-Version. Aus Deutschland muss man auch jetzt noch über den Online-Shop bestellen, wann die VR-Brille in den Einzelhandel kommt, ist derzeit nicht bekannt. Der Preis für die VR-Brille beträgt 899 Euro zuzüglich Porto, verschickt wird sie seit dem 1. April. Mit im Paket sind die beide kostenlosen Spiele “Fantastic Contraption” und “Job Simulator” sowie Googles kostenlose Mal- und Zeichnen-App “Tilt Brush”. Seit Anfang Juni verspricht HTC eine weltweite Lieferung innerhalb von 72 Stunden.

| FEATURED IMAGE: HTC