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HTC Vive: The Price of Freedom ausprobiert – VR-Erfahrung im Serienformat

von Matthias Bastian30. Dezember 2016

Die Entwickler des Construct Studio formulieren es als ihre Aufgabe, eine Brücke zwischen Film und Spiel zu schlagen und das interaktive Storytelling in Virtual Reality zu perfektionieren. Das Agentendrama “The Price of Freedom” für HTC Vive ist der Auftakt zu einer Serie, der dieses Kunststück gelingen soll.

Die Handlung von “The Price of Freedom” spielt im Jahr 1960. Die USA und Russland befinden sich im kalten Krieg und der atomare Erstschlag ist eine allgegenwärtige Bedrohung. Die Geheimdienste rüsten auf und arbeiten ohne Unterlass.

Mit der VR-Brille auf dem Kopf schlüpft man in die Rolle von Agent Zero, dem die Aufgabe zuteilwird, den radikalen Aufklärer Benjamin Miller zu erledigen. Miller brach zuvor beim CIA ein und stahl wichtige Papiere.

In der Rolle als behördlicher Vollstrecker bricht man in Millers Wohnung ein und teilt ihm das Urteil mit, das auf Hochverrat steht. Die Story kommt ins Rollen, als man nach dem tödlichen Schuss in Millers Wohnung auf die wahren Motive für seinen Einbruch stößt.

Kurz und knackig, dafür regelmäßig

Schon nach rund 15 Minuten ist die VR-Erfahrung wieder beendet. Die Story ist kurz, hat es aber in sich und bietet in den ersten Minuten eine Wendung, auf die mancher Spielfilm 90 Minuten hinarbeitet.

Das Interessante an der Wendung ist, dass man sich persönlich betroffen fühlt. Die Perspektive wechselt von “dem fiktiven Charakter passiert etwas” hin zu “mir passiert etwas”.

Die Frage ist, ob sich diese Wahrnehmung dauerhaft aufrechterhalten lässt oder ob sich über einen längeren Zeitraum hinweg nicht genau der gegenteilige Effekt einstellt: Anstatt größerer Nähe empfindet man Distanz, da man das Gefühl hat, in einem Körper und Geist festzustecken, der nicht den eigenen Werten entspricht.

Wegen des Mittendrin-Effekts mit der VR-Brille ist eine Storyerfahrung wie “The Price of Freedom” nicht mit Computerspielen oder Filmen vergleichbar, die aus der Ego-Perspektive inszeniert werden.

Bei denen hat man noch immer ausreichend Raum, den Protagonisten als eigenständigen Charakter wahrzunehmen, durch dessen Augen man zwar blickt, den man aber nicht vollständig verkörpert. Mit der VR-Brille geht diese Ebene der Abstraktion vollkommen verloren: Man wird zum Charakter.

Den Entwicklern des Construct Studios obliegt es nun, diese und andere Fragen zu klären, denn “The Price of Freedom” ist nur der Auftakt einer mehrteiligen Serie. Die kurze interaktive Erfahrung erschafft die Bühne für weitere Verzweigungen der Handlung. Wie diese zukünftig ablaufen könnte, wird zum Ende von Episode 1 angedeutet.

Die Inszenierung der ersten Folge passt und es ergibt Sinn, episodische Inhalte für die VR-Brille zu veröffentlichen, die kurz sind und intensiv wirken. “The Price of Freedom” ist kostenlos bei Steam für HTC Vive erhältlich und setzt raumfüllendes Tracking voraus.

| Featured Image: Construct Studio

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